Nahrung als Spekulationsobjekt

Nahrungsmittel sind in den letzten Jahren viel teurer geworden, der Preisindex der Welternährungsorganisation FAO ist mittlerweile auf den höchsten Wert seit Messbeginn geklettert. Etwa 15% der Verteuerung führt eine aktuelle Studie der Hochschule Bremen auf Spekulationen mit Nahrungsmitteln zurück. Der Autor der Studie schlägt eine stärkere Dokumentationspflicht sowie die Einführung einer Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte mit Nahrungsmitteln vor.

Die Studie „Finanzmärkte als Hungerverursacher?“ wurde von der „Welthungerhilfe“ in Auftrag gegeben. Der Autor Hans H. Bass, Volkswirtschaftsprofessor an der Hochschule Bremen, analysiert den Einfluss des Finanzhandels auf den Preis von Weizen, Mais, Soja und Reis. Rückblickend betrachtet lag der Spekulationsanteil am Preis dieser Nahrungsmittel zwischen 2007 und 2009 bei etwa 15 Prozent.

Der Preisanstieg von Nahrungsmitteln trifft Entwicklungsländer zeitverzögert und indirekt. Die staatliche Subventionierung von Lebensmitteln führt zunächst zu einem langsameren Anstieg im Vergleich zu Weltmarktpreisen. Zudem versuchen arme Haushalte auf günstigere Lebensmittel auszuweichen oder sparen am Arzt- oder Schulbesuch. Hohe Nahrungspreise vergrößern daher die Zahl der Hungernden und sind Gift für die Entwicklung einer Gesellschaft.

Um Preisanstiege durch Finanzspekulation einzudämmen, empfiehlt der Autor der Studie eher ein „Breitbandmedikament“ mit vielen Ansatzpunkten als eine gezielte Therapie. Striktere Berichtspflichten für den Handel mit Nahrungsmitteln, Prüfungen, ob Derivate ethisch unbedenklich sind und die Einführung einer Transaktionssteuer werden als Maßnahmen empfohlen. Wolfgang Jamann, Generalsekretär der „Deutschen Welthungerhilfe“, fordert dazu auf, endlich zu handeln: „Die Zeit drängt. In einzelnen Ländern, vor allem in Asien, ist die Lage schon kritisch. Wenn die Vorräte zu Ende gehen, werden Millionen Menschen in den Hunger getrieben, weil sie sich ihre täglichen Mahlzeiten nicht mehr leisten können“

Dr. Renée Ernst, Leiterin der deutschen UN-Millenniumkampagne, sagte: „Die Studie belegt den Einfluss von Spekulation auf den Preisanstieg von Nahrungsmitteln. An den Folgen leiden Millionen Hungernde weltweit. Eine Finanztransaktionssteuer würde die Spekulation bremsen und könnte mehr Geld für Entwicklungshilfe bereitstellen, wir unterstützen sie daher ausdrücklich.“

Aktuell bietet auch die europäische Reform der Finanzmarktrichtlinie die Möglichkeit, den Handel mit Nahrungsmitteln stärker zu regulieren. „Wichtig ist, dass bei der Neuregulierung nicht nur die Interessen der europäischen Landwirtschaft im Mittelpunkt stehen, sondern dass ein Schwerpunkt auf die Ernährungssicherung in Entwicklungsländern gelegt wird“, betonte Wolfgang Jamann von der Welthungerhilfe. „Dort geht es um das nackte Überleben.“

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Nahrung als Spekulationsobjekt

  1. Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein.

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