Hartz-IV und Jugendobdachlosigkeit

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Hohe Jugendobdachlosigkeit im Saarland ist auch Ergebnis der verfehlten Bundespolitik

Im Saarland sind immer mehr junge Menschen von Obdachlosigkeit betroffen. Der SOS Jugenddienst in Saarbrücken teilte mit, die Anzahl habe sich seit dem Jahr 2005 vervierfacht. In diesem Jahr seien über 200 Jungen und Mädchen betreut worden. Auch die BAG Wohnungs­losen­hilfe meldete erst kürzlich, dass bundesweit die Anzahl der jungen Menschen unter den Obdachlosen gestiegen ist. Von 29,4 % in 2008, auf 31,7 % in 2009, auf 32,2 % in 2010.

Dazu die Bundestagsabgeordnete der LINKE, Yvonne Ploetz: „Wir warnen schon seit Jahren davor, dass immer mehr Jugendliche die schrecklichen Situationen von Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit durchleben müssen, doch die Bundesregierung verschließt die Augen vor dem Elend der Straßenkids. Wie von den saarländischen Sozialarbeitern und Sozial­arbeiterinnen festgestellt, liegen die Ursachen in der verheerenden Sozial- und Arbeitsmarkt­politik. Junge Menschen werden mehr und mehr in prekäre Beschäftigung gedrängt. Und atypische Beschäftigungen wie Leiharbeit, Zeitarbeit, nicht enden wollende Praktikaschleifen bergen die Gefahr von Verarmung und ständig droht erneute Arbeits­losigkeit. So können Jugendliche keine dauer­haften Lebensperspektiven aufbauen. Prekarität mündet regel­mäßig in erneuter Prekarität.

Für erwerbslose junge Menschen hat das SGB II durch ein faktisches Auszugsverbot die Lebensbedingungen erheblich und zumeist zusätzlich belastet. Mit gravierenden Folgen: Sich verschärfende familien­dynamische Konflikte, Existenzgefährdungen durch Wohnungs- oder Obdach­losigkeit oder Schul- und Ausbildungsabbrüche in Folge familiärer Konflikte. Statt den Jugendlichen mehr Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und damit ihren Weg in die Eigenständigkeit zu fördern, werden sie durch diese Bestimmung im elterlichen Haushalt „verhaftet“.

Es ist höchste Zeit für ein wirksames Sofortprogramm gegen Jugend­arbeitslosigkeit und Jugenderwerbsarmut, eine Mindestaus­bildungs­vergütung und ein Mindestlohn sowie, so lange das Hartz-IV-System in Gänze nicht überwunden ist, so lange die U-25-Reglung nicht ersatzlos entfällt, als erster Schritt für die Besserstellung junger Menschen der Genehmigungs­vorbehalt für Wohnungsauszüge bei jungen Volljährigen zurückgenommen werden. Die Bundesregierung muss ihre politische Realitätsverweigerung endlich ablegen und handeln.“

quelle http://www.scharf-links.de/54.0.html?&tx_ttnews[swords]=jugendobdachlosigkeit&tx_ttnews[tt_news]=20413&tx_ttnews[backPid]=65&cHash=3a07cb3353

mehr zum thema

aktuellhttp://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/obdachlosigkeit-durch-hartz-iv-sanktionen-900204.php

https://mantovan9.wordpress.com/2011/12/24/strassenkinder-heute-wirds-nichts-geben/

6 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES, Deutschland

6 Antworten zu “Hartz-IV und Jugendobdachlosigkeit

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  5. mantovan9

    vielen dank für den überaus freundlichen und informativen kommentar 🙂
    die jugendobdachlosigkeit ist bundesweit angestiegen. darf sowas überhaupt sein? wo doch im grundgesetz das gegenteil steht. 😦 erbärmlich ist dieser zustand für die ähm lobbyismus gesteuerten politiker. meine verachtung für dieses genre kann ich kaum in worte kleiden.
    zz offizielle zahl – 10.000 jugendliche leben unter erbärmlichen verhältnissen in diesem land auf der strasse und so ziemlich alle schauen angeekelt weg. ich schaue mir angeekelt diesen ganzen politikzirkus an, die nur noch von einem impuls angetrieben sind, sich geld vom steuerzahler und der wirtschaft in die taschen zu schaufeln.
    am besten finde ich den letzten satz. auch ich glaube fest an die jugend. wenn sie sich erstmal aus der schockstarre befreit haben, gehts aufwärts 🙂

  6. Die Jugendobdachlosigkeit ist nicht nur im Saarland angestiegen, snd bundesweit. Jugendlich werden von den JobCentern bei kleinen Vergehen, wie Nichterscheinen zur Einladung bereits sanktioniert. Bei Abbruch oder Nichtantritt einer Arbeitslosenmaßnahme wird 100% gekürzt. Da hilft es dann nicht, dass die Mietzahlung nicht gekürzt werden darf, weil wohl jeder H4-Empfänger das Geld erst mal zum Leben anstatt für die Miete verwenden würde. Ein weiteres Problem ist die Verweigerung von Mietkostenübernahme wenn die Jugendlichen aus dem Elternhaus ausziehen möchten. Dabei wird keine Rücksicht auf die Zustände im Elternhaus und das Verhältnis zw den Familienmitgliedern genommen. Eine extrem fehlgeleitete Politik. Aber etwas Positives steckt auch in jedem Negativen: Die Jugend ist unser größtes Potential – auch was Auflehnung und Protest angeht.

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