Hallo Herr Bundespräsident!
Ich darf Sie hiermit offiziell auffordern, im Amt zu bleiben.Es gibt nichts, was dem deutschen Volk im Moment mehr nutzen kann. Jedes Mal, wenn Ihre Person oder auch nur irgendeine Aktivität gegen Sie oder für Sie durch Presse, Funk und Fernsehen läuft, erinnert dies den deutschen Bundesbürger daran, was er von seinen Politikern zu halten hat. Der Bundesbürger hat nämlich eine leichte Tendenz, Dinge zu vergessen. So wird dies ausgeschlossen. Er wird immer – und festgemacht an Ihrer Person – das Bild des deutschen Politiker vor Augen haben und nicht so leicht vergessen, was „deutscher Politiker“ bedeutet.
Was bedeutet „deutscher Politiker“?
1. Er ist machtgierig und lügt wie gedruckt.
Der deutsche Politiker ist süchtig. Es mag Leute geben, die auf Kokain oder Heroin süchtig sind, aber der Poltiker einer deutschen bürgerlichen Partei ist vor allem und hauptsächlich süchtig nach Macht. Hat er die Möglichkeit, an einer Regierung beteiligt zu werden, wird er seine eigene Mutter verkaufen, wenn dies hilft. Kann er seine verantwortliche Position noch ein wenig länger ausüben, wird er selbst seine Freundschaft zum Bild-Chefredakteur aufs Spiel setzen. Muss er alles, was im Programm seiner Partei steht, vergessen, um in eine Koalition einsteigen zu können, so vergisst er es noch im gleichen Moment. Die Grünen haben die beeindruckendsten Beispiele dieser Fähigkeit des Chamelions geliefert: Als sie in Hamburg eine Koalition mit der CDU (mit der CDU!) angeboten bekamen, vergassen sie im gleichen Moment ihre heiligen Schwüre, mit ihnen würde nie ein neues Kohlekraftwerk in Hamburg gebaut. Als sie die Chance hatten, zusammen mit Schröder (mit Schröder!) eine Bundesregierung zu bilden, vergassen sie alle Schwüre, mit ihnen gäbe es nie eine Fortsetzung der Atomkraftwerke und unterschrieben einen Vertrag mit Zig und Zig von weiteren Atomkraftwerk-Jahren.
2. Er ist geldgierig.
Da ist nicht nur Kohl, der von den Firmen verlangte, die Spendengelder ihm persönlich in schwarzen Aktenkoffern zu übermitteln und nicht als offizielle Parteispende. So konnte er diese Milionen in Parteieinheiten einsetzen, die ihn unterstützten und nicht seine möglichen Rivalen. Bekanntlich kam er mit diesem offenen Bruch des Parteispendengesetzes davon, ohne auch nur gezwungen zu werden, die Spender offen zu legen. Wieviel und ob er davon für sich selbst abgezweigt hatte, wurde nie auch nur als Frage aufgeworfen. Wer auch immer dieser Kohl gewesen sein mag, dass sich sowohl seine Frau als auch seine Kinder von ihm abgewandt haben, spricht für sich. Ob das mit seiner Geldgier zu tun hat, weiss man nicht.
Doch die Geldgier wird natürlich auch an anderen deutlich: Sehen Sie nur Schröder selbst, der zuerst seine Funktion als Bundeskanzler nutzte, um mit Russland eine neue Pipeline für russisches Gas durch die Ostsee zu vereinbaren und kaum ein halbes Jahr später, abgewählt, sich in eine Chef-Funktion in ebenjener Pipeline-Gesellschaft berufen liess. Auch die 500 000 Euro, die unser heissgeliebter Bundespräsident offenbar als „verlorener Zuschuss“ erhalten hatte von einem Unternehmer, den er dann auf offizielle Auslandsreisen mitnahm, ist eine Menge Geld, wenn man auch zugeben muss, das hält keinen Vergleich mit Kohls Millionen aus.
3. Noch einmal: Er lügt wie gedruckt
Wie oft haben Sie gehört: „Die Renten sind sicher!“? Nun, eben wurde erneut die Rentenkürzung bestätigt, die jene „Rente ab 67“ bedeutet. Doch die Politiker und ihre Vorsprecher in den Vereinigungen des Kapitals beginnen bereits, von der Rente mit 69 zu sprechen. Es wird nicht lange dauern, wenn die letzten Reste des deutschen Rentensystems den Fangarmen der Banken und anderen Spekulanten zum Opfer gefallen sein werden. Und alle Politiker werden weiterhin ernste Mienen machen und versichern, es sei völlig richtig gewesen, zu sagen, die Renten sind sicher. Wenn sie alleine sind, werden sie natürlich in Lachkrämpfe ausbrechen und brüllen: „Die Idioten haben das tatsächlich geglaubt, die sind ja sooo doof!!!“
Auch unser heissgeliebter Bundespräsident mag von Zeit zu Zeit in die vorgehaltene Hand glucksen und grinsen, denn bis heute hat niemand von ihm einen Beweis verlangt, dass die 500 000 ein Kredit waren und kein „verlorener Zuschuss“, wie man typischerweise Bestechungsgelder deklariert.
Nun, dies alles lässt uns erinnern, was man von unseren Politikern erwarten kann, soll und muss und der Bundespräsident ist ein so leuchtendes Beispiel dafür, dass wir ihm ewig dankbar sein müssen. Er ist leuchtendes Vorbild und zugleich Inkarnation des typischen Politikers einer deutschen bürgerlichen Partei.
Er dient uns damit als immerwährender Protoyyp und als Mahnung, nie zu vergessen, was die Politiker der deutschen bürgerlichen Parteien sind.
Darum ist es so wichtig, dass er nicht zurücktritt.
quelle http://www.karl-weiss-journalismus.de/?p=1406
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