Weihnachtsgänse, fette Kinder und Hartz IV

von Dieter Carstensen

Gestern hatte ich in meiner kleinen oberbergischen Heimatstadt mal wieder so ein paar Erlebnisse der „ganz besonderen Art“. Morgens um kurz nach 6.00 Uhr holte ich mir bei uns an der Tanke Brötchen und Zigaretten und da sah ich einen Mann draußen im Dunkeln stehen, in abgerissenen Klamotten und voll unter Alkoholentzug.

Ich habe ihm erst mal 10 Euro in die Hand gedrückt, damit er sich was Alkoholisches zu trinken kaufen konnte und ihm dann für den Nachmittag eine Fahrgelegenheit in eine Entzugsklinik vermittelt. Ich kenne den Mann noch aus meiner Kindheit, er ist nur 2 Jahre älter als ich, gelernter Gärtner, dann machte die Firma pleite und er hat nie wieder einen Job bekommen, es hieß immer nur, „Sie sind zu alt“ und er hat zig Bewerbungen geschrieben, aber nichts zu machen, Hartz IV und keine Chance, da wieder rauszukommen.

Mittags hatte ich dann „Kontrastprogramm“, ich war mit meiner Partnerin einkaufen und habe im Supermarkt nur staunend gesehen, welch einen überteuerten „Weihnachtszeitmüll“ die Leute massenweise in ihre Einkaufswagen packten, so als gäbe es Morgen nichts mehr zu kaufen.

Meine Partnerin und ich sind es gewohnt, genau hinzusehen und wir nehmen einfach die immer grösser werdenden Unterschiede zwischen arm und reich wahr, kann jeder Mensch in seinem Alltag, wenn, ja wenn er richtig hinsieht. Dass uns die Weihnachtsgroßeinkäufer heute im Supermarkt vor lauter Hektik im Einkaufsrausch nicht auch noch die Hacken mit ihren völlig überfüllten Einkaufswagen abgefahren haben, das war pures Glück, sonst nichts.
Cartoon: Weihnachten (medium) by Karsten tagged tiere,essen,ernährung,gesellschaft,weihnachten,religion,tiere,essen,ernährung,gesellschaft,weihnachten,religion
Eine ältere Frau, sie war mit zwei Kindern vor uns an der Kasse, packte sage und schreibe ZWEIHUNDERTFÜNFZIG kleine Schokoladenweihnachtsmänner auf das Fließband an der Kasse. Ich würde mich nie über etwas rundlichere Menschen lustig machen, aber der Frau sah man an, dass sie sich wohl mehr aus Essen, denn aus körperlicher Bewegung macht.

Ich habe sie dann freundlich gefragt, was sie denn mit diesen Massen an Schokoladenweihnachtsmännern wolle und ob sie vielleicht Leiterin eines Kinderheims wäre?

Das verneinte sie, aber sie habe sechs Enkelkinder, zwei von denen hatte sie ja beim Einkauf dabei und die beiden, sie waren vier und sechs Jahre, wie sie uns erklärte, sahen, ohne gemein werden zu wollen, dermaßen vollgefuttert aus, dass ich vor meinem geistigen Auge die armen Kleinen im Alter von spätestens 10 Jahren in einer Klinik für Fettleibige sah. Die armen Kinder!

Was sie nun mit den ZWEIHUNDERTFÜNFZIG kleinen Schokoladenweihnachtsmännern für sechs Enkelkinder machen will? Ich mag es mir nicht mal ansatzweise vorstellen, denn es ist in unserer Gesellschaft, wie die Kinderärzte unisono sagen, ein wirkliches Problem, dass zu viele Kinder einfach zu dick sind, was für die kleinen Kinderkörper gravierende schädliche Gesundheitsfolgen hat, da der ganze Körperbau der Kinder nicht auf eine solche Überfütterung eingestellt ist, der ganze Knochen- und Bewegungsapparat dieser Kinder also nachhaltig durch die pure Unvernunft ihrer Eltern und Familien dauerhaft geschädigt werden.

Ich persönlich finde, unsere Kinder sind unser höchstes Gut und es die Pflicht aller Erwachsenen auf ihre Gesundheit zu achten.

Aber wie sollen Kinder von Erwachsenen lernen können, die sich selber so voll fressen, dass sie kaum noch laufen können? Die Frau mit den Enkeln vor uns an der Kasse wog, ohne Übertreibung, bestimmt 140 Kilo bei einer Körpergröße von höchstens 160 Zentimetern. Ich selber bin 182 cm groß und wiege, seitdem ich 20 Jahre bin, immer so um die 80 Kilogramm.

Ich habe 1979/80 meinen Zivildienst in der Kindertagesstätte der Uniklinik Köln gemacht, ich hatte ja keine Ausbildung für den Beruf des Erziehers, aber die Erzieherinnen, welche dort mit mir zusammenarbeiteten, brachten mir bei, wie wichtig es ist, gerade bei Kindern auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten.

Mir tut es in der Seele weh, wenn ich heute völlig verfettete Kinder durch unsere Straßen laufen sehe, dann denke ich immer, dass man in Deutschland für alles einen „Schein“ braucht, nur einen „Kindererziehungsschein“, oder gar „Elternführerschein“ gibt es nicht.

Das Familienportal „Der Branchen Bär“ schrieb, Zitat:

„Deutsche Kinder gehören zu den dicksten in ganz Europa. Das hat eine im April 2007 veröffentlichte, europaweite Studie ergeben. Zwar ist sie unter Experten umstritten. Fest steht jedoch, dass über zwei Millionen Kinder in Deutschland übergewichtig oder adipös (krankhaft fettleibig) sind. Weil nicht nur die deutschen Kinder, sondern auch rund 37 Millionen Erwachsene hierzulande zu dick sind, hat die Bundesregierung die Aktion ?Gesunde Ernährung und Bewegung? gestartet. Mit dieser Offensive für eine bessere Ernährung und mehr Bewegung soll verhindert werden, dass Übergewicht sich immer weiter ausbreitet und vor allem Kinder lernen, gesünder zu leben“

Quelle: http://www.branchen-baer.de/redaktion/fettleibigkeit-bei-kindern.html

Mir war jedenfalls heute beim Einkaufen der Appetit vergangen, wir haben uns zu Mittag einen griechischen Salat mit türkischem Fladenbrot gemacht.

Und ich musste den ganzen Tag an den verarmten Hartz IV Empfänger von der Tankstelle denken, der wirklich kaum noch was auf den Rippen hatte und als Kontrastprogramm an die verfettete Oma und ihre fettleibigen Enkel.

Ich werde dieses Jahr jedenfalls keine fette Weihnachtsgans zu Weihnachten essen, da käme bei mir Ekel hoch, aber meine Partnerin und ich haben heute beschlossen, dass wir für ein paar Bedürftige aus unserem Ort, die wir persönlich kennen, lieber ein paar kleine Präsentpäckchen zu Weihnachten schenken, aber in jedem Fall keine FETTE Weihnachtsgans!

Editorische Anmerkung des Verfassers: Dieser Beitrag darf gerne von anderen Blogs und Internetzeitungen übernommen werden, unter Angabe der Quelle und, bei Veröffentlichung, kurze E-mail über das Kontaktformular der Homepage:
http://www.dieter-carstensen-waldbroel-nrw.homepage.t-online.de

BILD www.toonpool.com/cartoons/ Weihnachten_104147

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gesungen von Jürgen Lüppen und Jörg Rogall mit lieben Grüßen von der Arbeitsloseninitiative Aurich e.V. und besten Dank an den Author Erich Kästner, der diese Lied bereits 1928 schrieb.

quelle friesensteinTV

 

4 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES

4 Antworten zu “Weihnachtsgänse, fette Kinder und Hartz IV

  1. Pingback: Weihnachtsgaense, fette Kinder und Hartz IV | WIR Der ZeitBote Saarland – Das Sozial-Magazin

  2. mantovan9

    ein wahres wort fridolin. mich nervt vorallendingen die heuchelei der angeblichen christen. das ganze jahr nach unten treten und ausgrenzen und weihnachten soll alles vergessen sein.

  3. Fridolin Rauch

    Das Weihnachtsfest in Deutschland ist schrecklich. Tausende Tannen werden abgehackt, kurz darauf wieder entsorgt. Federvieh massenhaft fettgezüchtet und in der Supermärkten verhökert. Menschenmassen wälzen sich durch die Geschäfte um je nach Kaufkraft was zu ergattern. Dann geht das Ganze im nächsten Jahr wieder los. Stumpfsinnig schuften oder eben arbeitslos. Und ach wie traurig wenn man da nicht mitmachen kann. Doof!!!!!!!!!!

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