Proteste in Spanien

Spaniens Jugend begehrt auf

Seit dem Wochenende gehen in Madrid und in anderen großen Städten junge Spanier auf die Straße. Die Demonstranten fordern soziale und politische Reformen. Der Aufruf zum „Spanischen Aufstand“ wurde von jungen Bloggern im Internet veröffentlicht.
Sie sind die großen Verlierer der Krise, ihre Wut auf die etablierten Parteien sitzt tief. Seit dem Wochenende gehen Zehntausende Spanier auf die Straße — in Madrid, aber auch in anderen Städten wie Sevilla und Barcelona. Die Demonstranten haben inzwischen zentrale Plätze in mehr als 40 Städten besetzt, darunter auch an der Puerta del Sol im Herzen der Hauptstadt, wo 2.000 Anhänger unter dem Motto „Yes, we camp“ ein Zeltlager aufgeschlagen haben.
Der Protest richtet sich vor allem gegen den mit Brüssel abgesprochenen Sparplan der sozialistischen Minderheitsregierung von José Luis Rodriguez Zapatero, der für viele Spanier alles noch schlimmer macht: Beamtengehälter wurden gekürzt, Renten eingefroren, Kündigungen erleichtert. Die Demonstranten fordern daher bessere Löhne, bezahlbare Wohnungen und vor allem auch mehr Arbeitsplätze. In Spanien ist jeder fünfte Erwerbstätige ohne Job, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 40 Prozent — sie ist so hoch wie nirgendwo sonst in Westeuropa.

Doch die Bewegung, die sich inzwischen selbst „Democracia Real Ya!“ (Echte Demokratie jetzt!) nennt, richtet sich vor allem auch gegen das politische System des Landes. Die Demonstranten sind sich sicher: das bestehende Wahlrecht begünstigt die beiden großen Parteien der Sozialisten (PSOE) und Konservativen (PP). Gegen sie aber richtet sich der Unmut vieler Spanier. Sie fühlen sich von keinen der beiden Parteien vertreten und fordern daher politische Reformen.
Der Augenblick ist wohl bewusst gewählt. Denn am Sonntag stehen Regional- und Kommunalwahlen an, bei denen den Sozialisten ein Debakel droht. Unter dem Motto „Wähle sie nicht!“ wollen die Demonstranten daher bis Sonntag ihre Proteste fortsetzen. Das von der Wahlbehörde verhängte Demonstrationsverbot ist ihnen egal.
Organisiert werden die Kundgebungen über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder das spanische tuenti — genauso wie bei den Aufständen des arabischen Frühlings, der die spanischen Demonstranten offenbar inspirierte. In Spanien selbst vergleicht manch einer schon den Platz an der Puerta del Sol mit dem Tahrir-Platz in Kairo — so auch der frühere sozialistische Ministerpräsident Felipe González, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: „Dort forderten sie freie Wahlen, hier sind sie der Meinung, dass freie Wahlen nichts bringen.“

quelle http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/arte-journal/NAV__cuba/3917426.html

Demo-Verbot in Spanien verhängt

Nach tagelangen friedlichen Protesten hat ein von Spaniens zentraler Wahlbehörde verhängtes Demonstrationsverbot die sozialistische Regierung in eine Zwickmühle gebracht. Der Beschluss bedeutet, dass am 21. und 22. Mai 2011 alle Kundgebungen verboten sind und die Protestcamps in rund 60 Städten aufgelöst werden müssten.
Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ließ aber offen, ob es zu dieser Räumung kommen wird: „Das Innenministerium wird klug, gut und richtig handeln“, sagte er in einem Interview mit dem Radiosender Cadena Ser. In Spanien finden am 22. Mai 2011 Regional- und Kommunalwahlen statt. Bislang seien die Demonstrationen friedlich verlaufen, betonte Zapatero. Er respektiere die Forderungen der Teilnehmer. Auf den besetzen Plätzen in Madrid und Barcelona sprachen sich Anhänger der Protestbewegung „Echte Demokratie Jetzt!“ dafür aus, sich dem um Mitternacht in Kraft tretenden Verbot zu widersetzen.
Am Abend des 19. Mai 2011 waren in zahlreichen Städten erneut tausende überwiegend junge Menschen aus Protest gegen die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien auf die Straße gegangen. Die größte Kundgebung fand im Zentrum Madrids statt. „Sie nennen es Demokratie, aber es ist keine“, skandierten die Demonstranten auf dem besetzten Platz der Puerta del Sol.

© ap
quelle http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/news/154420/index.html

5 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES, Internationales

5 Antworten zu “Proteste in Spanien

  1. Pingback: Räumung des Protestcamps in Barcelona | mein name ist mensch

  2. mantovan9

    @Joaquin wir wissen nicht wie sich die lage in spanien entwickelt. drohgebärden seitens der regierung gab es schon..warten wir erstmal ab. meine achtung haben alle menschen die sich gegen willkür, unterdrückung und ausbeutung auflehnen. ich hoffe, ihr einsatz wird belohnt!

  3. Pingback: Demokratie JETZT | mein name ist mensch

  4. Ich finde es immer sehr gewagt, diese Demos mit denen in einer Diktatur zu vergleichen, wo Demonstranten um ihr Leben fürchten müssen.

  5. Pingback: Democracia Real Ya! – Die verlorene Generation empört sich | mein name ist mensch

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