ARMUT TÖTET – Lebenserwartung ausgegrenzter Schichten ist gesunken

Hartz IV tötet – Jobcenter – MAs Mittäter_innen

Kommentar von Norbert Hermann

Es rauschte heute durch den Blätterwald – die Lebenserwartung ausgegrenzter Schichtendie Lebenserwartung ausgegrenzter Schichteninnerhalb von zehn Jahren um 2 Jahre (West) und 4 Jahre (Ost) gesunken. Seit 1945 hat es das in Deutschland nicht gegeben (allerdings schon in Grossbritannien durch die Thatcher’ schen Sozialreformen). Dazu bedarf es nicht einmal des um das zwanzigfache grösseren Suizidrisikos beim Leben auf Harz IV, schon die Verelendung durch Hartz IV (inkl. des ausgeuferten Niedriglohnbereiches) genügt.

Gerne werden die Opfer für mitschuldig erklärt ob ihres angeblich geringen Bildungsstandes. Dass der sich innerhalb von zehn Jahren wesentlich abgesenkt hat ist kaum zu erwarten.

Schuld daran ist nicht nur der ab dem zwanzigsten eines jeden Monats zunehmende Stress, das Lebensnotwendige zu beschaffen, auch nicht nur der fehlende Halt, der so manchen weniger Stabilen durch sinnvolle Arbeit gegeben werden kann, Schuld ist auch der durch „Fördern und Fordern“ vorgegebene entwürdigende und zerstörerische Umgangsstil der Behörden und ihrer Mitarbeitenden mit den Betroffenen. Schliesslich soll das Leben auf Hartz IV nicht „angenehm“ sein.

Dabei unterwerfen sie sich der Vorgabe einer Sanktionsquote – neunhunderttausend werden es in diesem Jahr wohl sein. Manche Menschen werden mehrfach unter das Existenzminimum gesenkt, ihre Angehörigen leiden mit. Hinzu kommen viele Hunderttausende, die einen Teil ihrer Wohnkosten (oftmals widerrechtlich) aus dem Regelsatz bezahlen müssen, und wohl ebenso viele, denen Tilgungen für Anschaffungsdarlehen oder fehlerhafte Überzahlungen monatlich abgezogen werden.

 Der von mir mit Bedacht gewählte Begriff „Mittäter_innen“ weist eine Nähe zum Begriff „Schreibtischtäter“ auf. Und das nicht ohne Grund: wurden doch in Hitler-Deutschland die sogenannten „Asozialen“ systematisch umgebracht. Heute darf das natürlich nur indirekt und schleichend geschehen. Einem grossen Teil der Bevölkerung ist das genehm, so die aktuelle Heitmeyer-Studie  (www.uni-bielefeld.de/ikg/). Dem könne einfach der Boden entzogen werden, so die Kolumne „verboten“ in der heutigen taz: einfach Hartz IV absenken! Die Zivilgesellschaft inkl. eines grossen Teils der politischen Linken interessiert derartiges seit dem Abnicken des “Asylkompromisses” 1992 ohnehin nicht mehr. Schliesslich sind sie selbst ins Mark getroffen und bedroht vom “Sparkurs”.

Ich nähme eine unzulässige Pauschalierung des Verhaltens der JC-Mitarbeitenden vor, wird mir entgegengehalten in Ermangelung tatsächlicher Argumente. Ein ähnlich geartetes Problem hatte ver.di auf dem Bundeskongress im September mit Anträgen betreffend das Militär und die Polizei. Im Sozialrecht (und anderswo) sind Pauschalierungen zulässig, wenn sie geeignet sind, die Realität wirklichkeitsnahe abzubilden und Raum lassen für Ausnahmen. Beides ist auch hier gegeben.

 „Ich solle nicht spalten“ sagen mir Gewerkschaftsfreund_innen. Das klingt so, als wenn die Diebin ruft: „Haltet den Dieb!“.

 Weiteres z.B. hier:

 http://www.bo-alternativ.de/2011/12/06/angst-vor-arbeitslosigkeit-im-jobcenter/#comments

quelle http://www.elo-forum.net/topstory/2011121341416.html

mehr zum thema

http://www.sueddeutsche.de/leben/lebenserwartung-von-geringverdienern-sinkt-dramatische-zuspitzung-der-einkommenskluft-1.1232605

3 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES, Deutschland

3 Antworten zu “ARMUT TÖTET – Lebenserwartung ausgegrenzter Schichten ist gesunken

  1. mantovan9

    „Als Existenzminimum (auch: Notbedarf) bezeichnet man die Mittel, die zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse notwendig sind, um physisch zu überleben; dies sind vor allem Nahrung, Kleidung, Wohnung und eine medizinische Notfallversorgung. Selbst das ist zur Zeit nicht mehr gewährleistet.
    Hunger ist kein Fremdwort mehr in Deutschland und Hunger macht schwach und krank, dazu gefügig und manipulierbar.
    Wird dieses Existenzminimum durch Sanktionen auch noch gekürzt, erhöht sich das ohnehin bei Armut vorhandene Mortalitätsrisiko erheblich.
    Armut und Arbeitslosigkeit führen zu erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsraten und einem erhöhten Bedarf an ärztlicher Versorgung. Dies belegen zahlreiche Studien: Eine durchschnittlich um bis zu sieben Jahre geringere Lebenserwartung haben arme Menschen gegenüber Wohlhabenden. Ihr Risiko, schwer zu erkranken, vorzeitig zu versterben, einen Unfall zu erleiden oder von Gewalt betroffen zu sein, ist in jeder Lebensphase etwa doppelt so hoch.
    Hierzu passt auch die wenig beachtete Erklärung Lauterbachs, dass Arbeitnehmer mit geringen Einkommen in der Regel nur noch 11 Jahre Rente beziehen, wo gegen Arbeitnehmer mit besserem Verdienst eine mittlere statistische Rentenbezugserwartung von 18 Jahren haben. Provozierte Armut dient also langfristig zur Sanierung der Renten durch forciert verfrühtes Ableben der Armen. Der „Lösungsansatz“ ist gewollt. – gefunden im elo-forum

    http://la-bora.de/wb/pages/posts/alg-ii-96-tF6ten-per-gesetz-hajo-freese–2009561.php

  2. S.Ooker

    … bisher

  3. S.Ooker

    Das ganze ist eine Fehlinterpretation der Zahlen, die Lebenserwartung steigt allgemein (in allen ‚Schichten‘) – siehe hier:
    http://www.demografie-blog.de/2011/12/lebenserwartung-von-geringverdienern-sinkt-nicht/

    Warum die Lebenserwartung ärmerer Teile der Bevölkerung langsamer steigt müsste gesondert diskutiert werden. HartzIV Sanktionsdruck hat zumindest nicht dafür gesorgt Leben auf irgendeine Art zu verkürzen..

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