Immer mehr Hartz IV Aufstocker

In Deutschland müssen immer mehr Menschen ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken

Ein weit verbreiteter Irrtum vieler ist, dass nur Erwerbslose Hartz IV Leistungen beziehen. Wer von seinem Lohn sich und seine Familien nicht ernähren kann, hat einen Anspruch auf aufstockende Hartz IV Leistungen. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit ist die Gesamtzahl der Aufstocker im letzten Jahr auf 1,383 Millionen Menschen angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies ein Anstieg von 4,4 Prozent. Seit 2007 ist sogar ein Anstieg von satten 13 Prozent zu beobachten.

Viele Unternehmen nehmen Aufstocken bewusst in Kauf

Nach Meinung der Bundesagentur sind die Gründe für den deutlichen Anstieg vielfältig. Zum einen gebe es immer mehr Firmen die bewusst einen geringes Entgelt bezahlen und quasi damit rechnen, dass der Rest mit Hartz IV Leistungen aufgestockt wird. Besonders stark ist ein Anstieg bei den Teilzeit-Arbeitsverhältnissen und Minijobs, aber auch bei den Selbstständigen (sog. Freelancer) zu verzeichnen. Auffallend ist, dass es in ostdeutschen Bundesländern mit fünf Prozent aller Arbeitnehmer deutlich mehr Hartz IV Aufstocker gebe als im Westen, wo es lediglich 2,1 Prozent sind.

Niedriglöhne vor allem bei der Zeitarbeit und im Dienstleistungsgewerbe
Vielfach müssen Menschen in der Leiharbeit (11,8 Prozent), in der Gastronomie (8,5) und bei anderen Dienstleistungsberufen wie Friseure zusätzliche ALG II Leistungen beantragen. Um eine Aufstockung zu verhindern, plädieren Gewerkschaften, Oppositionsparteien und Sozialverbände schon länger einen gesetzlichen Mindestlohn der flächendeckend gilt.

quelle http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/immer-mehr-hartz-iv-aufstocker-389343.php

informationen zum thema

siehe auch: Hartz IV: 1 Jahr Heuchelei, Schönreden & Pfusch der Regierung

Beitrag aus dem Blog des Netzmagazins Telepolis von Bettina Winsemann am 7. Januar 2011
Die Bundesarbeitsministerin offenbart im Interview, wie einfach Menschen, die arbeiten und zusätzlich ALG II beziehen, diese Situation ändern können.
Einfache, unbürokratische Lösungen sind ihr Ding schon immer gewesen. Ob Geheimverträge zwischen BKA und Providern statt gesetzlichem Blätterwerk, ob Bildungschipkarte statt mühevoller Einzelabrechnung… Ursula von der Leyen ist da extrem pragmatisch.
Auch wenn man sie zum Thema ALG II befragt, zeigt sich dieser gerade erfrischende Pragmatismus. Während andere sich noch fragen, wieso es sein kann, dass Menschen heutzutage arbeiten und dennoch mittels ALG II ihr Einkommen aufstocken müssen, hat Frau von der Leyen längst die Lösung dafür gefunden. Nicht etwa niedrige Löhne sind das Problem, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Menschen zu wenig arbeiten.
Vielleicht noch mal einen Punkt, zu dem man der Opposition immer auch deutlich sagen muss, wenn sie argumentiert, na ja, es gibt Leute, die arbeiten und brauchen dazu Hartz IV. Stimmt, aber die überwiegende Mehrzahl derer, die arbeiten und dazu Hartz IV brauchen, haben kein Problem mit einem zu niedrigen Lohn, sondern ein Problem mit zu wenig Zeit, die sie arbeiten. Sie arbeiten 400-Euro-Jobs, sie arbeiten Teilzeit, und da wird jeder wissen: Das reicht nicht für den Lebensunterhalt.
(http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1359434/)
Daran liegt es also. Na, das war ja einfach. Aber halt, was ist mit jenen, die Vollzeit arbeiten und dennoch ALG II benötigen?
Und die zweite Gruppe, die Hartz IV zusätzlich braucht, das sind meistens große Familien, das heißt, der Vater oder die Mutter arbeitet, sind sehr gering qualifiziert, und da reicht das Einkommen eben nicht für viele Köpfe, die mit am Tisch sitzen. Deshalb sind das typische Gruppen, die zusätzlich Hartz IV brauchen.
Ah so… danke, Frau von der Leyen, das war ja alles wirklich viel leichter als wir gedacht haben. Wer also aufstockt, der hat entweder nur einen Minijob oder er hat eine Großfamilie und ist gering qualifiziert. Dass viele, die einen 400-Euro-Job annehmen, ALG II erhalten und insofern keine Aufstocker, sondern Hinzuverdiener sind, lassen wir mal genauso elegant außen vor wie die Tatsache, dass es heutzutage Vollzeitjobs gibt, die bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von offiziellen 40 und inoffiziellen 46 Stunden dann monatlich 800 Euro brutto ergeben. Insofern ist die Lösung des Problems doch ganz einfach: Sucht euch einen Vollzeitjob und haltet die Familie klein. Aber hoppla… war da nicht etwas mit „Deutschland benötigt mehr Kinder“ und mit fehlenden Vollzeitjobs? Ich glaube, ich frage Frau von der Leyen noch einmal.
Aber keine Sorge: Alles wird gut.
Die Hartz-IV-Zahlungen sind eine Überbrückung für die Zeit der Arbeitslosigkeit. Das Einzige, was raus hilft, ist Arbeit, und in einer Zeit wie jetzt, wo wir einen Aufschwung haben, wo die Nachfrage steigt, wo zum ersten Mal bei der Langzeitarbeitslosigkeit seit vielen Jahren sich etwas bewegt, nämlich dass die Menschen zurück in Arbeit kommen, sollte man darauf den Schwerpunkt setzen und nicht darauf den Schwerpunkt legen, dass man sagt, wir wollen Alkohol oder Tabak in Hartz IV finanzieren. (Ursula von der Leyen)
Twister (Bettina Winsemann)07.01.2011
http://www.heise.de/tp/blogs/5/149045

quelle http://die-rote-fahne.eu/headline132007.html

https://mantovan9.wordpress.com/2010/12/10/elf-mio-menschen-in-armut-tendenz-steigend/

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