Es droht Altersarmut in der Deutschland AG

von Reinhold Schramm

Neue Studie vergleicht Renten-Ansprüche.

Jüngere Beschäftigte sammeln immer weniger Renten-Ansprüche.

»Das Forschungsprojekt untersucht die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Erwerbsbiographien und deren Auswirkungen auf die Absicherung durch die GRV. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit und für wen die Voraussetzungen einer höheren Beschäftigungsquote/Rente mit 67 (nicht) gegeben sind und welche Gruppen dadurch einem erhöhten Risiko (bis hin zur Altersarmut) ausgesetzt sind.« [1]

»Die Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung stellen bei einem Großteil der Bevölkerung die wichtigste Form der Alterssicherung dar. Abgesehen von speziellen Berufsgruppen {…} sind sie trotz der Förderung privater und betrieblicher Altersvorsorgemaßnahmen für den größten Teil der deutschen Bevölkerung mit Abstand die Haupteinnahmequelle im Alter. Maßgeblich für die Höhe der Rente ist die Höhe der Persönlichen Entgeltpunkte, welche in erster Linie durch die Höhe der Beiträge (bestimmt durch das jeweilige relative Erwerbseinkommen) während des Erwerbslebens definiert sind. Das System ist in hohem Maße auf langjährige Beitragszeiten ausgelegt. Vieles spricht allerdings dafür, dass diese von einem immer kleineren Teil der Beschäftigten erreicht werden. Nachteilig auf den individuellen Rentenanspruch wirken sich somit größere Lücken (beispielsweise durch längere Arbeitslosigkeitsphasen)  aus, sowie frühe Beschäftigungsaustritte und auch späte Beschäftigungseintritte. Dabei stellt sich die Frage, welche empirische Verbreitung von Diskontinuitäten im Erwerbsverlauf festzustellen ist und welche Auswirkungen solcher Diskontinuitäten, die unabhängig vom Einkommensniveau zum Risiko geringer Rentenansprüche führen, zu beobachten sind.« (S. 6) [1]

Ein modifizierter Auszug aus der Studie:

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet als einziges Alterssicherungssystem die Möglichkeit, das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit mit einem angemessenen Maß an sozialem Ausgleich zu vereinbaren. Sie ermöglicht (noch) die Absicherung von Zeiten ohne eigenes Erwerbseinkommen, wie beispielsweise in Kindererziehung, Arbeitslosigkeit (ALG I..) oder Krankheit.

Der Wandel der Erwerbsbiographien und die zunehmende Arbeitslosigkeit (ALG I. und ALG II. bzw. Hartz IV) führen dazu, dass ein Teil der Versicherten künftig mit Einbußen bei den Alterseinkünften zu rechnen hat. Das theoretische Modell mit 45 Beitragsjahren in die Rentenversicherung bildet die Realität immer weniger ab. Zukünftige RentnerInnen werden weniger Zeiten in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verbracht haben und ein erheblicher Teil wird auch von diskontinuierlichen Erwerbsbiographien betroffen sein. Besonders problematisch ist die Arbeitslosigkeit in den Erwerbsbiographien.

Im Erwerbseinstieg als auch im Erwerbsausstieg bestehen deutliche Risiken für die Altersabsicherung. Längere Ausbildungszeiten und steigende Arbeitslosigkeit im Erwerbseinstieg führen zu deutlich niedrigeren Rentenansprüchen. Dies kann kaum im weiteren Erwerbsverlauf kompensiert werden. Die hohe Zahl von prekären Altersübergängen führt dazu, dass auch Personen mit stabilen Erwerbsbiographien im späteren Erwerbsleben von massiven Einbußen bei der Alterssicherung bedroht sind. Rentenabschläge haben zusätzlich negative Auswirkungen auf den zu erwartenden Rentenzahlbetrag. – Ein vorzeitiger Erwerbsausstieg kann dazu führen, dass auch stabile Erwerbsbiographien zu einem unzureichenden Alterseinkommen führen. – Die Erhöhung der Altersgrenzen (-65-67-68-69-) für die Regelaltersrente wird dieses Problem – des unzureichenden Alterseinkommen – in Zukunft weiter verschärfen.

In der Rentenberechnung wird sich jede Phase der Erwerbsbiographie mit geringen Anwartschaften rentenmindernd auswirken. Gelingt kein Ausgleich mit höheren Anwartschaften (hohes Erwerbseinkommen und hohe Rentenbeiträge), folgen massive Einbußen bei den Alterseinkünften. Insbesondere sind gerade Versicherte davon betroffen, die niedrige Einkünfte haben. Eine Kompensation bei Versicherten mit niedrigen Einkünften ist kaum möglich.

Die Entwicklung deutet darauf hin, dass viele Versicherte zukünftig auch im Haushaltskontext (zwei erwerbstätige Partner) deutlich schlechter dastehen werden (beide Partner haben nur geringe Einkommen und zukünftig geringe Rentenansprüche). Die Entwicklung der Haushaltsstrukturen (Zunahme von Alleinstehenden etc.) verschärft diese Entwicklung (insbesondere für Frauen) zukünftig noch.

Die sinkenden Rentenanwartschaften in Ostdeutschland, wo bisher meist beide Partner in hohem Maße stabile Erwerbsanwartschaften hatten, deutet auf zukünftig deutlich niedrigere Alterseinkünfte hin.  (S. 63/64) [1]

A) Vgl.: Hans Böckler Stiftung (HBS), 19.05.2011.
Studie vergleicht Renten-Ansprüche unterschiedlicher Jahrgänge.
Jüngere Beschäftigte sammeln immer weniger Renten-Punkte.  
www.boeckler.de/320_113987.html

B) Vgl.: Böckler-Impuls 08/2011, 11. Mai.
Alterssicherung. Rente: Jüngere punkten seltener.
www.boeckler.de/pdf/impuls_2011_08_1.pdf

C) Vgl.: [1] Siehe aktuelle Studie zu Renten-Ansprüche: inifes – Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie, gefördert von der Hans-Böckler Stiftung. Forschungsprojekt: „Gute Erwerbsbiographien“, Mai 2011.  Arbeitspapier 4: Wandel im Erwerbsverlauf und Rentenanspruch. Der Einfluss des Wandels der Erwerbsverläufe auf die individuellen Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung. Von Falko Trischler und Ernst Kistler. Stadtbergen 2011.
www.boeckler.de/pdf_fof/S-2009-236-3-5.pdf

Keine Empfehlung:
Lohnverzicht reduziert Altersrente.
www.labournet.de/diskussion/wipo/rente/verzicht.pdf

Merke: Verzicht auf Arbeitslohn und Lohnkampf reduziert die Altersrente und erhöht die Kapitalvermögen der deutschen Bourgeoisie und Administration.

quelle http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=16415&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=4c03aeead6

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3 Antworten zu “Es droht Altersarmut in der Deutschland AG

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  3. Hier ist die aktuelle Situation, die wegen des Auseinanderdriftens der Einkommens-Preisschere immer dramatischer wird:

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