Hunger in Europa

http://www.rosalux.de/

Hunger mitten in Europa? Überlebensküche nötig?

von Alexandra Bader (Österreich) und Dieter Carstensen

VORWORT: dieter carstensen

Die von mir sehr geschätze Vollblutjouranlistin Alexandra Bader aus Österreich, welche den Blog “Ceiberweiber” betreibt, hat sich in dem von mir weiter unten zitierten Artikel mit der Realität der Menschen in Griechenland beschäftigt.

Es geht, man muss sich das mal vorstellen, mitten in Europa, mittlerweile um reine “Überlebenstipps”, wie können Menschen sich in der Wirtschaftskrise überhaupt noch ernähren, wie können sie so preiswert Lebensmittel organisieren, dass sie nicht verhungern müssen. Wer meint, uns hier in Deutschland ginge das alles nichts an, irrt gewaltig!

Erst gestern entschied das Sozialgericht in Berlin, dass der Sozialhife/HartzIV Satz um 36 Euro/Monat zu niedirig und damit verfassungswidrig sei, da er Betroffene aus der menschlichen Teilhabe an unserer Gesellschaft, die im Grundgesetz ausdrücklich vorgesehen ist, ausschliesse.

Das Gericht hat den betroffenen Klägern ausdrücklich den Weg zum Bundesverfassungsgericht eröffnet. Beim “Betreuungsgeld” passiert ja gerade die nächste “Sauerei”, sozial Bedürftigte sollen davon nichts behalten dürfen, aber jede Millionärsgattin bekommt das Geld in voller Höhe.

In Italien haben sich schon zig Menschen wg. ihrer finanziellen Situation für den Freitod entschieden, in Portugal prostituieren sich die Frauen, um ihre Familien durchzubringen, die Kriminalitätsrate in Spanien und Portugal ist immens angestiegen, weil die Menschen nicht mehr weiter wissen und in Griechenland gibt es das “Überlebenskochbuch”.

Nein, das Europa der Merkels und Sarkozys ist nicht lustig, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so sehe ich das.

Alexandras Artikel hat mich wirklich erschüttert.

Man sollte als Hintergrund wissen, dass in Griechenland im zweiten Weltkrieg unter der Terrorherrschaft der Nazis zig Menschen elendig verhungert sind. Das haben die Menschen in Griechenland nicht vergessen und genau darauf bezieht sich dieser Satz in Alexandras Artikel, der die damalige, brutale Realität wahrheitsgemäss beschreibt:

“Vor 70 Jahren wurden freilich auch die Hügel um die Städte praktisch kahl “gefressen”, und streunende Hunde und Katzen lebten gefährlich, da sie oft im Kochtopf landeten.”

Es ist wieder soweit, in Griechenland herrscht wieder nackte Hungersnot! Menschen hungern wieder, mitten in Europa und kaum einer nimmt es wahr. Wer eine solche EU will, hat irgendwas nicht mitbekommen.

Seriöse Fernsehsender, wie “arte” berichten ganz offen darüber. Die Sendung kann sich jeder hier anschauen.

_

Link zum Originalartikel auf dem Blog “Ceiberweiber”: http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=2339

“Überlebensküche aus Griechenland”

von Alexandra Bader

“Ein Aspekt der wirtschaftlichen Situation vieler Menschen in Griechenland ist, dass sie kaum genug zu essen haben. LehrerInnen erleben, dass Kinder hungrig in die Schule kommen, so auch Eleni Nikolaidou, deren Buch “Starvation Recipes” zum Beststeller wurde.

Die Historikerin wertete dafür 6000 Zeitungsartikel aus den Jahren 1941 bis 1944 aus, der Zeit der deutschen Besatzung. Rezepte für Essen aus fast nichts und andere Überlebenstipps waren damals oft auf der Titelseite zu finden.”

“Im Interview mit der “taz” fasst Nikolaidou die Ratschläge so zusammen: “Man sollte das Essen so lange wie möglich kauen. Krümel sollte man auch nicht wegwerfen, sondern in einem Glas sammeln. Eine Aubergine kann man durch den Fleischwolf drehen und anstelle von Hackfleisch verwenden. In einem Rezept steht auch, wie man aus Resten, die gerade mal für eine Person reichen, eine Suppe für eine fünfköpfige Familie machen kann.”

Vor 70 Jahren wurden freilich auch die Hügel um die Städte praktisch kahl “gefressen”, und streunende Hunde und Katzen lebten gefährlich, da sie oft im Kochtopf landeten. Nikolaidou zieht dennoch gewisse Parallelen, nicht zuletzt, weil nach “Starvation Recipes” mehr Nachfrage besteht als nach ihren bisherigen historischen Büchern:

“Immer mehr Griechen müssen ums Überleben kämpfen. Über eine Million Menschen sind arbeitslos und die Zahl steigt täglich. Es ist definitiv so, dass die Griechen ihre Gewohnheiten geändert haben, auch wenn es ums Essen geht. Die Straßenmärkte sind jetzt immer am Ende des Tages überfüllt, die Menschen versuchen verbilligte Produkte zu ergattern. Die Ansprüche sind durch das fehlende Geld gesunken. Viele suchen auch im Müll der Märkte nach verdorbenem Obst und Gemüse. Viele Schüler kaufen sich in der Schule kein Mitagessen mehr, weil oft beide Eltern ohne Arbeit sind. Inzwischen gibt es für die armen Kinder das Essen in den Schulen gratis.”

“Nikolaidou hat tausende Mails erhalten, sowohl von Jüngeren als auch von Älteren. Die einen meinen, sie hoffen, dass sie diese Rezepte nie brauchen werden, die anderern erinnern sich an ihre harte Jugend. Damals musste man sehr einfallsreich sein: während bei uns etwa Eicheln als Kaffee herhalten mussten, verwendeten die GriechInnen Kichererbsen. Zeitungen meinten, dieser Kaffee sei genauso gut wie jener vor dem Krieg – schliesslich geht man ja nicht des Getränks wegen ins Kaffeehaus.

Man verwendete Rosinen als Süßstoff, was dazu führte, dass die traditionell bei Hochzeiten verteiten Mandeln schwarz wurden. Heute gibt es Menschen, sagt Nikolaidou, die ihre Küchenkästen öffnen und nicht viel mehr als ein Päckchen Mehl vorfinden – für sie bieten die Rezepte aus dem Krieg die eine oder andere Anregung.

Etwa eine Gemüsesuppe, die aus bisher weggeworfenen abgeschnittenen Fisolenspitzen besteht – dazu dann noch Salz und wenn vorhanden eine Karotte, eine Zwiebel oder eine Kartoffel. Man kann nicht nur Fleisch durch Auberginen ersetzen, sondern auch Eier durch Gelatine. Damals wurden Krümel auch nicht entsorgt, sondern in einem Glas gesammelt, um sie wieder zu verwenden.

Der griechische Koch FT Bletsas, der über Fernsehshow, Webseite und Videochannel verfügt und ebenfalls Bücher veröffentlicht hat, plädiert für gute und billige Küche. Er kommuniziert auch via Mail und Newsletter und beschreibt leicht nachzukochende günstige Gerichte wie Reis mit Rote Beete. Auch er rät, nichts wegzuwerfen, einzufrieren, was übrigbleibt, es bei einem neuen Essen mitzukochen oder jemanden zu geben, der es dringender braucht.

Wie in Low Budget-Kochbüchern empfiehlt er, bei gewissen Zutaten nicht zu sparen, sondern etwa in qualitativ hochwertiges OIivenöl zu investieren. Seine Rezepte basieren auch auf Sardinen in Dosen, Linsen, Weizen und gutem, aber selten verwendetem Fleisch. Bletsas will den Menschen helfen, Geld zu sparen und gut zu essen – so kann man entweder mehr Ressourcen für die Zutaten aufwenden oder sich etwas anderes leisten. Er rät, mit viel Energie in den Tag zu starten – zum Beispiel mit einer Mischung aus Weizen, Apfel, Honig und Joghurt….”

Infos: http://eleninikolaidou.weebly.com/ http://www.cookingeconomy.com/ Die griechische Katastrophe beleuchten (von Dieter Carstensen)

Kochen mit Christine Nöstlinger (günstig Kochen aus Österreich)

Alexandra Bader alexandra@ceiberweiber.at Zur Zukunft von Ceiberweiber

vorwort http://www.dieter-carstensen-waldbroel-nrw.homepage.t-online.de/

bild http://www.rosalux.de/fileadmin/images/Veranstaltungen/2012/Griech-01-1.jpg

mehr zum thema

Mein Name ist Griechenland-Με λένε Ελλάδα .._

von Frank Kündiger 
  
Wenn Sie die Meldungen von „Seisachtheia“ verfolgen, merkt man dass es in Griechenland (und den andere Krisenländern) gärt. Sucht man nach deutschen Artikeln über Griechenland, muss man genauer suchen, denn was in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Irland und den anderen Ländern passiert wird kaum noch wahr genommen. Dies erweckt (politisch gewollt) gerade für die Deutschen, das es den Menschen in diesen Ländern „gut geht und sie sich mit den drastischen Sparmaßnahmen abgefunden haben“.  Falls man doch einen Artikel findet, dann in kleinen Zeitungen und da wird eher über Ausschreitungen und Krawalle berichtet. Ich habe keinen Artikel in Deutsch gefunden, der sich mit den Menschen in diesen Ländern befasst, was sie denken, was sie fühlen und wie ihr Alltag im Schatten der Sparmaßnahmen verläuft. Das ist traurig, denn wenn es so kommen wird wie ich vermute, dann hätten gerade die Griechen und die Deutschen schon einiges gemeinsam. Dies bedeutet, Niedriglohn, immer mehr befristete Jobs und der Großteil kann von dem, was er/sie verdient nicht mehr ausreichend davon leben. Dies wird dann begründet mit der „Globalisierung“ und „das man Wettbewerbsfähig sein muss auf dem globalen Markt“. Soziales und menschliches wird dann auf der Strecke bleiben und das sollten die Organisationen, die bei „Seisachtheia“ mitlesen und kommentieren oder mitarbeiten etwas genauer betrachten.
text und bilder  Seisachtheia
_

GRIECHENLAND GEHT UNS ALLE AN

HEUTE HUNGERN DIE GRIECHEN UND MORGEN WIR

Basilis Alimperths._
aktuell Savas Metoikidis’ Text über den Dezember-Aufstand
hier lesen
http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=24207&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=0987a6fcf6

6 Kommentare

Eingeordnet unter AKTUELLES, Finanzkrise, Internationales

6 Antworten zu “Hunger in Europa

  1. Da hast Du noch etwas vergessen.

    Die EU bricht sogar ihre eigene Verfassung.
    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2010:083:0013:0046:DE:PDF
    Artikel 3, 4 und 5.
    und auch die eigenen „Projekte“
    http://ec.europa.eu/europe2020/reaching-the-goals/monitoring-progress/annual-growth-surveys/index_de.htm

    bis 2030 werden alle Länder pleite sein, weil sie gegen ihre eigenen Grundsätze handeln

  2. mantovan9

    ich danke dir lieber dieter 🙂 und auch alexandra für euer engagement.
    liebe grüße
    rita

  3. Tango

    Das ist nicht auf den Mist von Merkel gewachsen. Sie ist nur der Befehlsempfänger der EU… und die EU… ?
    Europarecht bricht Landes bzw. Staatenrecht.

  4. Danke liebe Rita:))) Hast Du wieder gut aufbereitet!

  5. Aha, hierher hat sich der Artikel auch „verirrt“ 😉

    Interessant sind auch die zwei folgenden Videos.

    kaum beachtet, aber trotzdem sehr interessant

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s