Monatsarchiv: August 2012

Offener Brief an Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI

Offener Brief an Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI

von Michael Ehrhardt

Sehr geehrter Herr Straubhaar,

am 27.08.2012 veröffentlichten Sie in der Ausgabe der Zeitung Welt-Online ein Statement zu den Hartz-IV Gesetzen.

Sie bezeichnen die Hartz-IV Reformen als einen Segen und behaupten, dass das Zusammenführen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, zu einem Mentalitätswechsel geführt hätte.

Weiter führen Sie aus, dass man schon blind sein müsse, um die Entwicklung rein auf konjunkturelle Effekte zurückführen zu können.

Zu aller erst möchte ich, Bezug nehmend zu ihrer Behauptung die Hartz-IV Reformen seien ein Segen, differenziert antworten.

Die Hartz-IV-Reformen sind sicher ein Segen, allerdings nur für diejenigen, die davon profitieren und das sind sicher nicht die Menschen, die durch Verlust ihres Arbeitsplatzes, durch Verlust ihrer kleinen Selbständigkeit, alleinerziehende Mütter, in Bedarfsgemeinschaften lebende Menschen, Alte und Kranke, die in dieses Hartz-IV-System gezwungen wurden.

Vielmehr sind es Unternehmen, die durch die Hartz-IV-Gesetzgebung die Möglichkeit erhalten haben, auf ganz perfide und unmenschliche Art ein System zu entwickeln, in dem die Mitarbeiter als Ressource betrachtet werden und nicht als Mensch.

Leiharbeit, Zeitarbeit, Werkverträge, Praktika, all dies ist in verschärfter Form durch die Hartz-IV-Gesetzgebung ermöglicht worden.

Hartz-IV übt solch einen verheerenden Druck auf die Arbeitswelt aus, dass Menschen bereit sind fast alles zu tun um nicht in dieses restriktive System hinein zugeraten, denn im neoliberalen Zeitgeist, den sie offensichtlich unterstützen, gilt: Wer seinen Preis am Markt nicht wirksam werden lassen kann (bedeutet, für 4,80 Euro arbeitet), der muss erzogen werden oder hat eine psychische Störung, die behandelt werden muss. Hartz-IV wurde zu einem paternalistischen Gebilde, die Menschen in Hartz-IV können oder sollen nicht mehr am kulturellen Leben teilhaben dürfen. Medial sind die Hartz-IV-BezieherInnen zu einer gestaltlosen Masse geworden, die keinerlei Einfluss mehr auf die gesellschaftlichen Belange haben soll und man bedient sich ihrer wie man es gerade für notwendig erachtet.

Das wird auch durch ihre Ausführungen deutlich.

Zum zweiten möchte ich, Bezug nehmend zu ihrer Behauptung, dass das Zusammenführen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, zu einem Mentalitätswechsel geführt hätte.

Dem stimme ich in vollem Umfang zu.

Durch die restriktive Gestaltung der Hartz-IV-Gesetzgebung ist es gelungen, den Betroffenen jegliche Würde zu nehmen, ihre gesellschaftliche Sicherheit, ihr Gefühl des Dazugehörigseins, ihre Motivation, gegründet auf Freiheit im Sinne des freien Entscheidens, wann, ob und wie sie sich auf eine ihrer Qualifikation entsprechenden Arbeitsstelle bewerben.

Man hat durch Hartz-IV den Menschen, die in der Arbeitslosenhilfe waren, sich um Arbeit bemühten, ein System aufgezwungen, das mit Zwang, Strafe unsinnigen Maßnahmen, Entrechtungen geradezu gespickt ist im wahrsten Sinne des Wortes ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft und ihr gesellschaftliches Selbstwertgefühl mit der sozialen Axt abgetrennt.

Den Menschen, die vorher Sozialhilfe beziehen mussten, an kleinere Sanktionen gewöhnt waren, hat man mit Hartz-IV ein karzinomisches Monstrum übergestülpt. Die Sanktionen die von nun an auf sie zukamen, diese komplizierten Anträge usw. haben diese Menschen nur noch weiter diskriminiert und psychisch ausgeraubt.

Menschenrechte werden durch Hartz-IV gebrochen.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:

Artikel 23

1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.

2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

4. Jeder hat das Recht, zum Schutz seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

Zuletzt möchte ich Bezug nehmen auf die Feststellung ihrerseits, dass man schon blind sein müsse, um die Entwicklung rein auf konjunkturelle Effekte zurückführen zu können.

Diese Feststellung zeigt wie sehr Hartz-IV Menschen verachtet. Hartz-IV soll erziehen. Menschen erziehen, sodass sie zu gebrauchsfähigen Ressourcen der Wirtschaft werden. Damit hat sich die Gesellschaft nachhaltig verändert. Hier wird in die Freiheitsrechte und Persönlichkeitsrechte des Einzelnen massiv eingegriffen und es ist ein brutaler Angriff auf die garantierten Grundrechte durch unser aller Grundgesetz. Der sozialpsychologische und auch gesamtgesellschaftliche Schaden, den Sie und andere, die Hartz-IV loben anrichten, der wird sich in ihrer Währung nicht beziffern lassen.

Hartz-IV ist ein zutiefst inhumanes Konstrukt, dass auf Dauer das gesellschaftliche Miteinander nachhaltig zerstören wird.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Ehrhardt Maurer

QUELLE UND FOTOMONTAGE http://www.facebook.com/pages/Offener-Brief-an-Thomas-Straubhaar-Direktor-desHWWI/105181399633109

UND HIER ALS VIDEOBOTSCHAFT

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(Ich bitte um Weiterverbreitung)

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UPDATE: Strom abgestellt – vier Kinder tot!

IM STILLEN GEDENKEN

WIR BITTEN UM IHRE UNTERSTÜTZUNG – SCHREIBEN AUCH SIE DEN „VERANTWORTLICHEN“

VORLAGE VON Kieke-ma Film-Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren der Energie Saarlorlux,

durch die Presse erfuhr ich, dass Sie einer Familie in Burbach den Strom abgestellt haben, da diese aufgrund ihrer finanziellen Lage, die Stromrechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Abgesehen davon, dass die Familie mit 4 Kleinkindern kein Essen kochen konnte, ist das Resultat, dass die Beleuchtung durch Kerzen geschah.

Tödliches Endergebnis ist, dass die 4 Kleinkinder verbrannt sind.

Aus meiner Sicht tragen Sie Mitschuld am Tod der Kinder.

Ich erwarte eine Stellungnahme Ihrerseits.

RITA MANTOVAN

E-MAIL: AN info@energie-saarlorlux.com

UND: E-Mail: ARGE-Saarbruecken.Burbach@arbeitsagentur.de

INFORMATIONEN ZUM THEMA

WICHTIG: „Wie kamen die Energieschulden zustande? Seit 2009 ???
Wegen Altschulden aus Jahresendabrechnungen darf Niemanden die Energieversorgung eingestellt werden!!!“ VON Manni Leid

Strom abgestellt – vier Kinder tot!

https://mantovan9.wordpress.com/2012/08/28/strom-abgestellt-vier-kinder-tot/

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Strom abgestellt – vier Kinder tot!

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informative links zum thema

Diskussion über Stromsperre

Linke: „Es ist beschämend“

In der Politik sorgt das Verhalten des Stromkonzerns für Unverständnis. Der Landesvorsitzende der Linken, Rolf Linsler, sagte: „Es ist beschämend, wenn Eltern und Kinder in einer dunklen Wohnung leben müssen, weil eine Tochterfirma der Stadt Saarbrücken einfach den Schalter umgelegt hat. In unserem reichen Land darf so etwas nicht geschehen.“ Gerade wenn kleine Kinder im Haushalt lebten, müssten Strom, Gas und Wasser verfügbar bleiben, betonte Linsler.

mehr http://www.sr-online.de/nachrichten/1668/1471563.html

http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Saarbruecken-Brand-Burbach-Brandursache;art27856,4415247#.UDxyySPZiBs

http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Brand-Burbach-Rauchmelder-Stromsperre;art27856,4416543#.UDxyqyPZhko

BLOGBEITRAG

https://mantovan9.wordpress.com/2012/05/30/strom-abgestellt-die-wurde-des-menschen-ist-unantastbar/

IN TIEFER ANTEILNAHME

MEIN BEILEID FÜR DIESE ZUM LEIDEN VERURTEILTEN KINDER –

DIE IHREN ZWANGSFRIEDEN IN EINER GESELLSCHAFT OHNE EMPATHIE

JETZT IM TOD FINDEN MUßTEN

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„Obdachlose“ – eine Schande für die reiche Republik

obdachlosigkeit - ausgrenzung

von Kurt Wolfgang Ringel

»In Deutschland werden Millionäre und Bienen-völker gezählt, aber keiner kann sagen, wie viele Menschen bundesweit von Obdachlosigkeit betroffen sind. DIE LINKE setzt sich für eine bundesweite Wohnungsnotfallstatistik ein. Die Prognose ist düster und eine Schätzung zugleich: Bis zum Jahr 2015 wird die Zahl der Menschen ohne eigene Unterkunft um bis zu 15 Prozent steigen, auf 270 000 bis 280 000 Menschen.« [1]
Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 26.08.2012

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
worin liegen die Gründe für das Ansteigen der Obdachlosenzahlen in den kommenden Jahren? Hier einige Gründe, die dazu führen. Die Mietpreise steigen, besonders in den Ballungsgebieten. Besonders betroffen ist z. B. das Ruhrgebiet, indem die Arbeits-losigkeit nach dem Ende des Bergbaus sehr hoch ist. Etliche Kommunen verkaufen die eigenen Wohnungsbaubestände an private Investoren.
Durch Langzeitarbeitslosigkeit und wachsendem Niedriglohnsektor verarmen die unteren Einkommensgruppen. Dazu kommen sozialpolitische Fehlentscheidungen, und das nicht nur in Bezug auf Hartz-IV-Empfänger. Alles zusammen führt immer schneller und häufiger zum Rausschmiss von Menschen aus den Wohnungen.
In ein paar Monaten werden die kapitalistisch-orientierten Medien erneut über erfrorene Menschen berichten, und zeigen auch mal ein paar Obdachlose, die gezwungen sind, im Freien zu schlafen. Zum Beispiel unter Brücken! Und diesen Ausgegrenzten werden Suppenküchen und Obdachlosenräume im freiheitlichen Rechtsstaat empfohlen. Als Ursache für den Tod von einigen dieser Betroffenen werden die Temperaturen des Winters genannt. Aber nicht vorrangig diese Minus-Temperaturen sind es, denen Jahr für Jahr Menschen zum Opfer fallen. Nein – es ist die soziale Kälte der Gesellschaft. Es sind die Arbeitslosigkeit und die praktizierte soziale Ungerechtigkeit.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
besonders betroffen von Obdachlosigkeit sind Hartz-IV-Empfänger. Wie unmenschlich die Behörden dabei mit Menschen umgehen, soll am folgendem Beispiel gezeigt werden. Ein Umzug von Menschen kleinere Wohnungen wird eben auch gefordert, wenn die Wohnung »zu groß« ist. Eine Frau aus Göttingen sollte umziehen, notfalls aufs Land.
»Das Mietverhältnis sollte sofort gekündigt werden. Auf Nachfrage der Frau, was denn geschehe, wenn sie innerhalb der sechs Monate keine angemessene Wohnung fände, entgegnete man ihr, sie sei schließlich schon Mitte 40 und fände daher wahrscheinlich nie wieder in ihrem Leben eine Arbeitsstelle. Ihre Möbel würden dann eingelagert, und sie bekomme ein Zimmer im Obdachlosenheim. Das sei auch eine angemessene Wohnung nach Hartz IV.«
[2] Eine brutalere Menschenverachtung kann der Kapitalismus wohl kaum an der Tag legen.
Was steht denn an erster Stelle im Grundgesetz? »Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt« Das mit der Würde weiß ich nicht genau. Der Mensch selbst aber ist sehr wohl leicht verletzbar. Und die Menschen werden permanent verletzt. Und dies von Politikern, die mittels staatlicher Gewalt, die den Menschen zustehenden sozialen und menschenwürdigen Rechte zu garantieren, verpflichtet sind. Daraus folgt, dass der Staat vorsätzlich das Grundgesetz verletzt. Wie sagte Heinrich Zille, der Berliner Maler?
„Man kann einen Menschen mit einer Axt, aber auch mit einer Wohnung erschlagen“.
Der Künstler macht die Gesellschaft darauf aufmerksam, das die Wohnung für den Menschen eine existenzielle Angelegenheit ist. Darüber sollten die Politiker dringendst nachdenken und in ihrem Handeln richten. Doch der Glanz des goldenen Kalbes versperrt ihnen jeden Blick auf die Realität.

Diese Armut ist eine Schande für die reiche Republik. Schämt sich denn dieser Staat gar nicht?
Liebe Leserinnen, liebe Leser, fragen Sie sich nicht auch, ob solch eine Gesellschaft, in der Menschen in miserablen Wohnungen bzw. auf der Straße leben müssen, eine Existenzberechtigung hat? Ich sage nein! Es ist doch sehr vieles faul im Staate Deutschland. Aber wie soll sich etwas daran verändern, wenn sehr viele Menschen dies ohne Gegenwehr im Kauf nehmen?
Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende.

Mit menschlichen Grüßen

Kurt Wolfgang Ringel

QUELLEN:[1] Die ungezählten Obdachlosen – aus „clara./ Das Magazin der Fraktion DIE LINKE. Im Bundestag“ Nr. 24/Seite 11

[2] Obdachlosenheim als angemessene Wohnung, von einem Leser in: Neues Deutschland vom 05. August 2005

http://z-b-saar.cwsurf.de/?p=51533

http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=27655&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=08aeb03bc8

foto http://www.linksfraktion-hamburg.de/

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blogbeiträge

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aktuell https://mantovan9.wordpress.com/2012/07/22/richard-brox-nominierung-fur-deutschen-engagementpreis/

https://mantovan9.wordpress.com/2012/06/15/jugendarmut-in-deutschland-ignoriert-und-ausgegrenzt/

https://mantovan9.wordpress.com/2012/02/02/hartz-iv-endstation-obdachlos/

https://mantovan9.wordpress.com/2012/01/28/hartz-iv-und-jugendobdachlosigkeit/

https://mantovan9.wordpress.com/2011/12/21/obdachlos-so-still-kann-weihnachten-sein-2/

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„Schweiz – Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens“

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Jean Ziegler, „Die Schweiz wäscht weißer“.

Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens“ Geldwäsche für Diktatoren und Drogenbosse, Beihilfe zum Steuerbetrug, Ausplündern von Völkern…
Quelle: http://pcast.sr-online.de/feeds/sr2-fragen-klassiker/feed.xml

video http://www.youtube.com/user/NachDenkZeit

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REICH, REICHER, ASOZIAL

Die sogenannten „Reichen“ schotten sich ab

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Nicht in meinem Viertel: das hässliche Gesicht des Bürgertums

Sie waren lediglich fünf Stunden am Tag in der neuen Tageseinrichtung – doch das vermeintlich liberale Bürgertum wollte die Jugendlichen offenbar nicht als Nachbarn haben. Seit Dezember 2008 betrieb die Jugendhilfe Göttingen eine Tagesgruppe für Verhaltensauffällige im Stadtteil Nikolausberg. Ein Villenviertel, in dem vornehmlich Professoren leben.

mehr http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/egoismus105.html

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mehr zum thema – REICH REICHER ASOZIAL

Reichenghetto der extremen Art

Reichenghetto der extremen Art

fotomontage http://www.mucbook.de/2010/12/08/herzlichen-gluckwunsch-munchen-the-next-reichen-ghetto/

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Das Wunder von Marinaleda – Vollbeschäftigung im sozialistischen Dorf!

Tierra y Libertad

von 

Spanien ist geplagt von der Krise und die Regierung geht gegen diese Krise vor, wie es ihr die neoliberalen EU-Staaten befehlen. Spanien baut Jobs ab, kürzt bei den Ärmsten und lässt die Schwachen bluten. Die Reichsten werden von den Regierenden bisher eher wenig belastet. Somit gleicht die spanische Politik der der anderen europäischen Länder.

Wir befinden uns im Jahre 2012 n.Chr.  Ganz Spanien ist vom Neoliberalismus besetzt. Ganz Spanien? Nein! Ein von unbeugsamen Sozialisten bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Marinaleda ist ein sozialistisches Musterdorf, das von den Bastionen des Neoliberalismus umzingelt ist.

Marinaleda – Ein Leben in Gleichheit

Marinaleda ist ein Dorf mit 2800 Einwohnern im Süden von Andalusien, ein Dorf wie viele, so mag man meinen. Die Unterschiede fallen auf, wenn man die Arbeitslosenzahlen des Dorfes mit denen der anderen Städte und Dörfer der Region vergleicht.  In Andalusien sind 30% der Menschen arbeitslos, in Marinaleda kein einziger. Für den Unterschied in Marinaleda sorgte vor allem der Bürgermeister Juan Manuel Sanchez Gordillo, der 1979 in den ersten freien Wahlen zum Bürgermeister gewählt wurde und seit dem bei jeder Wahl mit überwältigendem Ergebnis wiedergewählt wird. Sanchez Gordillo hat mit Hilfe der BürgerInnen etwas erschaffen, das nicht nur in Spanien einmalig sein dürfte. Sie haben alle zusammen einen Ort geschaffen, in dem kein Mensch arbeitslos ist und jeder ein eigenes Haus erhält.

“Ich bin Antikapitalist, Pazifist, Öko und Utopist” so sagt Gordillo über sich selbst. Der Bürgermeister, der so gut wie nie ohne ein Palästinensertuch rumläuft und in dessen Büro ein großes Bild des Revolutionärs Che Guevara hängt, lebt seinen Antikapitalismus aus.

Bei den ersten Wahlen kandidierte er für eine linke Partei, die heute Teil der Vereinigten Linken ist. In dem Dorf ist die Sozialdemokratie die rechteste Partei, die hier überhaupt Mitglieder hat.

Die stolze Geschichte des Widerstands

In dem Ort ist alles in Genossenschaften organisiert, die zusammenarbeiten und den Menschen einen sicheren Arbeitsplatz verschaffen. Die Geschichte der Genossenschaften ist eine Geschichte des Widerstandes, eine Geschichte, die in der heutigen Zeit Mut und Hoffnung spenden kann. 1979, kurz nach der ersten freien Wahl, begannen die Dorfbewohner sich für Nutzungsflächen einzusetzen, die damals dem ehemaligen Franco-General El Infantado gehörten. 12 Jahre lang blockierten die Einwohner von Marinaleda die Villa des Generals, um die Nutzungsrechte für El Humoso, eine 1,200 Hektar Fläche zu erhalten. Sie blockierten Schienen und Landebahnen auch in umliegenden Städten, sie ließen sich auch nicht einschüchtern von den Schergen des Generals und von Verhaftungen durch die Staatsgewalt.

Sie kämpften für ihren Traum, den Traum von einem Leben ohne Armut! Einem Leben, in dem alle Menschen gleich sind. Nach 12 Jahren,kurz vor der Expo in Sevilla, war es so weit, die Politik gab auf und kaufte dem ehemaligen General sein Land ab und stellte es den Bewohnern des Dorfes zur  Verfügung. Wenig später gründeten sie die Genossenschaft “El Humoso” die Oliven, Paprika, Saubohnen und Artischocken anbaut und in der Dosenfabrik desDorf abfüllt und verkauft.

Die Genossenschaft erwirtschaftet jährlich fünf Millionen Euro und erzielt dabei einen Gewinn von 3% und das, ohne Menschen zu entlassen oder anderen Sozialabbau zu betreiben. Im Dorf verdient jeder das gleiche, jeder erhält 1200 Euro. Gordillo, der als Bürgermeister von der Region bezahlt wird und im andalusischen Regionalparlament sitzt, spendet alles was über diese 1200 Euro hinaus geht. So unterstützt er mit seinen Spenden NGOs oder die Genossenschaft, die von diesem Geld und von ihrem Gewinn ihre Produktion verbessert oder das Geld an das Dorf weiterleitet.

Ein Haus für 15-Euro

In Sevilla werden jeden Tag vier Familien vor die Tür gesetzt, da sie durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes ihre Mieten nicht mehr bezahlen können. In Marinaleda verliert kein einziger Mensch seine Wohnung, da das Dorf und die Genossenschaft Wohnraum für alle bezahlbar machen. Was im Dorf angebaut wird und wie investiert wird, das entscheiden die Stadtversammlung oder die Versammlung der Genossenschaftler, je nach Aufgabenbereich. In Marinaleda entscheiden die BürgerInnen, wann welche Häuser renoviert werden, wie das neue Altersheim finanziert und vor allem, wie viele neue 15-Euro-Häuser gebaut werden.

Der Bürgermeister Gordillo

Die Häuser erwecken Neid in ganz Spanien, denn sie sind das beste Gegenbeispiel für all jene, die behaupten, dass der Antikapitalismus Utopie ist. Marinaleda stellt jedem Dorfbewohner ein Grundstück zur Verfügung, gratis. Über ein Programm der andalusischen Regierung wird das Baumaterial bezuschusst, Architekt und Maurer bezahlt die Dorfgemeinschaft. Die restlichen Kosten betragen ca 50.000 Euro, 100.000 Euro weniger als in den übrigen Gemeinden. Um diesen Betrag abzuzahlen müssen die Dorfbewohner jeden Monat 15 Euro entrichten. Durch diesen niedrigen Betrag wird sichergestellt, dass kein Mensch in Marinaleda in Armut leben muss und dass die Häuser nicht  verkauft, sondern nur vererbt werden. In Marinaleda gilt eine Weisheit, die der Rest der Welt vergessen zu haben scheint: “Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Ware, mit der Handel betrieben werden kann.”

Auch wenn es von den Sozialdemokraten im Dorf Kritik am System gibt, da es zu undemokratisch sei, obwohl die Dorfbewohner mehr Mitspracherecht haben, als in anderen Gemeinden, ist es im Vergleich zu anderen spanischen Gemeinden ein imenser Fortschritt, auch in demokratischer Hinsicht. Die meisten Menschen im Dorf leben zufrieden, da sie weder Sozialchauvinismus noch Rassismus ausgesetzt sind. Gordillo mag eine übermächtige Figur im Dorf sein, da seine Pläne die Zukunft stark mitgeprägt haben, doch seine Macht nutzt er nicht aus.

erstveröffentlichung 2. März 2012 von

quelle http://diefreiheitsliebe.de/reportage/das-wunder-von-marinaleda-vollbeschaftigung-im-sozialistischen-dorf

FOTOS http://reflexionesyoscuridad.blogspot.de/2011/11/marinaleda-iv-encuentro-estatal-15m.html

informationen zum thema – aktuell

Hasta la victoria siempre

Von Marinaleda lernen http://www.jungewelt.de/2012/08-24/046.php

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