NACHRUF! Marius, 32 Jahre alt, ist tot

von Bertolt Brecht

VON Elisabeth Kuhnle

Am 13. Oktober 2012 zündet sich ein junger Mann auf den Stufen des Reichstagsgebäudes in Berlin selbst an, dann sticht er sich mit einem Messer in die Lunge. Kurz darauf stirbt er an diesem Ort, vor den Augen vieler anderer Menschen.

Marius, 32 Jahre alt, ist tot.

Was trieb ihn in den Suizid?

Die Tat hat rein persönliche Hintergründe -. das ist die offizielle Version.

Erinnerungen an Tunesien, wo die Selbstverbrennung eines Mannes heftige Unruhen auslöste, die den arabischen Frühling einläuteten, werden wach.

Am 17. Dezember 2010 begannen in Tunesien Proteste gegen die Regierung von Staatsoberhaupt Zine el-Abidine Ben Ali, nachdem der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi mit seiner Selbstverbrennung gegen Demütigungen protestierte.

Innerhalb weniger Wochen kam es zu landesweiten Massenunruhen, die in den nächsten Monaten auf etliche Staaten in Nordafrika und dem Nahen Osten übergriffen.

Doch die Tat von Marius in Berlin hat einen rein persönlichen Hintergrund. – Ist das wahr? Kann das sein?

Der Tathergang wird in den meisten offiziellen Medienberichten umgedreht – Marius soll sich zuerst mit dem Messer verletzt und dann angezündet haben. Er hat einen Abschiedsbrief geschrieben – darin soll stehen, dass es rein persönliche Gründe sind, die ihn in den Selbstmord treiben.

Der Abschiedsbrief von Marius, das Vermächtnis! – könnte verstehen helfen

Bilder und ein Video, die Marius zeigen, werden von der Presse gelöscht.

Menschen, die Marius persönlich kannten, melden sich zu Wort – keiner glaubt an etwas anderes als ein politisches Motiv für seine Selbsttötung, ein eindrückliches politisch-motiviertes Zeichen.

Marius war Teilnehmer des Zeltmarsches der aCAMPada 2011 in Berlin gewesen.

Auf dem zweiten Bildungsweg hat er sein Abitur gemacht.

Ein Teilnehmer der Abiturfeier erlebte ihn als lebensfrohen Menschen.

Er schreibt:

“Doch auch wenn mir seine Gründe nicht bekannt sind, sind der Ort die Art und die Zeit eindeutige Zeichen.”

….. und wenn eine Presse oder Polizei dies

in einer verachtenden Ignoranz nicht wahrnimmt zeigt es vielleicht auch das worauf Marius auch mit der Form seines Todes hinweisen möchte. Ich werde meine Augen davor nicht verschliessen und bin traurig das ich ihm nicht wieder begegnen kann. Auch wenn ich ihm nur kurz begegnet bin ist es für mich Herzlichkeit Offenheit Lebensfreude die von uns als Marius gegangen ist.“

In Marburg, wo Marius studieren wird, findet er keine Wohnung. Er muss in einer Notunterkunft leben.

An diesem 13. Oktober in Berlin gibt es vor dem Reichstag eine Demo von vielen Hundert Menschen, die sich versammelt haben, um für das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu demonstrieren – gegen die Einflussnahme der starken Lobby der großen Energiekonzerne.

Zwischen 10 und 13 Uhr findet die Veranstaltung auf dem Platz der Republik statt.

Zwischen 11 und 13 Uhr findet zeitgleich der Demonstrationszug zum Global Noise Day statt, der vom Axel-Springer-Haus zum Neuköllner Hermannplatz führt. Ab 13 Uhr dann findet auf dem Neuköllner Hermannplatz eine Großveranstaltung statt, um gemeinsam laut zu sein „gegen die autoritäre Krisenpolitik der Bundesregierung und der Troika, gegen deren restriktive Sparprogramme, die breite gesellschaftliche Teile in Südeuropa in Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit stürzt. Wir wollen die Frage stellen nach unseren Protesten und einzelnen oder kollektiven Alltagskämpfen, gegen steigende Mieten, gegen das Jobcenter, gegen die Kürzung von Geldern für soziale Einrichtungen.“

Auch in Griechenland haben sich Menschen aus Verzweiflung verbrannt, nachdem dort das System kollabiert ist. Die Selbstmordrate ist dort seitdem enorm gestiegen.

Um 15 Uhr beginnt die Demonstration zum Abschluss des Flüchlingsmarsches auf dem Oranienplatz, mehrere Tausend Menschen sind gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für mehr Menschlichkeit zusammen unterwegs. Sie ziehen zusammen zum Reichstag.

Zu dem Zeitpunkt, als Marius sich das Leben nimmt, ist direkt vor dem Reichstag keine Demo – es ist Demo-Pause, aber nur hier. Denn nur wenige Kilometer vom Reichstagsgebäude entfernt hat auf dem Neuköllner Hermannplatz mittlerweile die Großveranstaltung zum Global Noise Day begonnen. Hier werden dieselben Anliegen vertreten, wie bei der aCAMPada 2011, an der Marius selbst teilgenommen hat.

Er war ein politisch bewegter Mensch.

… auch der Flüchtlingsstreik, der am selben 13.10.2012 Tausende Demonstrationen auf die Straße brachte, begann nach einer Selbsttötung eines Menschen, der in einem Flüchtlingsheim lebte.

Später, als Marius schon tot ist, treffen sich vor dem Reichstagsgebäude die vielen Tausend DemonstrantInnen der Abschlussdemo des Flüchtlingsmarsches, der von AsylbewerberInnen ins Leben gerufenen Aktion, um auf die unmenschlichen Bedingungen ihres Lebens in D hinzuweisen – und die dagegen demonstrierenden AnhängerInnen von Pro Deutschland, einer neuen rechtsradikalen Front im Land – laut Medienberichten waren dies gerade mal ein Dutzend Personen.

Ein starkes Polizeiaufgebot verhindert, dass sich beide Gruppen direkt begegnen.

Global Noise, um auf all das Unrecht, die Unmenschlichkeit im System, in der Gesellschaft hinzuweisen – später dann Rechtsradikale gegen AsylbewerberInnen.

Dazwischen Marius, der einen leisen Tod stirbt. Einen leisen, doch spektakulären Tod, an einem prominenten Ort, vor den Augen vieler.

Eines der drängenden Probleme im Umgang der Behörden mit AsylbewerberInnen ist die akute Unterkunftsnot – es gibt viel zu wenig Unterkünfte, und viele Menschen wollen keine AsylbewerberInnen in ihrer Nachbarschaft wohnen haben. Zudem verbietet die Residenzpflicht den AsylbewerberInnen, sich frei im Land zu bewegen – sie sind an die direkte Umgebung ihrer dürftigen Unterkünfte regelrecht gefesselt, sofern sie sich nicht strafbar machen wollen.

Für Marius war ein drängendes Problem, dass er keine Wohnung in Marburg, seiner Studienstadt, finden konnte – keine Wohnung, kein Zimmer – es blieb nur eine Notunterkunft. Er war obdachlos – wie sollte er studieren? Wie lange würde es möglich sein, in der Notunterkunft zu bleiben? Was für Konsequenzen hatte seine Obdachlosigkeit für ihn als Studenten?

Er hatte einen überaus großen Einsatz gebracht, um die Hochschulreife zu erlangen, auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen – lernen, pauken, Abschluss-Prüfungen machen, nebenzu arbeiten, sich den Lebensunterhalt verdienen – und nun?

Was immer ihn getrieben haben mag, sich den Qualen einer Selbstverbrennung auszusetzen, es ist eine Katastrophe. Es ist eine Katastrophe, dass ein junger Mensch, Anfang Dreißig, sich freiwillig das Leben nimmt. Es ist kein Alltag, solche Tragödien sind nie Alltag, auch und gerade, weil ihre Zahl beständig zunimmt.

Jean Ziegler sagt: „Jedes verhungerte Kind ist ermordet worden.“ Und er hat so recht!

Wir sehen und wir sagen: „Jeder Mensch, der selbst Hand an sich legt, der sich selbst umbringt, wird ermordet – ermordet von einem grausamen, unmenschlichen System, einer kaltherzigen, vergesslichen, hektischen Gesellschaft!“

Und darum wollen wir verstehen, was Marius getrieben hat -

Marius, wir trauern um Dich.

Wir werden Dein Andenken ehren, indem wir dazu beitragen, jeder Einzelne, an jedem Tag, durch eigene Taten die Gesellschaft warmherziger, offener, solidarischer und gerechter zu machen. Wir werden Dein Andenken ehren, indem wir dazu beitragen, die Wahrheit aus dem Sumpf von Lug und Trug zu befreien.

Ruhe in Frieden, Fremder, Freund, zu früh gegangener Zeitgenosse, froher, leidender, verzweifelter Mitmensch.

Ruhe in Frieden.

AM ENDE DES REGENBOGENS SEHEN WIR UNS ALLE WIEDER

http://www.atase.de/blog/

KERZE FÜR MARIUS http://www.gratefulness.org/

 

EPILOG: POSTUM

„Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an.

Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“

von Bertolt Brecht

 

Generation Alpha - und das war am 13.10.2012 in ganz Europa los:

Generation Alpha

Empört euch http://www.youtube.com/watch?v=Qtqjqs_AuFg

 

LINKS:

http://www.eeg-aktuell.de/2012/10/wir-tragen-die-energiewende-%E2%80%93-demonstration-in-berlin/

http://www.globalnoise.net/berlin/

http://refugeetentaction.net/index.php?option=com_content&view=article&id=103:demonstration-in-berlin-am-13-oktober&catid=2:uncategorised&Itemid=132&lang=de

https://www.facebook.com/ThomasRossiRassloff

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157631759954774

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/polizei-verhindert-begegnung-beider-demos-pro-deutschland-provoziert-bei-asylbewerber-demo/7251652.html

http://momentum-kongress.org/eroffnungsrede-von-barbara-blaha

FOTOMONTAGE http://www.atase.de/blog/

BLOGBEITRÄGE http://mantovan9.wordpress.com/2012/10/18/wir-fordern-die-ganze-wahrheit-uber-den-suizid-von-marius/

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31 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES, Deutschland, Finanzkrise

31 Antworten zu “NACHRUF! Marius, 32 Jahre alt, ist tot

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  6. Auch ich hatte bisher nichts von diesem erschütternden Vorfall gehört, obwohl ich ein sehr informierter Mensch bin, der viel im Netz recherchiert. Das die deutsche Presse das totschweigt oder verfälscht darstellt bzw. zensiert, hat einen einfachen Grund: Sie haben Angst vor Nachahmern. Insgeheim ist den Mächtigen wohl auch bewusst, wie viele Menschen dieses System produziert, die nur noch zwischen Wut und Verzweiflung schwanken. Wenn dann noch Drangsalierungen dazukommen, kippt die Lethargie schnell zu solchen und anderen Taten. Auch die Vorfälle in den Jobcentern werden (wenn es nicht gerade ein Tötungsdelikt ist) von der Presse konsequent totgeschwiegen und stattdessen lieber über weltbewegende Dinge wie die Krümelmonster-Bande berichtet. Da kann einem schlecht werden. Mich hat der Bericht über Marius S. sehr bewegt und ich hoffe sein Tod war nicht umsonst. Wie lange lassen sich die Menschen in diesem Land noch weiter knechten und entrechten? Steht auf!

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  9. Pingback: Von den Jobcentern in den Tod getrieben oder wie Leichen den Weg der Hartz IV-Reform pflastern | Der Nachrichtenspiegel

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  11. BB

    ich bin tief berührt danke für diesen nachruf!!!
    unglaublicher weise habe ich noch nichts von marius gehört oder gelesen! was ist bloss los in diesem menschenverachtendem system, was sich demokratie nennt und diese gute idee beschmutz und benutz um uns angeblich in freiheit leben zulassen i?!
    diesem verlogenem schauspiel aus profitgier und macht! in dem es nur noch ums geld und nicht mehr um uns und unsere leben/ seelen geht? ich bekomme dann immer wieder, nach dem mir die tränen übers gesicht laufen, so eine unglaubliche wut im bauch und frage mich wann wir endlich alle zusammen zur scheiss bank gehen und alles scheiss geld abheben was wir noch haben um es dann zu entwerten in dem wir es verbrennen! VIVA LA LOVELUTION!!!

  12. http://www.elo-forum.info/nachruf-marius-32-jahre-alt-ist-tot-selbstmord-vor-dem-reichstag-was-steckte-wirklich-dahinter-t1383.html

    Übernommen für das Forum von http://www.brd-sozial.info der Website für Soziale Themen…

    Hilfestellungen bei Problemen mit ALG II, Grundsicherung etc. im Forum unter http://www.elo-forum.info.

  13. Steffen Hannemann

    Was sollen wir tun? Die Ohnmacht der Ohnmächtigen, ich habe jetzt 90% Sanktionen und wolt mich per Anwalt dagegen zur Wehr setzen. Ein Anwalt hatte per Mail zugesagt, am Telefon wo ich einen Termin vereinbart habe – zusage, beim Termin: So was mach ich nicht geh arbeiten und viel Spaß bei der Anwaltsuche für Arbeitsverweigerung!
    Was kann man als wirklich tun?
    Deutschland ist eine Parteiendemokratie, nur über Parteien können neue Ideen umgesetzt werden und eine Partei ist so gut, wie die einzelnen Mittglieder sind. Bitte darum soll man sich in Parteien einbringen, wenn man die alten Denkschablonen der heutigen Politik aus dem neunzehnten Jahrhundert endlich überwinden will! Nach dem Internet-Zeitalter, stehen wir heute im Zeitalter der Robotik, wo die Arbeitsideologie/Religion jegliche Daseinsberechtigung verloren hat! Darum habe ich die Selbstverbrennung von Marius S. in meinen Antrag auf BGE mit im Antrag reingenommen damit dies nicht weiterhin vertuscht wird! Bitte diesen Antrag auf den BPT in Bochum unterstützen – DANKE!
    https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA250

  14. Pingback: UND DAS PARLAMENT SCHWEIGT « volksbetrug.net

  15. Pingback: UND DAS PARLAMENT SCHWEIGT | mein name ist mensch

  16. monopoli

    Reblogged this on monopoli und kommentierte:
    Ein guter Artikel!

  17. Joaquin de Teba Bergener

    ich bin zutiefst betroffen und sprachlos. Als ich, bald 61jährig, einen Brief vom Amt bekam, das meine Wohnung zu teuer wäre, bekam ich Angst, Angst vor Obdachlosigkeit, vor Armut. Für mich ließ sich das noch klären, aber der Suizid von Marius kam mir gleich in den Sinn. Wie verzweifelt und einsam muss ein Mensch sein sich das an zu tun. Mich erinnert das aber auch an viele Freunde und Bekannte die sich das Leben genommen haben, die Menschen sind sofort in Bilder in meinen Gedanken. Jetzt kann ich nicht mehr schreiben weil Tränen kommen.
    Danke für das Kondolenzbuch..

  18. Helge Parpart, auch Mensch

    R.I.P. Forever; like so many People did the same step as a message! His “Mission” is over, but not forgetable!, never!

  19. Richtig ist das solche Taten mich sehr berühren. Der Nachruf ist Anteil nehmend verfasst. Richtig ist das die Ohnmacht uns Krank macht. Richtig ist das man sich zu Wort melden muss aber richtig ist auch das sich durch solche Handlungsweisen nichts ändert sondern die falschen Leute zusammen rücken. Seit Jahren möchte ich etwas ändern mit dem Ergebnis das man sich selber ändert. Wo Zuversicht und Hoffnung war fängt die Resignation an zu regieren. Wo das Wort gesprochen werden sollte fängt man an zu schweigen aber das gilt eben auch für den bedauernswerten Marius. Das was den Mensch zerstört sind seine Ideologien und der Kampf um Links oder Rechts um Arm oder Reich Schwarz oder Weiß. Lehnt euch dort auf wo es angebracht ist innerhalb der Bindungen und den täglichen Lebenssituationen, am Arbeitsplatz und immer dann wenn unrecht geschieht aber hört auf eine Ideologie durchsetzten zu wollen dann werdet ihr zum Marius.

  20. Gerswind

    Reblogged this on Gerswind.

  21. feld89

    Reblogged this on volksbetrug.net.

  22. Steffen Hannemann

    Wir haben heute alles im Überfluss und werfen 50% selbst der Lebensmittel in die Abfalltonne, aber politisch wird an die 300 Jahre alte Arbeitsideologie, bzw. Arbeitsreligion festgehalten. jeder wird jetzt vom JobCenter zur Arbeit gezwungen, bei Verweigerung drohen Sanktionen. Ich bin selber ofw und lebe wenn ich in Deutschland bin in einem Notaufnahmeheim für Obdachlose. Weil ich nicht bereit bin eine Niedriglohnarbeit anzunehmen wurde ich jetzt auf 90% sanktioniert, das bedeutet NULL Euro aufs Konto und wenn man die Lebensmittelgutscheine in Höhe von 104 Euro im Monat nicht akzeptiert auch keine Wohnung, Krankenversicherung. Ich weiß auch wie es ist, im Wald zu zelten, hab das auch jahrelang praktiziert. Zum Glück habe ich seit 2007 eine SED-Opferrente was einem BGE entspricht und dadurch die Möglichkeit der Schikanen ins Ausland zu entfliehen.
    Wer aber immer nur in Deutschland ist, der verzweifelt irgendwann an den System, das jeden so lästig wie möglich kommt. Ich kann es gut nachvollziehen und finde es erschreckend, dass man dies von Medien und Politik zu vertuschen sucht. Genau wie die Selbstverbrennung des Pfarrer Oskar Brüsewitz und die vielen Selbstverbrennungen in Tibet gegen die Unmenschlichkeit. Für eine Demokratie ist das nur eins: Beschämend! Es muss sich endlich was verändern, verbessern, denn das BIP hat sich in den letzten 40 Jahren versieben facht, damals war es noch normal, dass man den halben Sozialhilfesatz im Ausland erhielt, keine Zuzahlung bei Rezepten, keine 10 Euro Arztbesuch, es war damals leicht in den Vorruhestand zu gehen. Was geschieht mit all dem Geld! Warum werden heute Mittellose derartig drangsaliert???

  23. Reblogged this on Die Killerbiene sagt… und kommentierte:
    Guter Artikel über die Selbstverbrennung eines Mannes vor dem Reichstagsgebäude am 13. Oktober.
    Allerdings dürfte klar sein, daß ich mit den Schlussfolgerungen bezüglich den “armen Asylanten” nicht konform gehe.
    LG, killerbee

  24. Pingback: AtaSe.de-Blog Visions

  25. Lieber Marius, gern hätte ich dich kennengelernt.Es trifft mich tief, das hier zu lesen, obgleich du ein Unbekannter bist.Ich bin Mutter zweier Kinder und obwohl ich schon Zeiten hatte, in denen ich Vollzeit arbeiten gegangen bin, lebe ich mit meiner Familie trotzdem immer am Rande der Armutsgrenze.Deine Botschaft geht mir an Herz denn Politiker, sind so fernab jeder Realität.Sie reden von sozialen Problemen und wissen in Wahrheit nicht einmal ansatzweise, wieviel Not und Elend in der Bevölkerung herrscht.Ihre Reden sind leer, den Worten folgen keine Taten. Wir wählen sie, damit sie uns weiterhin belügen.

    Das hier erinnert mich auch an den Mann, der sich in Griechenland vor dem Parlamentsgebäude mit einer Waffe das Leben nahm.Wieviel braucht es noch, damit wir endlich aufwachen?

    Ich wünsche mir,das dieses beendete Leben schwerer wiegt, als es das Geschwätz der Volksvertreter tut.Motiv hin, Motiv her…

  26. Folgt man dem Augenzeugenberichten derer, die von morgens 10h bis 14h vor dem Reichstag waren, dann ergibt das alles ein Bild, dass der Kanzlerin überhaupt nicht schmecken kann. Damit erklärt sich auch viel von dem Umgang mit dem Suizid selbst. http://www.atase.de/blog/ehrfurcht-vor-dem-leben/berlin-suizid-vor-dem-reichstagsgebaude-am-globalnoisetag/#ud1910

    R.I.P.

  27. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass jemand sich ohne besonderen Grund, an diesem Ort auf eine doch recht ungewöhnliche Art und Weise, das Leben nimmt. Es ist eher eine Botschaft, das ist jedenfalls meine Meinung.Ich bin Momentan nicht in Deutschland und bekomme deswegen nur sehr wenig mit von vielem, dass in Deutschland und Nachbarländern passiert. Doch ich finde es interessant, dass so etwas nicht einmal richtig im eigenen Land bekannt wird. Unser heutiges Sozialsystem hat gelernt wie man Schauspielert und alles unter den Teppich kehrt. Wir sehen alles vor dem roten Vorhang und die Leichen bleiben so gut es geht verborgen. Wieso erklären, wenn das Vertuschen doch viel einfacher ist?

  28. mantovan9

    @verwerflicher ähm ruhestörer. lesen wäre beizeiten angebracht.hier wird nicht instrumentalisiert sondern man versucht zu verstehen. fakt ist, es gibt in deutschland ein massives wohnungsproblem, vorallendingen für studenten und marius hat sich hierfür stark gemacht, die medien haben jedoch fast alles gelöscht. wäre doch besser die medien machten ihren job wofür sie bezahlt werden, oder??
    da du nun alles losgeworden bist, hoffe ich doch – du verschwindest in der versenkung des internets. verwerfliches und ruhestörendes ist hier nicht erwünscht.

    und hier etwas zum nachdenken – https://www.facebook.com/photo.php?fbid=295758640538563&set=a.206218859492542.44366.206216982826063&type=1&theater

    und bitte keine werbung für zdf-schund ala 2030 :( – hier effektive aufklärung
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=2021

  29. Man sollte sich die fiktionale Doku mal wieder anshene: 2030 – Aufstand der Alten. Ich kann nicht sagen, warum sich ein junger Mann vor dem Reichstag verbrannte. Spekulationen bleiben jedem selber überlassen. Das meist nur gefilterte Nachrichten an die Öffentlichkeit dringen, war abzusehen. Aber ein Instrumentaliseren politischer Gruppen ohne fundierte Informationen, erachte ich als verwerflich.

  30. Die Wohnungsnot ist hier in Köln nicht anders. Ghettoisierung ist an der Tagesordnung, Obdachlosigkeit ebenso. Es fehlen in Köln 50 000 Sozialwohnungen – für die Reichen ist genug Wohnraum da. – Ich denke, der Tod von Marius war eine Botschaft, wenn auch eine traurige. Menschen werden in immer größerer Zahl aus dem System, was sich einst “Gesellschaft”, nannte, ausgegrenzt. Folgen sind dann im Extremfall so etwas wie dieser Selbstmord. Aber auch die Millionen dahin lebender armer Menschen, insbesondere die Älteren und Kranken, sollten gesehen werden: Diese Menschen haben in dieser unserer Gesellschaft, die den Namen “Gesellschaft” nicht mehr verdient, keine Chance mehr. Wie viele solcher Menschen können wir uns “erlauben”, bis das System kippt? Wiviele Ausgegrenzte, Arme, Kranke, Tote braucht es noch?
    Diese Frage ist rhetorisch gemeint. Die Zukunft wird die Antwort darauf geben. Danke Rita Mantovan für diesen engagierten Blog.

  31. Lars

    Ich finde es gut, dass Du diesen Artikel verfasst hast. Sein Tod vor dem Reichstag, vielleicht war dieser Ort spontan gewählt, aber viel wahrscheinlicher war es doch eine Botschaft an die Politiker im Reichstag, eine Anklage: sie sind schuld an seinem Tod, sie haben ihn auf dem Gewissen! Diese Anklage sollte nicht ungehört bleiben. Gerade vor ein paar Tagen kam, ich glaube im heute-journal, ein Bericht über den wachsenden Wohnungsnotstand in Deutschland. Darin wurde auch Marburg genannt und dass es dort viel zu wenig bezahlbaren studentischen Wohnraum gibt. Aber die prekäre Wohnraumsituation ist natürlich nur Teil des Problems, das System insgesamt gehört auf die Anklagebank.

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