CSU Ministerin: Zu wenig Leidensdruck bei Hartz IV – update

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Politikum Guten Morgen, Frau Haderthauer

Christine Haderthauer liebt die scharfen Worte, die markigen Sätze und die große Politik, die ja irgendwie auch immer ein Kampf ist. Der neueste Gegner der CSU-Sozialministerin: die Langzeitarbeitslosigkeit. Hartz IV dürfe nicht zum Lebensstil werden, der Leidensdruck müsse erhöht werden, verkündete Haderthauer jüngst. Druck erhöhen, Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen – ja, das sind sie, die Vokabeln der Ministerin, die den Generalsekretär, also den Partei-Rambo, noch immer im Blut hat.

Ein bunter Strauß an Maßnahmen – vom netten Locken bis zum harten Zwang – soll die Langzeitarbeitslosen künftig wieder ins Arbeitsleben bringen, beschloss am Mittwoch auch das Bundeskabinett. Von einem ‚Instrumentenkasten‘ ist die Rede und Haderthauer setzte per Pressemitteilung gleich nach: ‚Instrumentenreform ja – aber richtig.‘ Wo sonst, außer in Bayern, und wer sonst, außer Frau Haderthauer, weiß schließlich, wie man Probleme löst. Dass sie bis Ende 2010 bayernweit 60 Pflegestützpunkte versprochen hat, aber bislang nur drei eröffnet wurden? Schwamm drüber. Die Pflege ist Gedöns von gestern, jetzt rufen die Langzeitarbeitslosen.

Für sie sucht Haderthauer das Super-Instrument – und wurde diese Woche fündig. Man müsse Arbeitslose jeden Tag in der Früh aus dem Bett klingeln, forderte sie in einem Interview der Boulevardzeitung tz. In ihrer Heimatstadt Ingolstadt – wo sonst? – gebe es ein solches Projekt. Das zahle sich aus, tönte Haderthauer, auch wenn es teuer ist. Schon bald hätten die Arbeitslosen keine Lust mehr auf den morgendlichen Klingelstreich, stünden selbst auf und gingen in die Arbeit.

Jawohl, mögen Verfechter der harten Gangart der Ministerin zugerufen haben. Rausklingeln, aufstehen, das klingt schließlich wie ‚Raus aus der sozialen Hängematte‘. Dumm nur, dass die Langzeitarbeitslosen in Ingolstadt schon lange nicht mehr täglich aus dem Schlaf gebimmelt werden. Das Projekt gebe es nicht mehr, heißt es bei der Stadt. Haderthauer, die in Ingolstadt auch im Stadtrat sitzt, hat“s wohl nicht mitbekommen. Wie auch? Der Kleinbus, mit dem der Arbeitslosen-Drill-Instructor früher auf der Suche nach Langschläfern durch die Donaustadt gedüst ist, ist ja noch da, nur der zuständige Sozialpädagoge schon lange weg. Die Förderung des Projekts wurde 2005 eingestellt.

quelle http://www.sueddeutsche.de/y5q386/4109569/PolitikumGuten-Morgen-Frau-Haderthauer.html

mehr zum thema https://mantovan9.wordpress.com/2011/05/15/csu-ministerin-zu-wenig-leidensdruck-bei-hartz-iv/

3 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES

3 Antworten zu “CSU Ministerin: Zu wenig Leidensdruck bei Hartz IV – update

  1. kuddels

    Ingolstadt? Bayern?–Ist das nicht Ausland?
    Große Sprüche klopfen,dabei können die nicht mal Deutsch!!

  2. mantovan9

    was diese frau sagt ist das eine, was aber 2005 gemacht wurde ist wirklich schlimm. die betroffenen wurden sage und schreibe von einem „Arbeitslosen-Drill-Instructor“ aus dem schlaf gerissen. wie mögen sich diese menschen gefühlt haben? inzwischen haben sie die sauerrei eingestellt. aber diese person wollte es nochmal ausgraben und wiederbeleben ohne die arbeitsweise in ihrem umkreis zu kennen. ich habe heute zum erstenmal davon gelesen. meine wut ist grenzenlos. und die linken sollten sich endlich mal zusammenreissen und hier was sinnvolles für diese menschen machen. man kann ja nur die linken bei dem ganzen schlamassel wählen. der einheitsbrei cducsufdpspdgrüne ist ja kaum noch auszuhalten.
    vielen dank fürs feedback 🙂

  3. Jörg Reiners

    Die Linken leben in ihrer eigenen Welt und waschen sich rein, indem sie ihre Theorien verfeinern und bestenfalls sich lokalen Protesten anschließen. Wahlergebnisse zeigen, daß DIE LINKE bei weitem nicht die Menschen an die Wahlurnen zu bringen versteht, die ihre vermeintliche Zielgruppe ist: das ständig anwachsende Prekariat! Doch solange sich DIE LINKE kaum von etablierten Parteien aus Sicht der zu gewinnenden Menschen unterscheidet, werden die Gralshüter konservativer und neoliberaler Politik ihre Wege uneingeschränkt fortsetzen. Solange ein Empfänger eines marginalen Gehalts lieber auf die Empfänger von Hartz IV – Leistungen eindrischt, solange diese ihrem fragwürdigen Arbeitsethos hinterherhinken, solange werden wir Äußerungen wie die von Ministerin Haderthauer zu ertragen haben.

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