Das große Geschäft mit den Tieren

Dieser Dokumentarfilm zeichnet mit eindrucksvollen Bildern den Weg in die Industrialisierung der Schweinehaltung in den USA und Teilen Europas nach. Deutlich herausgearbeitet wird dabei die Verrohung in industriellen Betrieben im Umgang mit den Tieren, die in den Tierfabriken nur noch als Produktionsfaktoren statt als fühlende Lebewesen gesehen werden.

Die vielfältigen Umwelt- und Gesundheitsprobleme für Menschen und Tiere werden ebenso beleuchtet wie die wirtschaftlichen Interessen hinter dem brutal forcierten „Strukturwandel“: Zehntausende kleinere und mittlere Bauernhöfe fallen den industriellen Großmastbetrieben jährlich mit Unterstützung der nationalen und europäischen Politik aufgrund verzerrter

Wettbewerbsbedingungen zum Opfer. Während die einen versuchen, ihre Schweine art- und umweltgerecht für die Erzeugung wohlschmeckender, gesunder Lebensmittel groß zu ziehen, missachten die Betreiber der Massentierhaltungsanlagen Umweltauflagen, kassieren Subventionen, bekommen günstige Kredite und pumpen die Tiere mit wachstumsfördernden Substanzen wie Antibiotika voll.

In den industriellen Betrieben wird immer mehr, immer billigere Massenware produziert. Dies stellt zwar ihre Großkunden – die Lebensmittelindustrie und die wenigen verbliebenen Lebensmitteleinzelhandelsketten – zufrieden. Es zerstört aber die Qualität der Lebensräume und der Erzeugnisse, vernichtet Arbeitsplätze und beeinträchtigt in erheblichem Maße das Wohlergehen der Anwohner und der gemästeten Tiere, wie der Film anhand verschiedener Beispiele aufzeigt. Die Politiker, die in der Dokumentation auch zu Wort kommen, beschwören allenthalben die internationale Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten als Maxime. Was sie lieber nicht sagen: Wie sehr sie sich über die vielen großzügigen Partei- und Wahlkampfspenden der Schweinefabrikanten in den letzten Jahrzehnten freuen und gefreut haben. Der eklatante Interessenkonflikt wird konsequent geleugnet bzw. ignoriert.

In Deutschland hat das im Dokumentarfilm häufig genannte Unternehmen Smithfield zwar noch nicht Fuß gefasst; aber deutsche Unternehmer und vor allem Großmäster aus den Niederlanden beantragen bei uns seit einigen Jahren vermehrt Lizenzen für industrielle Massentierhaltungsanlagen in ähnlichen Dimensionen. Deutschland ist mit jährlich über 55 Millionen gemästeten Schweinen bereits der drittgrößte Schweineerzeuger der Welt und hat schon lange einen Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch von weit über 100 % erreicht. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern versuchen sich die Großmäster trotzdem weiter auszubreiten und führen von dort ihre Eroberungsfeldzüge, bei denen die kleineren Konkurrenten in westdeutschen Bundesländern genauso auf der Strecke bleiben wie die im benachbarten Polen, Ungarn oder in der Tschechischen Republik.

Im Verdrängungswettbewerb gab hierzulande in den letzten Jahren jeder sechste Schweinehalter auf. Ein Ende des Bauernsterbens ist nicht abzusehen, wenn man den Einschätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums glauben kann: “ … denn aus den Zahlen der Novemberzählung 2009 lässt sich schlussfolgern, dass sich nun im gesamten Bundesgebiet der Strukturwandel in der Schweinehaltung unvermindert fortsetzt. Trotz expandierender Schweinemast und Schweinefleischerzeugung gaben insgesamt binnen eines Jahres etwa sechs Prozent der Betriebe mit Schweinehaltung auf.“ Und im Situationsbericht 2011 des Deutschen Bauernverbandes heißt es unter anderem beschönigend dazu: „Die Schweine- und Fleischproduktion befindet sich in Deutschland im dynamischen Wachstumsprozess. Wettbewerbsfähige Strukturen / Exportmöglichkeiten sowie ein fortschreitender Ausbau der Kapazitäten in der Land- und Fleischwirtschaft sind die Antriebsfedern dieser Entwicklung. (…) Mittlerweile werden rund 40 Prozent des in Deutschland produzierten Schweinefleisches im Ausland verkauft.“ Und an anderer Stelle: „Von 2000 bis 2009 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Voll-Arbeitskräfte um 25 Prozent zurückgegangen. Besonders stark war der Strukturwandel in den osteuropäischen Beitrittsländern wie Bulgarien, Rumänien und im Baltikum. In Deutschland fällt der Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte mit minus 22 Prozent zwar nicht so stark aus, ist aber gemessen am Strukturwandel der bisherigen EU-15 (- 17 Prozent) doch relativ hoch.“

PROVIEH schließt sich den Forderungen am Ende der Dokumentation zur Unterstützung von tier- und umweltgerecht erzeugenden Betrieben sowie zur Einführung von Tierschutzetikettierung und Ursprungslandkennzeichnung aller tierischen Erzeugnisse an. Der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt auf Kosten der jetzigen Steuerzahler und der nachfolgenden Generationen muss durch strengere Gesetze und Auflagen sowie einen Subventionsstopp für Tierfabriken Einhalt geboten werden.

quelle http://www.provieh.de/node/10538

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5 Antworten zu “Das große Geschäft mit den Tieren

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  4. Letztlich liegt es allein am Verbraucher, ob er bereit ist die so „produzierten“ Lebensmittel zu kaufen – bzw. ob er finanziell in der Lage ist, darauf zu verzichten. Allerdings ist die hier angesprochene Verrohung kein neues Phänomen. Im Gegenteil. Neu ist, dass wir uns darum Gedanken machen.

  5. Pingback: Chris Moser gibt Einblicke in den Tierschutzprozess und die Ermittlungen | mein name ist mensch

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