Tagesarchiv: 2012/10/30

Robin Hood und der Klassenkampf im Supermarkt

gordillo sat

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Jeden Tag werden mehr Menschen in Spanien Opfer des neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, in Andalusien hat sich eine Gewerkschaft gegründet, die mit direkten Aktionen und einer antikapitalistischen Programmatik versucht den Menschen bei ihren Problemen zu helfen und das System abzuschaffen. Ihre letzte Aktion hat ihr viel Aufmerksamkeit gebracht.

Aktivisten der kämpferischen Andalusischen Arbeitergewerkschaft (SAT), die für eine antikapitalistische Gewerkschaftspolitik steht, haben sich vergangenen Dienstag in zwei Supermärkte begeben und Nahrungsmittel entwendet, um sie an hungernde Familien zu verteilen. Eine Aktion, die Robin Hood ähnelt. Ihr Aktion hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt, da auch ein Parlamentarierer sie unterstützt hat, Juan Manuel Sánchez Gordillo,  der charismatische Bürgermeister von Marinaleda, einem sozialistischen Dorf, in dem weder Armut, noch Hunger oder Arbeitslosigkeit exisitiert. Gordillo verteidigt dieBeschlagnahmungen als “Enteignung” als “notwendig” und kündigte weitere Aktionen an: “Jemand muss etwas tun, damit die Familien jeden Tag etwas zu essen bekommen”.

Von der sozialdemokratischen Landesregierung, die auch von seiner Partei gestützt wird, und besonders von deren Vorsitzenden wird der überzeugte Sozialist scharf angegriffen. Der sozialdemokratische Landesvater José Antonio Griñán, sprach von einem »barbarischen Akt«. Der IU-Chef der Region, Diego Valderas, kritisierte das Vorgehen, stellt sich aber hinter den Inhalt.

Festnahmen und Hetze

Zwei Personen wurden auf Anordnung des Innenministers Jorge Fernández Díaz festgenommen. Gordillo, der den Herrschenden ein Dorn im Auge ist, wurde ebenfalls vorgeladen, obwohl er keinen der beiden Supermärkte betreten hatte. Die in Madrid regierende Volkspartei (PP) wirft Gordillo vor, sich hinter seiner “parlamentarischen Immunität”  zu verstecken, ein Vorwurf, der sich nicht begründen lässt. “Er werde nicht fliehen” sagte er als ihm dies mitgeteilt wurde, den Innenminister nannte er einen Franco-Anhänger. Die PP hat sich nie offiziell von der Diktatur oder deren vorgehen distanziert, ihre Einschränkungsversuche der Demonstrationsfreiheit, scheint sie aber von der Diktatur abgeschaut zu haben.

Die SAT geht davon aus, dass die spanische Regierung Angst hat vor ähnlichen Versuchen oder eine Rebellion, da eine solche Aktion an für sich kein Thema ist, mit dem sich ein Innenminister beschäftigen muss. Insgesamt wurden neun Einkaufswagen aus einem Mercadona in Écija mitgenommen, ein Betrag über den keine Regierung der Welt sprechen müsste. Carrefour in Arcos de la Frontera entschloss sich im Gespräch mit den Aktivisten, zwölf mit Nudeln, Reis, Linsen, Zucker, Kichererbsen und anderen Nahrungsmitteln gefüllte Einkaufswagen an drei Dörfer zu spenden. Mercanoda hat dagegen Anzeige erstatt, bei dem geringen Warenwert, dürfte es bei einer kleineren Geldstraft bleiben.

Die SAT erklärt, währen Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro gerettet werden, stürzen die Familien in die Misere ab. Mehr als 300 000 seien aus ihren Wohnungen geworfen worden, weil sie wegen Arbeitslosigkeit (in Andalusien 34 Prozent), die Miete oder Kredite nicht mehr bezahlen konnten. Steuerhinterzieher würden dagegen belohnt. Sie könnten mit einer lächerlichen Abgeltungssteuer von zehn Prozent ihr Schwarzgeld legalisieren, womit den Reichen »dutzende Milliarden Euro geschenkt werden«. Verhältnisse, gegen die die SAT nun aufbegehrt.

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Das Wunder von Marinaleda – Vollbeschäftigung im sozialistischen Dorf!

Tierra y Libertad

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