Monatsarchiv: Mai 2011

Bundespolizei in Saudi-Arabien: Von EADS bezahlt

Heikles Know-How aus Deutschland für Saudi-Arabien
Nach wochenlangen Recherchen liegen dem MDR neue Belege dafür vor, dass deutsche Beamte in Saudi-Arabien für den Rüstungskonzern EADS arbeiten. Aus internen Unterlagen geht außerdem hervor, dass die Bundespolizisten saudische Sicherheitskräfte für Situationen wie Demonstrationen und Unruhen fit machen.

Dem MDR liegen neue Belege dafür vor, dass Bundespolizisten im Auftrag des Rüstungskonzerns EADS in Saudi-Arabien arbeiten. Dabei handelt es sich um interne Projektpapiere, Verträge und Bilder. Wie das ARD-Magazin FAKT berichtet, geht daraus hervor, dass die deutschen Beamten saudische Grenzpolizisten nicht nur im Umgang mit den modernen EADS-Geräten schulen, sondern auch für Demonstrationen und Unruhen. Auf einem Videofilm, der FAKT exklusiv vorliegt, zeigen die Bundespolizisten, wie man Häuser besetzt und durchsucht. Mit dem Wissen der deutschen Beamten könnten die saudischen Sicherheitskräfte noch effizienter gegen die eigene Opposition vorgehen. Seit Monaten werden Demonstrationen in Saudi-Arabien gewaltsam unterbunden.
GDP: Deutsche zurückziehen
Die Arbeit der Bundespolizisten stößt selbst bei den Beteiligten auf Skepsis. Ein Beteiligter an dem Projekt erklärt in FAKT, es sei absolut nicht vertretbar, dass deutsche Polizisten in einem Land, das mit Demokratie nichts am Hut habe, Militär oder Paramilitär ausbilde.
Kritik kommt auch vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland. Er sagt: „Hier wird in einer Diktatur, in einem rückständigen Regime Polizei ausgebildet. Das darf nicht sein.“ Die Gewerkschaft der Polizei stellt den Einsatz ebenfalls in Frage. Der stellvertretende Vorsitzende Jörg Radek erklärte, wenn die Arbeit der Deutschen das Unrechtssystem in Saudi-Arabien stütze, müsse man die Bundespolizisten zurückziehen, auch zu ihrem eigenen Schutz. Schon vor zwei Monaten hatte die GDP klare Regeln und Transparenz-Vorschriften für Auslandseinsätze der Bundespolizei gefordert. GDP-Vorstandsmitglied Jürgen Stark monierte, es gebe kaum Informationen zur rechtlichen Grundlage des Einsatzes.
Staatsrechtler verweist auf Grundrechtsbindung der Beamten
Um diese ist es nach Ansicht des Staatsrechtlers Manfred Baldus von der Universität Erfurt ohnehin dünn bestellt. Baldus verwies im Gespräch mit FAKT auf die Grundrechtsbindung deutscher Polizeibeamter bei Auslandseinsätzen. Danach sei der deutschen Polizei eine Zusammenarbeit mit Polizeien anderer Staaten verwehrt, „wenn diese Polizeien die Grund- und Menschenrechte ignorieren oder permanent verletzen. Sollten die Informationen tatsächlich zutreffen, ist dieser Polizeieinsatz in Saudi-Arabien gründlich zu überdenken und zu überprüfen.“
Bundespolizei am Parlament vorbei „vermietet“
Hintergrund ist ein Auftrag für den Rüstungskonzern EADS aus dem Jahr 2009, die 9.000 Kilometer lange Landesgrenze Saudi Arabiens mit einer High-Tech-Grenzanlage mit Überwachungstechnik, Radaranlagen, Sonaren und Kameras zu sichern. Der Milliardendeal für EADS, nach Angaben des Konzern das weltweit größte Projekt, das jemals als Gesamtlösung vergeben wurde, kam zu Stande, weil die Bundespolizei zeitgleich die Ausbildung der saudischen Sicherheitskräfte übernahm, wie Recherchen des MDR Anfang April ergeben hatten. Der Rüstungskonzern EADS zahlt Trainerhonorare an die eingesetzten Bundespolizisten, die ihre Grundgehälter aber weiter vom Bundesinnenministerium und somit vom deutschen Steuerzahler erhalten.
Die Recherchen hatten zudem ergeben, dass sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bei dem Einsatz auf ein Regierungsabkommen zwischen Saudi-Arabien und Deutschland berufen hatte, das aber nie ratifiziert worden war. Außerdem wurde der Bundestag offenbar nur unzureichend über das Projekt unterrichtet. So seien parlamentarische Anfragen zu den Einsätzen deutscher Polizeibeamter in Saudi-Arabien mit einem Sicherheitsbeamten beantwortet worden.
quelle http://www.mdr.de/fakt/8654158.html

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Deutsche Politik ohne Moral

mehr http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,i5yu1u9yv2pl7k2a~cm.asp

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Wilfried Schmickler: Westerwelle

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Volker Pispers: Erinnerung

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Hartz IV Mietspiegel macht wohnungslos

Mietspiegel macht Arme wohnungslos

Die Kampagne gegen Zwangsumzüge bei Hartz IV schaltet seit 6 Jahren eine ehrenamtlich arbeitende Notrufhotline für Grundsicherungsberechtigte. Auch mit Flyern und einer Website werden Berliner/innen informiert, wenn das JobCenter die Miete nicht mehr in voller Höhe übernimmt und die „Verharzten“ zwangsweise umziehen sollen.

Mieterhöhungen gehören zu den häufigsten Ursachen für die Verweigerung des JobCenters, die steigenden „Kosten der Unterkunft und Heizung“ zu tragen. Hintergrund ist eine menschenverachtende Ideologie, die davon ausgeht, dass in dieser Gesellschaft jeder persönlich Schuld an seiner Situation ist. Die Stadt spart an denen, die scheinbar nichts mehr wert sind. Andererseits wirft die Stadt Berlin den Investoren und Eigentümern viel Geld hinter, damit sie sich hier ansiedeln und nichts dafür tut, dass Arbeitsplätze menschenwürdig bezahlt werden. Z.B. die O2 World, die mit Millionen gesponsert wurde, weil angeblich Arbeitsplätze entstehen. Fakt ist: Bis auf die Chefetagen gibt es nur prekäre Arbeitsplätze! Und das ist der Trend, Arbeit wird immer geringer bezahlt und die Mieten steigen.

Dieser Mietspiegel gibt Hauseigentümern freie Bahn, nach Miethöhegesetz die Miete zu steigern, ohne dass sie einen Cent in das Haus gesteckt haben oder dies müssen. Die Stadt den Investoren – Mieter raus, heißt die Botschaft dieses Mietspiegels.

Trotz drohender Mieterhöhungen und konkreten Kriterien zur Berechnung der Mietobergrenzen für die „Leistungen zu Unterkunft und Heizung“ im neu deformierten Hartz IV-Gesetz schweigt sich die SPD zu höheren Mietobergrenzen für Grundsicherung Beziehende in der „AV Wohnen“ aus. Bald werden mehr als 20 Prozent der Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften aus ihrem Regelsatz die Miete mit bezahlen, obwohl dieser nicht für die „Kosten der Unterkunft und Heizung“ gedacht ist. Sie werden sich verschulden, weil es vorn und hinten nicht reicht und irgendwann in die Obdachlosigkeit fallen, weil diese Stadt keine preiswerten Wohnungen mehr hat. Zwischen 2005 und 2010 mussten offiziell bereits 5860 Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften umziehen. Eine kleine „Völkerwanderung“ in die neuen Ghetto’s Marzahn, Alt Mariendorf und ins Falkenhagener Feld in Spandau hat begonnen. Wie der Mietspiegel zeigt, hat es die Politik aufgegeben, sich für ein „Gemeinwesen“ verantwortlich zu fühlen. Um hier wohnen zu können, ist jetzt bereits jede/r 3. Mieter_in in Berlin von Sozialtransfers abhängig. Neben Hartz IV-Bezug nehmen Altersarme und Niedriglöhner_innen zu. Von der Arbeit Lohn ist oft kein selbständiges Leben mehr möglich. Berlin sagt mit diesem Mietspiegel: „UND TSCHÜß!“ ihr Hartz IV-er, „Aufstocker_innen“, armen Alten, Kranken und Wohngeldberechtigten. Ihr habt hier nichts verloren!“

Schluß mit der Sachzwangpolitik – der gemeinen politischen Wesen! Berlin braucht weder Spekulanten noch Heuschrecken! Wir lassen uns nicht wie eine Herde Schafe aus der Stadt vertreiben.

Mehr Infos: www.gegen-zwangsumzuege.de

quelle http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-mietspiegel-macht-wohnungslos-26293.php

Notruftelefon

bundesweite Notrufnummer:
Telefonnummer bei Zwangsmaßnahmen und dessen Verhinderung
bundesweit und Raum Köln-Bonn:
Erwerbslosen Forum Deutschland: 0228/ 2495594

+++ ACHTUNG: Seit April ’07 neue Zeiten für unser Berliner Notruftelefon +++

Tel. in Berlin: 0800/ 27 27 27 8 (kostenfrei, nur aus dem Berliner Festnetz)
erreichbar jeden Di. und Do. 10-13 Uhr

http://www.gegen-zwangsumzuege.de

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ARGE Aachen vermittelt Prostituierte

Die Aachener Nachrichten berichten, dass einer Aachenerin von der “Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung Arbeitssuchender” (ARGE) ein Minijob als “Außendienstmitarbeiterin im erotischen Bereich” angeboten wurde.

Die Stellenbeschreibung: “Aufsuchen potenzieller Kunden im Raum AC/K/D/HS, Gewinnung neuer Mitglieder für die interaktive Internetplattform.” Erste Reaktion der allein stehenden Mutter von zwei vier und acht Jahre alten Mädchen: “Ich dachte, ich muss mich übergeben.” Endgültig schlecht wurde ihr, als sie den angegebenen Arbeitgeber kontaktierte. Der habe ihr bedeutet, dass telefonische Akquise nicht ausreiche, sondern “persönlicher und körperlicher Einsatz erforderlich” sei.

Der Leiter der ARGE Aachen, Marcel Raschke, hat den Vorfall der Zeitung gegenüber bestätigt und erklärt, es sei oberstes Ziel, auch eine Mutter mit zwei Kindern aus dem Arbeitslosengeld II heraufzuführen. Das Angebot habe ohne negative Folgen abgelehnt werden dürfen.

Bereits im Jahr 2004 hatte die taz die Hypothese aufgestellt, dass langzeitarbeitslose Frauen im Prinzip in Bordelle vermittelt werden könnten, da es im Gesetz keine Untergrenze für die Zumutbarkeit von Arbeitplätzen gebe und Prostitution seit 2002 ein anerkannter Beruf ist. In der englischsprachigen Presse machte die Story als Sensation die Runde. Dort hieß es, arbeitslosen Frauen könne die Unterstützung gestrichen werden, wenn sie diese Jobs ablehnen würden. Im Februar 2005 wurde bei Snopes.com erklärt, dass die Story falsch war.

Erst im Mai 2006 hatte das Sozialgericht Speyer (AZ: S 10 AL 1020/04) entschieden, dass ein Bordellbesitzer keinen Anspruch darauf hat, Mitarbeiterinnen von der Arbeitsagentur vermittelt zu bekommen. Zwar sei Prostitution gesellschaftlich geduldet, “aber kein zur Verminderung von Arbeitslosigkeit erwünschtes Instrumentarium”. (Netzeitung)

Das sehen die Aachener Arbeitsvermittler offenbar etwas anders.

quelle http://www.jurablogs.com/de/arge-aachen-vermittelt-prostituierte

entdeckt http://forum.jadoobolly.de/viewtopic.php?f=15&t=362

informationen zum thema

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2005/maijuni-2005/top-themen/arbeitsamt-vermittelt-prostituierte/

http://www.emma.de/ressorts/artikel/prostitution/prostitution-der-unmoralische-staat/

http://www.magnusbeckerblog.de/arge-aachen-vermittelt-ins-rotlichtmilieu/526/

http://menschenschutzbund.blog.de/2009/09/22/arge-zwingt-frau-prostitution-7021202/

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Räumung des Protestcamps in Barcelona

Die Wahlen sind vorbei, die Regierung hat die Rote Karte erhalten und nach fast zwei Wochen versucht man im spanischen Staat erneut, die Protestlager aufzulösen. Nach den Räumungen in Madrid und Granada, mit denen schon zu Beginn versucht wurde, die Ausweitung der Proteste der Menschen „ohne Job, ohne Wohnung, ohne Pension und ohne Angst“ zu verhindern, hat am frühen Morgen in Barcelona ein neuer Versuch begonnen, die „Empörten“ wieder aus dem Stadtbild zu beseitigen.

Seit den frühen Morgenstunden gehen die katalanische Regionalpolizei (Mossos d’Esquadra) und die Stadtpolizei wieder in der gewohnt ungemütlichen Art gegen die friedlichen Protestierer vor. Die Bilder, wie Polizisten auf friedlich am Boden sitzende Menschen einprügeln, sprechen für sich.

Die Begründung der Räumung darf als besonders kurios bezeichnet werden. Es handelt sich um eine präventive Räumung. Gegenüber Telepolis erklärte ein Besetzer, der namentlich allerdings nicht genannt werden will: „Mit Gewalt werden die Friedlichen geräumt, um Platz für die Gewalttätigen zu schaffen.“ Gemeint sind gewalttätige Fans des FC Barcelona, denn der steht am morgigen Samstag gegen Manchester United im Finale der Champions-League.

Angeblich will die Polizei den Platz von Gegenständen säubern, die Hooligans dazu benutzen könnten, um damit die Beamten anzugreifen. Doch ob gewalttätige Fans die Computer der Protestler dazu einsetzen würden, ist eher unwahrscheinlich. Damit soll wohl die Kommunikation mit der Außenwelt verhindert werden. Dafür spricht auch, dass sofort die Webcam zerstört und damit die Live-Übertragung vom Platz unterbrochen worden sei, beklagen die Platzbesetzer. Dass Protesttransparenten in Wurfgeschosse verwandelt werden, ist auch wenig glaubhaft, doch auch die wurden sofort abgehängt. Das seien die selbsternannten „Ordnungskräfte“ die gekommen seien, um das Camp zu zerstören, die Leute zu verjagen und ihr Sachen zu zerstören, greifen die Empörten das Vorgehen der Polizei an.

Von der vom spanischen Innenminister angekündigten Verhältnismäßigkeit ist auch nicht viel zu spüren. Der hatte noch vor den Wahlen erklärt, die Polizei sei dazu da, um „Probleme zu lösen und nicht um sie zu schaffen“. Doch in Barcelona werden Journalisten an der Arbeit gehindert und nicht auf den abgeriegelten Platz gelassen. Auch die Anwälte der Empörten haben keinen Zugang. Die Zeitung El Periodico spricht von Dutzenden verletzten Protestteilnehmern, weil die Polizei mit Knüppeln und Gummigeschosse vorgehe. Sogar von „Schüssen in die Luft“, die von Sicherheitskräften abgegeben worden sein sollen, ist die Rede. Die Besetzer berichten auf ihren Webseiten auch von massiven Einsatz von Pfefferspray und dass die Polizei gezielt Adressbücher einsammelt, um die Bewegung und ihre Kontakte kontrollieren zu können.

Aufgerufen wird dazu, heute um 19 Uhr massiv auf den Platz zu kommen und gegen den Angriff zu demonstrieren. Auch in anderen Städten und Ländern soll es Proteste geben. Man darf davon ausgehen, dass es sich um einen ersten Versuch handelt, um die Stärke der Bewegung zu testen. Nach dem bisherigen Zenit am Wochenende hatte die Zahl derer wieder abgenommen, die täglich die Plätze des Landes besetzen.

quelle http://www.heise.de/tp/blogs/8/149914

mehr zum thema https://mantovan9.wordpress.com/2011/05/21/proteste-in-spanien/

http://www.nachdenkseiten.de/?p=9519

https://mantovan9.wordpress.com/2011/05/20/spanisches-manifest-mai-2011/

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Auf den Plätzen wird Geschichte geschrieben

Die Demonstrationen des 25. Mai 2011 auf den Plätzen der meisten griechischen Städten, vor allem die emblematische auf dem Syntagma Platz in Athen, wo zehnte von tausenden Menschen teilgenommen haben, haben die Möglichkeit, ein Ausgangspunkt einer großen Bewegung zur Sturz der herrschenden Politik zu werden.

Sie haben gezeigt, dass die Bedingungen der sozialen Verheerung, die die Regierung, IWF und EU durchzusetzen versuchen, dieses riesiges Experiment einer neoliberalen sozialen Mechanik, an wirklichen Widerstand stoßen, die Bedingungen einer sozialen Detonation bilden und die Prozesse einer Rekomposition des Volkes als kollektives Subjekt, als soziale Koalition, als Treffen und Vereinigen aller sozialen Klassen und Teilen, die heute im Fadenkreuz der herrschenden Politik sind, beschleunigen.

Ein ist klar: die Demonstrationen des 25. Mai haben ohne Plan angefangen. Aber keine große Bewegung hat in der Geschichte als Folge eines Plans angefangen. Wenn originelle Bewegungen sich ausbrechen, stützen sich auf objektiver Dynamik, stehen auf eine vorherige politische Aufklärungsarbeit, verwenden  die als Wirbelsäule wirkenden Menschen, die Erfahrung haben und politisiert sind, aber in der Regel der Anfang, der erste Ausbruch ist jenseits irgendeines Plans.

Aber die große Bewegungen, die große Aufständen haben auch nicht auf den ersten Schritten irgendein „Programm“ oder einen konkret formulierten Diskurs. Üblich ist, dass sie sich um ein allgemeines „Nein“ konzentrieren,  gegen alles, das so aussieht, als ob es die Bedürfnisse derjenigen, die in der Bewegung teilnehmen, verachtet. Sie konzentriert sich um das Motto „Jetzt reicht s“ oder um eine Anforderung „Alle müssen gehen!“, alle, die als schuldig daran betrachtet werden. Der Diskurs, die Anforderungen kommen während des Prozesses heraus. Die sind die Risiken  der politischen Tätigkeit, das, was aufs Spiel gesetzt wird, und nicht Ausgangspunkte. Aber, auf jeden Fall, beinhaltet der gestrige von tausenden von Menschen herauskommende Schrei die Spur, den Horizont einer Anforderung nach grundlegendem sozialem Wandel, für eine Gesellschaft und ein Land, die nicht ohne jegliche Gefecht den ausländischen Kredit gebenden und Investoren kapitulieren, wo die Arbeit gerecht belohnt  wird, wo das öffentliche Eigentum nicht ausverkauft wird, wo die Sozialrechte nicht durch Staatsstreich abgeschafft werden, wo die Menschen nicht in die Arbeitslosigkeit und ins Verzweifeln gezwungen werden. Dieser Schrei ist originell anti-systemisch, originell radikal.

Im Bezug zur Betonung des „Anti-Politischen“, das von mehreren als etwas fremde empfunden wurde: viele sind möglicherweise Opfer der langjährigen Verwirrung innerhalb der Linke zwischen  der sozialen Bewegung und der politischen Strömung gewesen. Lasst uns daran denken, dass für die große Mehrheit die Parteien mit dem politischen Betrug, die Manipulation der Wahlstimme, den Zynismus, die Durchsetzung von Maßnahmen, die gegen die Mehrheit gerichtet sind, zu identifizieren sind. Egal ob uns es gefällt oder nicht, der „anti-politische“ Moment ist eine notwendige Voraussetzung für eine originelle Politisierung der Bewegungen.

Und gewisser weise drücken die originelle Bewegungen immer soziale Koalitionen aus und machen die Herausforderung wichtig, welche soziale Dynamiken die Hegemonie erobern werden. Nur dürfen wir nicht versehen, dass wir in Gesellschaften leben, wo die Mehrheit der Menschen auf diesem oder dem anderen Weg ihre Arbeitskraft verkaufen um zu überleben, vor allem die Menschen die sich von den Maßnahmen unmittelbar und tödlich betroffen fühlen.
Dieser Besorgnisschrei, den wir hören, ist der Schrei des Lohn-arbeitenden, des Arbeitslosen, des jugendlichen, der nur Hindernisse und Sperren in seinem Versuch eine Arbeit zu finden sieht, des selbständigen. Egal ob sie von mehreren Klassen kommen oder nicht, die Menge der Menschen, die empört sind, prägt sich entscheidend von der Kräfte der Arbeit.

Die Linke hat nicht das recht, einer solchen Bewegung als Zuschauer oder noch schlimmer als Kampfrichter gegenüberzustehen. Wenn die Linke die ganze Zeit nach etwas gesucht hat, war dieses, dass genau diese Empörung nicht mehr stumm, unartikuliert und individuell bleiben sollte. Nun sieht die Linke vor ihren Augen die erste und entscheidende Schritte einer Transformation der Wut und Empörung zur kollektive Aktion.

Die Anforderung nach dem Kollektiven, der Information, der Interaktion innerhalb der kämpferischen Tätigkeit, das Bedürfnis nach gemeinsame Tätigkeiten und nach dem Gefühl, dass wir ein Teil eines Ganzen sind, der Wille nach Diskussion, im Kurzen alles, was ein Auftauchen des Kollektiven und eine „Demokratie des Kampfes“ ausdrückt, war in der Mobilisierung des 25. Mai mehr als klar zu sehen.

Aus diesem Grund gibt es keine Spielraum weder für Verlegenheit noch für snobistischen Kritik noch für Meinungen der Art „wir könnten es besser machen“. Der Tempus muss Präsenz sein, bei allem was wir sagen und was wir machen, weil jetzt gerade tatsächlich etwas passiert.

Die widersprüchliche aber existierende Massendynamik, die ausgedrückt wurde, die Bereitschaft für Kampf und Selbstorganisierung, die Selbstbestimmung der Zeit und des Raums sind die beste Ausgangspunkte sowohl für die Politisierung dieser Bewegung als auch damit sie eine sturzfähige Dynamik erreicht. Wir müssen also massiv teilnehmen. Wir müssen die direktdemokratische Funktion sichern.

Diese Demonstrationen müssen auf den Plätzen wurzeln und in den Stadtteilen blühen. Wir müssen auf die Demonstrationen die Gewerkschaften, die Studentenvereine, die sozialen Bewegungen, die Bewegungen des zivilen Ungehorsam bringen.

Wir können zur wesentlichen Politisierung dieser Bewegung helfen, wenn wir zur Vergrößerung der Flamme der Unruhe beitragen. Ohne große Worte,  mit einfachen und konkreten Schritten. Bestehend drauf, dass es Notwendig ist, dass der Volksaufstand organisiert, kämpferisch demokratisch, gestützt auf den schon bestehenden Bewegungen sein muss und es die Wut und Empörung die schwelle der Arbeitsorten herein überschritten muss, gegen des Delirium der Regierung und des Kapitals gegen die Arbeitnehmer.

Beitragend zum Artikulieren der Wut und Empörung: Weg mit der Regierung, der Troika und dem IWF. Einstellung der Schuldenzahlung. Schulden streichen. Bruch mit der EU und WWU. Diskutierend über die Notwendigkeit für grundlegendes Wandel, über die Nationalisierung der Banken und der strategischen Unternehmen und Betrieben, über radikale Umverteilung des Reichtums. Betonend im Endeffekt die Notwendigkeit der sozialen Umsturz nicht als eine enzephalische „Erklärung der Glaube“, sondern als den Faden der Sinn und Hoffnung dem Schrei „Es geht nicht weiter so“ gibt.

Egal ob wir es wollen oder nicht, die Frage, ob die Linke innerhalb solchen Bewegungen und Aufstände sich wie „der Fisch im Wasser“ fühlen und nicht wie der bunte Hund auffallen kann, wird auch der Zeiger sein, ob die Linke wirklich dem Aufruf der Zeit genügt. Dies passiert der Linke nicht so oft.

Panagiotis Sotiris lehrt Soziologie an der Ägäischen Universität und ist Mitglied des Koordinationsausschusses der ANTARSYA.

Der Text wurde im aristerovima (Linkes Podest) veröffentlicht.

von Panagiotis Sotiris (Übersetzung Nico)
aristerovima.gr/blog.php

quelle http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=16553&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=8564b9b8ac

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