Monatsarchiv: April 2018

Im Neoliberalismus „habe ich die Freiheit, überall hin zu reisen. Die Freiheit, nicht das Geld“

 

Liebe Frau Merkel,

mein Name ist Heidi Langer, ich bin 45 Jahre alt und stamme aus der ehemaligen DDR.
Als Kind, Jugendliche und junge Frau habe ich die Bundesbürger glühend um das beneidet, das man Freiheit nennt. 1989 bin ich – gemeinsam mit vielen anderen – auf die Straße gegangen, weil ich diese Freiheit auch für mich und meine Kinder wollte. Wir haben damals etwas bewirkt. Etwas Großartiges. Für unser Land, für uns alle.
Dachten wir.

Heute bin ich selbst Bundesbürgerin. Ich habe die Freiheit, überall hin zu reisen. Die Freiheit, nicht das Geld. Da geht es mir wie Millionen anderen in diesem Land. Darüber beklage ich mich nicht, denn es war meine eigene Entscheidung, drei Kinder zu bekommen, sie großzuziehen und dafür meine berufliche Laufbahn zurückzustellen. Im Jahre 2002 habe ich mich selbstständig gemacht, musste meine Firma aber 2006 nach dem Tod meines Mannes wieder schließen, um für meine traumatisierten Kinder da sein zu können. Seither habe ich in mehreren Firmen Teilzeit- oder Minijobs gemacht, um mir zu meiner Witwenrente etwas dazuzuverdienen; auch der Bezug von Hilfe zum Lebensunterhalt nach SGB II ist mir nicht fremd.
Ich habe also all das schon mal selbst erlebt, und meine Meinung beruht auf meinen eigenen Erfahrungen.

Was außer der Reisefreiheit habe ich 1989 noch für mich erreicht?

Ich habe die Freiheit, nicht zur Wahl zu gehen, ohne anderntags unfreundlichen Besuch zu bekommen. Aber diese Freiheit verliert viel an Gewicht, wenn man erstmal erkannt hat, dass ohnehin keine Partei zur Wahl steht, die wirklich die Interessen der Bevölkerung vertritt.

Ich habe die Freiheit, mit meinen Steuergeldern andere Länder, Banken oder Großkonzerne zu unterstützen, in mittelbarer Täterschaft in wieder anderen Ländern Krieg zu führen und mich bestrafen zu lassen, falls ich die AO, all ihre Ausnahmeregelungen und die Ausnahmen von den Ausnahmen nicht verstehe, für deren Auslegung spezialisierte Rechtsänwälte jahrelang studieren.

Ich habe die Freiheit, mich einem Justizsystem zu unterwerfen, das immer häufiger Willkür statt Recht spricht – im Namen des Volkes wohlgemerkt – und das gelegentlich das Grundgesetz komplett außer acht lässt oder es so verzerrt, dass es nicht mehr wiederzuerkennen ist.

Ich habe die Freiheit, Ihnen, Frau Merkel, Ihren Politikerkollegen und den Lobbyisten und Aktionären der Konzerne und Banken ein gutes Auskommen zu ermöglichen, dessen Höhe Sie selbst willkürlich festlegen.

Ich habe die Freiheit, mit meinen GEZ-Gebühren die Gehirnwäsche mitzufinanzieren, der man die Bevölkerung jeden Tag unterzieht. Immerhin soll ich ja nicht irgendwann behaupten können, ohne mein eigenes aktives Zutun verblödet zu sein.

Das Grundgesetz gesteht mir mit Artikel 5 auch die Freiheit zu, meine Meinung zu sagen, zu schreiben, zu veröffentlichen.
Und davon mache ich hiermit Gebrauch.

Frau Merkel, ich schäme mich.
Ich schäme mich für Ihre Politikerkollegen, für die Bundesminister und ganz besonders für Sie, die Sie offenbar Ihren Amtseid „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe“ bereits in jener Sekunde wieder vergaßen, in der Sie ihn ablegten.

Wie kann man „zum Wohle eines Volkes handeln“, indem man den Willen der Menschen nicht respektiert?

Wie kann man „den Nutzen eines Volkes mehren“, indem man zulässt, dass Armut und Elend im Land um sich greifen, Rentner, die ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet haben, ihre Renten über Hartz 4 aufstocken müssen, Kinderarmut um sich greift und gleichzeitig angeblich ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist?

Wie kann man „Schaden von einem Volk abwenden“, indem man die Interessen der Menschen denen von großen Wirtschaftskonzernen unterordnet oder zulässt, dass sie auf geradezu kriminelle Weise durch ausländische Geheimdienste überwacht und bespitzelt werden? Und, um den nächsten Punkt des Amtseides gleich ebenfalls zur Sprache zu bringen, im Zusammenhang damit auch noch zulässt, dass das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes mit Füßen getreten werden?

Sieht so Ihre Vorstellung von gewissenhafter Pflichterfüllung und Gerechtigkeit gegen jedermann aus? Und, wenn wir schon mal beim leidigen Thema sind, wie passt die geplante Abschaffung der Prozesskostenhilfe in das Konzept der Gerechtigkeit gegen jedermann?

Ja, Frau Merkel, ich schäme mich.
Ich schäme mich, dass ich der Welt gegenüber von einer Frau vertreten werde, die gegen den Willen von 88 Prozent der Bürger ihres Landes, von denen sie Schaden abzuwenden geschworen hat, die Einführung von Genmais 1507 durch eine feige Stimmenthaltung möglich machte.
Ich schäme mich abgrundtief, der Welt gegenüber von einer Frau vertreten zu werden, für die die Menschen im Land nur Wahl- und Zahlvieh sind, und die, obwohl die Schlangen vor den Tafeln immer länger werden, nichts besseres zu tun hat, als sich und ihren Politikerkollegen in Zusammenarbeit mit ebendiesen erst mal kräftig die Diäten zu erhöhen.
Ich schäme mich, der Welt gegenüber von einer Frau vertreten zu werden, die trotz allen Wissens und aller Erfahrungen nicht zu erkennen scheint, wohin die Europäische Union sich entwickelt. Oder dass die Marktwirtschaft nur mit dynamischen Währungen funktionieren kann.
Und noch viel mehr schäme ich mich bei dem Gedanken, dass Sie es möglicherweise doch erkennen, aber nicht danach handeln.

Ich bin eine Mutter, Frau Merkel. Meine Kinder mögen zwar mittlerweile erwachsen sein, aber das macht sie nicht weniger zu meinen Kindern.
Mitansehen zu müssen, wie Sie ihre Zukunft – unser aller Zukunft – einem dem Untergang geweihten System opfern, sie immer wieder und immer nachhaltiger zur Kasse bitten, um eine künstlich geschaffene statische Währung, die schon längst in den letzten Zügen liegt, zu erhalten, das erfüllt mich nicht mehr nur mit Scham.
Mitansehen zu müssen, wie Sie bewusst ihre Zukunft und ihre Gesundheit, sowie die Zukunft und Gesundheit ihrer Kinder und Kindeskinder aufs Spiel setzen, um amerikanische Großkonzerne zu deren eigenen Bedingungen und dem Verbraucherschutz zum Trotz auf dem europäischen Markt zu etablieren, erfüllt mich nicht mehr nur mit Scham.
Es erfüllt mich mit Zorn.

Ich bin eine Mutter, wie es hier in unserem Land Millionen Mütter gibt.
Ich bin eine Tochter, eine Schwester, eine Großmutter, eine Enkelin, wie es in unserem Land Millionen Töchter, Schwestern, Großmütter und Enkelinnen gibt.
Genau wie es Millionen Großväter gibt, Väter, Brüder, Söhne und Enkel.

Wir sind Ihr Souverän.
Sie, Frau Merkel, arbeiten für uns, auch wenn Sie das offenbar vergessen oder verdrängt haben.

Da ich mich angesichts der Umstände leider außerstande sehe, Hochachtung für Sie zu empfinden, verbleibe ich ohne derartige Grußformeln

Heidi Langer

links zum Thema

-> „Armut ist die schlimmste Form der Gewalt“

05.04.2018: Ein Heer armer Kinder (Tageszeitung junge Welt)

blogbeiträge https://mantovan9.wordpress.com/?s=agenda+2010

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter AGENDA 2010, AKTUELLES, Deutschland

Feudalismus in Echtzeit

-> GEGEN „!

 

armut für alle! dort ein enthaupteter obdachloser und in echtzeit jubeln sie? deutschland geht es gut? der feudalismus lebt!

vorweg -> „Westliche Demokratie“ ist hohl: Reichtum regiert | Telepolis – Heise

 

Man glaubt sich bei diesen Schilderungen in einem Film über das Mittelalter.

Das, was seit vielen vielen Jahren immer so schön als böswilligste kommunistische Propaganda bezeichnet wird, kommt auf den leisen Sohlen einer Statistikauswertung von ein paar Sozialwissenschaftlern bis ins Bundeskanzleramt geschlichen. Und hat sogar ältere Vorbilder im Mutterland des Neoliberalismus. Hallo, Verfassungsschutz! Sind diese Leute überprüft? Hat wirklich keiner von denen einen gewissen K Marx zum Vorfahren, oder womöglich sogar bei dem abgeschrieben? Was, die leugnen? Soviel Frechheit können doch nur Überzeugungstäter haben. Herr Freisler, übernehmen sie mal! Äh – der ist abgeschafft? Na dann muss die Nachfolge aber mal bald geklärt werden. Kommunistenverbot, Radikalenerlass, Berufsverbote, hat alles nicht ausgereicht, um diese Leute zu dezimieren? Muss man wohl mal härter rangehen. Die Uni schließen am besten,. und ab in die Produktion mit denen!

Im MIttelalter hieß diese Form der Herrschaftsausübung übrigens Feudalismus.

Und A Merkel fällt nicht vor Erstaunen um. Nein, die wusste das alles längst: seit ihrer Kindheit, wo sie im Staatsbürgerkundeunterricht der Polytechnischen Oberschule, und dann an der Erweiterten Oberschule, und dann im Marxistisch-leninistische Philosophie-Kurs an der Uni und während des Doktorandenstudiums genau das alles schon vom Urschleim an gelernt hatte. Und bestimmt nicht vergessen.
Aber das war ja damals „Indoktrination“.

Mein lieber Herr Gesangverein, da gehört schon allerhand Chuzpe dazu, einfach zu sagen: diesen ganzen uralten Mist, das wissen und kennen doch alle längst, das können wir mal streichen. Man will ja niemanden langweilen. Also weg. Fällt uns bestimmt was wichtigeres ein, was im Armutsbericht stehen muss.

Wer jetzt den Schuss noch nicht gehört hat…

Aber ich wette: in der BXXD wird nichts darüber stehen. Und solange die es nicht bringt, wird es den deutschen Michel nicht um den Schlaf bringen.
Und wenn er doch mal kurz aufwacht, um sich auf die andere Seite zu drehen, dann brummelt er höchstens (ohne die Augen zu öffnen) „Na und? Kann ich ja doch nichts dran ändern, War doch schon immer so…“

Was braucht der Michel eigentlich noch, um seine Schlafmütze mal abzulegen?

/wer Sarkasmus entdeckt hat, darf ihn gern weiter verschenken. Der Vorrat hier ist noch ausreichend groß.

quelle https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Westliche-Demokratie-ist-hohl-Reichtum-regiert/Man-glaubt-sich-bei-diesen-Schilderungen-in-einem-Film-ueber-das-Mittelalter/thread-5573937/

Fotomontage Politik und Zeitgeschehen

 

links zum Thema

Armut und Reichtum | Deutschland = Ungleichland? | 451 Grad

„Ich verstehe nicht, warum in der politischen Linken eine so …

Viel in den Händen weniger | Telepolis – Heise

Arm und Reich – YouTube

Wie solidarisch ist Deutschland? – Armut und Reichtum … – YouTube

Oxfam appelliert an die Regierungen, die wachsende Ungleichheit zu …

der bisherige höhepunkt der grausamkeiten gegen armut

Auf Friedhof in Koblenz enthauptet: Obdachloses Opfer war früher …

 

frei nach buffett -> „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“!

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter AGENDA 2010, AKTUELLES, Deutschland, Schwerpunkt