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Hartz IV – Sollen sie doch verrecken!

vorspann – „Ein provokanter Titel? Ja – aber nicht ohne Grund gewählt! – Dresdner Sozialwacht

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Agenda 2010 und Hartz IV –

Das war doch von Anfang an der Plan.
Arbeitnehmer sollten erpressbar gemacht werden, indem die Alternative „Langzeitarbeitslosigkeit“ wie die Hölle aussieht. „Alles, bloß kein Hartz-IV“ zwingt selbst hochqualifizierte Menschen ab einem gewissen Alter (ab 50) in Niedriglohnbeschäftigungen, weil sie anderweitig gemäß ihrer Qualifikation nichts mehr bekommen werden. Und wer nicht in dem Alter ist, kann aufgrund der Lücken im Lebenslauf irgendwann auf keine Besserung mehr hoffen: „wer einmal aus dem Blechnapf frisst …“
Dank Hartz-IV ist der zweite Arbeitsmarkt (Zeitarbeit) regelrecht explodiert in seinen Dimensionen. Bevor man Hartz-IV mit allen Nachteilen bekommt, geht man lieber als Lohnsklave für den Ausbeuter schaffen, erhält bis zu 1/3 weniger Gehalt unter gleichzeitiger Aufgabe seiner Rechte als Arbeitnehmer am Einsatzort. Noch gibt’s keine 0-Stunden-Verträge wie in GB, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit: bevor man Hartz-IV beantragt und vom Amt gefickt wird – und das muss man so nennen – bleibt man lieber bei unterirdischer Bezahlung und Behandlung beim Sklaventreiber.

Denn was ist die Alternative? Hartz IV vernichtet den Erfolg eines kompletten Arbeitnehmerlebens. Wer bis mitte 50 stets gut gearbeitet hat, verliert innerhalb weniger Jahre praktisch alles, seine Altersvorsorge (Vermögen), seine Rente (Rentenansprüche). Wer auf der Ziellinie scheitert – und das tun die meisten – steht am Ende als Armutsrentner da. Wer noch jung genug ist, muss die Lücken erklären können – und wer das nicht will, schlägt den praktisch unwiderruflichen Weg eines Zeitarbeiters ein. Da gibt’s Leute, die seit 10, 15 Jahren als Zeitarbeiter im selben Unternehmen und selben Einsatzort schaffen – und die sich nicht wehren können, wollen sie ihren Job nicht verlieren. Andere gehen lieber 60+x Stunden schaffen, weil sie nicht aufstocken möchten – indem sie neben dem Hauptlohnberuf auch noch zwei weitere Nebenjobs haben.

Hartz IV soll die Leute erpressbar und gefügig machen. Mit der Agenda 2010 hat sich Deutschland vom Sozialstaat verabschieden, mit dem Ende der Arbeitslosen- und Sozialhilfe die Leute komplett entwürdigt.

Das soll so sein. Das war von Anfang an beabsichtigt. Und folgt man dem ganzen Thema richtig, dann ist Agenda 2010 nichts anderes als „Arbeit macht frei“ – nur ohne KZ.

quelle https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeitslosengeld-II-Schleichendes-Gift-fuer-die-Psyche/Das-war-doch-von-Anfang-an-der-Plan/posting-30189590/show/?nid=CWC6QiyY

 

aufgelesen unterm beitrag

Arbeitslosengeld II: Schleichendes Gift für die Psyche | Telepolis – Heise

 

beiträge zum Thema – aktuell

Hartz-IV: Verstoß gegen Menschenrechte?

Arbeitslosengeld gestrichen – Wohnungslos geworden

news: Hartz IV: Exzessive Verfolgungsbetreuung geplant

Bei Fliesen bitte Hausschuhe tragen

Wahlprogramm der Linkspartei: Absage an NATO und Hartz IV

 

Das sagen und denken „eure Volksvertreter“ über euch „Hartzer“

Harz IV – Genozid Hartz IV: Volksverhetzung durch Politiker — der …

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HARTZ-IV HUNGERTOD

„Ein politisches System, das dem Untergang geweiht ist, tut instinktiv vieles, was diesen Untergang beschleunigt.“
Jean Paul Sartre

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Arbeitslosengeld gestrichen – Wohnungslos geworden

„Zu den Steinen hat einer gesagt: Seid menschlich. Die Steine haben gesagt: Wir sind noch nicht hart genug.“
Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

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Obdachloser: Bankraub, um ins Gefängnis zu kommen

Wie sehr Menschen in der kalten Jahreszeit leiden, wenn sie Wohnungslos geworden sind, zeigt folgender Fall. Weil ein 47-jähriger Mann aus Köflach den nahenden Winter fürchtete, überfiel dieser eine Bank. Allerdings scheiterte de erste Versuch. Erst beim zweiten Mal gab es Geld am Schalter. Nur kurze Zeit später ließ sich der Täter in einer Gaststätte in unmittelbarer Nähe festnehmen.

Arbeitslosengeld gestrichen, Wohnungslos geworden

Das Hauptmotiv eine Unterkunft und warme Mahlzeiten
In der Tat kam schon wenig später die Polizei und nahm den Mann widerstandslos fest. „Das Hauptmotiv des Bankräubers war es, eine Unterkunft und warme Mahlzeiten im Gefängnis zu haben“, berichtet Polizeisprecher Werner Rampitsch vom Landeskriminalamt.

Diese kleine Geschichte zeigt, wie verzweifelt manche Menschen sind, wenn ihnen alles genommen wurde. Selbst das Gefängnis ist besser, als ohne Arbeitslosengeld und Wohnung zu leben. (sb)

ganzen beitrag lesen
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/obdachloser-bankraub-um-ins-gefaengis-zu-kommen-3618002.php

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epilog – strassen unserer Stadt

YouTube Wolfgang Guenther

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Wer hat uns verraten?

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Marc-Uwe Kling – Wer hat uns verraten? – YouTube

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die reform der reform?

Hartz IV: Die Bundesregierung will ALG II Empfänger künftig 4 Jahre lang sanktionieren

Jede Sanktion, welche aufgrund der Nichtannahme einer zumutbaren Arbeit erfolgt, löst ab 01.08.2016 (geplantes in Kraft treten dieser Änderung) automatisch einen Rückforderungs- und Aufrechnungsanspruch in Höhe des bei Jobannahme (mehr) zugeflossenen anrechenbaren Einkommens aus. Und das für die Dauer von bis zu 4 Jahren. Damit erfolgt auch eine Doppelbestrafung: zuerst 3 Monate Sanktion i.H.v. 30% der Hartz IV Regelleistung, und danach bis zu 4 Jahre Aufrechnung der nicht verminderten Bedürftigkeit i.H.v. 30% der Regelleistung. Damit wird die Dauer einer solchen Sanktion de facto auf bis zu 4 Jahre verlängert.

mehr http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/alg-ii-kuenftig-4-jahre-hartz-iv-sanktionen.php

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vorhang auf!

Hartz IV: Arbeitslose in der Falle  

„Frontal21 zieht Bilanz und trifft Menschen, die durch die Agenda 2010 wieder Arbeit finden sollten, nach mehr als 10 Jahren Hartz IV aber immer noch im Teufelskreis „Fordern und Fördern“ feststecken.“
Quelle: zdf.de

YouTube FMDsTVChannel

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ideologie – wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen???

Schicksal Hartz IV: Die Reform der Reform  

YouTube dokulus

Hartz IV: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen – YouTube

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das böse hat einen namen – sanktionen

HARTZ IV – BIS DAS DER TOD UNS SCHEIDET

„Man kann es sehr hart ausdrücken: Das Gesetz, das als Hartz-IV bekannt ist, trägt nicht nur den Namen eines rechtskräftig verurteilen Straftäters, sondern kann auch zum Tode führen. Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, lautet die Quintessenz dieser von der Schröder-Regierung eingeführten sozialpolitischen Umbau-Maßnahme“. Hartz-IV hat schon auf grausige Weise seine finale Logik beweisen Arbeitszwang und Sanktionen durch Hartz IV Behörden kennt keine Würde und Gnade. Mit Opfern der sozialen Kälte kann man Profite machen, handelt es sich doch nur um den Wohlstandsmüll, Parasiten der Gesellschaft. Medien in Springerstiefeln und STERNendeutlern sind FOCUsiert auf nagte Ärsche und Ditten und all den leistungslosen Eliten, Steuerhinterziehungsopfer.
Sie beschränken sich in ihrer Berichterstattung meistens auf angebliche „Sozialschmarotzer, Bildungsferne Unterschicht die zu faul sind zu arbeiten“. Die täglichen Hartz IV Verbrechen werden verschwiegen!

YouTube Dresdner Sozialwacht

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am ende hast du nichts mehr

Totalsanktionen verurteilt zu Hunger, Obdachlosigkeit und Tod 

YouTube mantovan9

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der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht..

Regierungsviertel – Wo Obdachlose am Spreeufer schlafen …

HARTZ IV AKTUELL – DER TURM STÜRZT EIN! – YouTube

blogbeiträge AGENDA 2010

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Brandaktuell: Job verloren – Wohnung verloren – Obdachlos

„Der Zwang, in immer schlechtere und kleinere Wohnungen umzuziehen, wenn man erst einmal in Hartz IV fällt, wirkt sich katastrophal aus“

Die Frau hat vor einem Jahr ihren Job verloren, hat Schulden und ist mit ihrem erwachsenen Sohn bei einem Bekannten in einem kleinen Zimmer untergekommen.

Aus Protest gegen die ihrer Meinung nach schlechte Behandlung durch das Jobcenter Saarbrücken, lädt die Frau heute in der Hafenstraße eine volle Lkw-Ladung mit ihrem Hab und Gut vor der Behörde ab.

Die Möbel waren in einer Garage gelagert und verschimmelten vor sich hin. Nun hat man ihr noch die Garage gekündigt. Doch wohin mit dem ganzen Hausstand. Da kam ihr die Idee das Mobiliar vor dem Jobcenter abzuladen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Das hat sie mit der Aktion erreicht

Die Straße vor dem Jobcenter war komplett versperrt. Die Mitarbeiter der Behörde schauten verdutzt aus den Fenstern und riefen die Polizei. Beamten der Polizei Saarbrücken-St. Johann, nahmen die Sache und die Personalien der Frau auf, danach durfte sie aber wieder gehen.

Mitarbeiter des ZKE hatten die Straße geräumt und die Sachen entsorgt. Der Frau droht nun womöglich eine hohe Strafe. Außerdem muss sie die Straßenreinigung bezahlen.

Anmerkung. Von der Behörde war heute niemend mehr zu sprechen. Bei der gestrigen Montagsdemo in Saarbrücken hatte die Saarbrückerin die Aktion bereits angekündigt. Eindringlich wurde am offenen Mikro dargelegt, wie die schleichende Verarmung sich hier bei uns konkret ausdrückt – und dass es Widerstand dagegen gibt.

Der Zwang, in immer schlechtere und kleinere Wohnungen umzuziehen, wenn man erst einmal in Hartz IV fällt, wirkt sich katastrophal aus: Da muss eine
Saarbrückerin übergangsweise ihre Möbel in Garagen unterstellen, dort
werden gute Sachen nach und nach unbrauchbar. Das Jobcenter kommt für
solche Dinge nicht auf – die Miete für’s Unterstellen muss vom Regelsatz
bezahlt werden. Unmöglich machbar.

Dagegen plante die Saarbrückerin für heute, den 2.Juni diese Aktion zum
Wachrütteln der Menschen vor dem Jobcenter ab ca. 11:00. Sie hofft auf die
Aufmerksamkeit der Medien und die Solidarität der Mitmenschen und dass sich dadurch mehr Leute trauen, auf ihre unmenschlichen Lebensbedingungen aufmerksam zu machen!“

Hilfe und Solidarität für Heike Priwisch

Video https://www.facebook.com/1641345656101661/videos/vb.1641345656101661/1641361689433391/?type=2&theater

Foto Hilfe und Solidarität für Heike Priwisch

 

Epilog – Heike Priwisch

Hallo Ihr Menschen mit Herz, es muss sich wirklich in Deutschland was Großes bewegen, und dazu sollen alle ihren Einsatz zeigen. Mein Sohn (23) und ich sind genau genommen seit einem Jahr obdachlos und wissen nicht mehr wohin mit unseren Möbeln. Wir brauchen das Geld zum Essen – das sowieso nicht reicht – und können die Garage nicht weiter bezahlen. Das war kein Müll, sondern gute Möbel, für die ich lange gearbeitet habe.
Sie haben zu wenig Arbeit, keine Ausbildungsplätze, nur sinnlose Maßnahmen,
Leiharbeit, von der keiner leben kann, selbst Gehälter von 1100 -1200 Euro, was in Deutschland Standard ist, reichen zum leben nicht aus, vor allem wie mit den Rentnern umgegangen wird. In dem einen Jahr habe ich so viele Menschen kennen-
gelernt, die in Deutschland hungern und vertrieben werden, weil sie ihre Wohnung
und die laufenden Kosten nicht mehr zahlen können.
BITTE WEHRT EUCH!!! DAS IST EINE ERNSTE SACHE; UNSER LEBEN GEHT
AUCH AN UNS SO ELENDIG VORÜBER!
Drei Leute alleine schaffen das nicht, vor allem diejenigen, die sich trauen, den Mund in der Öffentlichkeit aufzumachen. Liebe Grüße, Heike Priwisch

 

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Wie viel Geld haben Sie in ihrer Tasche?

– Eine Jobcentergeschichte
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von Jens Bertrams

 

“Haben Sie Bargeld bei sich? Und wenn ja, wie viel?”

Diese Frage wurde mir gestern völlig unvermittelt gestellt, und ich war gesetzlich dazu verpflichtet, sie zu beantworten. Nein: Ich bin nicht als Krimineller ins Gefängnis eingerückt und musste meine Wertsachen abgeben und die Annahme durch das Gefängnispersonal quittieren; Ich war lediglich beim KreisJobcenter und habe als Arbeitsloser den sogenannten Nachfolgeantrag gestellt, um auch in den nächsten sechs Monaten genug zu Essen zu haben. Gefühlt aber habe ich mich wie ein Verbrecher, der den Menschen und dem Staat auf der Tasche liegt und kein Recht hat, etwas für sich zu beanspruchen.

Viele beklagen sich seit 10 Jahren über das Arbeitslosengeld II, über die Jobcenter, die Sanktionen und die Schikane. So oft kam diese Klage, dass kaum noch jemand zuhört. Den Meisten, die Arbeit haben, ist es egal, sie sind besser dran, die meisten, die keine Arbeit haben, wollen sich mit niemandem anlegen und halten den Mund, und die wenigen, die sich empören, stempelt man als linke Querulanten ab, die ein anderes System wollen. So ist die Ausgrenzung eines fünftels der Gesellschaft zur weithin hingenommenen Praxis geworden, die kaum noch Proteststürme oder Nachdenken hervorruft. Alle 6 Monate begibt sich der “Kunde” des Jobcenters zu seinem “Fallmanager”, erklärt ihm, dass sich seine Vermögensverhältnisse nicht geändert haben, unterschreibt die Verpflichtungserklärung zur Mitwirkung bei der Jobsuche und ist glücklich, wenn man ihn nicht des mangelnden Eifers bezichtigt. Ich nehme an, dass es vielen Betroffenen so geht, dass sie in der Nacht vor einem solchen Jobcenterbesuch nicht gut schlafen. Mir jedenfalls geht es so, denn auch ohne das jüngste Erlebnis spüre ich die Atmosphäre der Verachtung und Ausgrenzung jedes mal körperlich, und ich bewundere die JobcentermitarbeiterInnen, die durch ihre Ruhe und Kompetenz diesem gesetzlich gewollten Eindruck widersprechen und freundlich bleiben, auch wenn ihre Kunden manchmal die Contenance verlieren.

Gestern also war ich wiedereinmal in diesen heiligen Hallen, um meinen Nachfolgeantrag zu stellen und öffentlich zu bekennen, dass ich auch in den letzten sechs Monaten keine Arbeit gefunden habe, nicht aufgenommen wurde in den Kreis derer, die einen Wert für diese Gesellschaft haben.

“Hat sich bei Ihnen irgendetwas geändert?” fragte die Mitarbeiterin, und routinemäßig verneinte ich diese Frage. Bislang hatte diese Aussage gereicht, überall wurde ein “nein” angekreuzt, ich leistete die Unterschrift, und der Antrag ging an den Fallmanager zur Bearbeitung. Zu Beginn des Jahres war allerdings mitgeteilt worden, dass es nun einen weiteren Vermögensbogen geben würde, den man ausfüllen musste.

“Haben Sie Bargeld bei sich, und wenn ja, wie viel?” Die Frage kam völlig unerwartet und traf mich unvorbereitet. Meine Frau, die neben mir stand, fragte geistesgegenwärtig, ob wir diese Frage wirklich beantworten müssten. Das sei jetzt so gesetzlich vorgeschrieben, antwortete die freundliche und kompetente Mitarbeiterin. In meinem Kopf hätte die nächste Anweisung lauten müssen: “Leeren Sie Ihre Taschen aus, dann die Hände mit den Handflächen auf den Tisch legen und ganz ruhig stehenbleiben.” Ich war erstaunt, als keine Handschellen klickten.

Dass man Angaben macht über sein Konto, über Sparguthaben, über Vermögenswerte, an all das haben wir uns längst gewöhnt. Es ist die resignierende Gewöhnung desjenigen, der weiß, dass er nichts dagegen tun kann, dass man ihm zeigen will, dass er nichts besseres verdient. Aber die Frage nach dem Bargeld in der Tasche, das man bei sich trägt, um eine Kleinigkeit zum Essen zu kaufen, um ein Taxi zu bezahlen, um die Packung Zigarretten zu ziehen, geht tief ins Private hinein. Jemand greift dir in die Tasche und zählt dein Geld, schaut, welche Wertsachen du besitzt. Kannst du wirklich arm sein, Anspruch auf Unterstützung haben, wenn du 50 Euro in der Tasche hast? Und wenn du 350 Euro dabei hast, um dir im Anschluss eine neue, kleine, gebrauchte Waschmaschine zu kaufen, ist das dann zu viel? Musst du demnächst auch noch angeben, wofür du das Kleingeld in deiner Tasche brauchst?

Ich fühlte mich bloßgestellt, angegrabscht, meiner Privatsphäre beraubt, kriminalisiert, unter Generalverdacht gestellt; Und ich fühlte mich hilflos wütend, geschockt, traurig und verletzt, während die freundliche Mitarbeiterin uns aus dem Informationsbereich hinaus zum Treppenhaus führte, in dem die Büros der Fallmanager lagen. “Moment, ich muss die Tür eben mit dem Chip öffnen”, sagte sie erklärend. Meine Frau, die in solchen Situationen immer noch Worte hat und ihre Würde behält, fragte neugierig: “das ist aber neu mit dem Chip, oder?” Die Mitarbeiterin überhörte die Frage, auch als meine Frau sie ein zweites mal stellte. Und sie überhörte auch gelassen meine Bemerkung: “Wir Arbeitslose sind schließlich gefährlich.” Ob sie wohl geschult worden ist, das zu überhören? Ob sie geschult worden ist darin, wie sie mit Menschen umzugehen hat, die allzu sehr auf ihre Würde pochen?

Was ist nur geschehen? Ich war einmal Träger der Menschenwürde, Bürger mit eigenen Rechten, der Souverän, von dem die Staatsgewalt ausgeht, die in meinem Namen und zu meinem Wohl ausgeübt werden sollte. Was nur hat mich zu diesem wertlosen, schmutzigen Taugenichts und Landstreicher gemacht, dem Drückeberger und Faulpelz, der sich manchmal sogar dafür schämt, dem Staat auf der Tasche zu liegen? Was hat mich zu diesem Stück Dreck gemacht, zu diesem Wurm, der sich selbst manchmal nicht in die Augen schauen kann? Und was hat mich zu einem Objekt staatlicher Willkür gemacht, zu einem Mann, dem jeder einfache Beamte praktisch die Taschen ausleeren kann? Und was hat unser Land zu einem Ort gemacht, an dem so etwas nicht nur getan, sondern auch hingenommen wird? Verrohung im Umgang mit Mitmenschen wirft man in der Regel den Jugendlichen vor, die für ältere Menschen in der Straßenbahn nicht aufstehen, laute Musik hören und unverständliche Computerspiele spielen. Bei unseren Gesetzen und ihren Machern spricht man nicht von Verrohung, sondern von Reform, von Sachzwängen und dem verzweifelten Versuch, vom Sozialstaat noch zu retten, was noch zu retten ist. Man spricht nicht von systematischer Erniedrigung, von Verachtung, von Schikane, von Ausgrenzung. Aber so fängt es immer an.

quelle http://blog.jens-bertrams.de/2014/05/wie-viel-geld-haben-sie-in-ihrer-tasche-eine-jobcentergeschichte/

blogbeiträge zum Thema

https://mantovan9.wordpress.com/?s=hartz+iv+

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Die schmutzigen Tricks der Jobcenter

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Aus der Markt Sendung vom 16.09.13

Aktuell sind weniger als drei Millionen Menschen ohne Arbeit. Diese Zahl verbuchen Politiker im Wahlkampf als Erfolg. Doch der ist teilweise mit fragwürdigen Maßnahmen erkauft.

YouTube Michael molli

 

Informationen zum Thema

http://altonabloggt.wordpress.com/

https://mantovan9.wordpress.com/2013/09/15/hartz-iv-news-jobcenter-chefs-erhalten-pramien-fur-sanktionen-und-mehr/

 

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Arbeitslos – Generalverdacht Arbeitsscheu

arbeitslos - generalverdacht arbeitsscheu

Arbeitsscheu Agentur

VON Paul Duroy

Hartz IV – Über die brandgefährlichen Implikationen ”moderner” Arbeitsmarktpolitik  

”Erwerbsfaehige, die angebotene Arbeitsplaetze zweimal ohne berechtigte Gruende abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben, sind der Gestapo zu melden. (…) Diese Menschen sind in polizeiliche Vorbeugehaft zu nehmen. Vor allem sind hier zu beruecksichtigen: Landstreicher, Bettler, Asoziale, Zigeuner und nach Zigeunerart herumstreunende Personen (…), die gezeigt haben, dass sie sich in die Ordnung der Volksgemeinschaft nicht einfuegen wollen.”

Heinrich Himmler in einem Schnellbrief-Erlass am 1.6.1938, zitiert aus Peter Longerich-”Heinrich Himmler-Eine Biographie”

Der Leser mag nicht erschrecken, dass zum Auftakt dieses Eintrages ein derart streitbarer Charakter zitiert wird. Dieses etwas krude Auftaktzitat darf der Leser in einem beißend grellen Lichte lesen, wenn er bedenkt, dass die ”moderne” deutsche Arbeitsmarktpolitik anno 2011 weiterhin unbeirrt auf die massive Mobilisierung der von vornherein als ”arbeitsscheu” Verdaechtigten durch den Staat setzt. Dem ”modernen” Staat ist keine ”Arbeits-Maßnahme” (die sich bereits im ”Dritten Reich” haargenau so nannte) zu schade, den doch nach der reinen Lehre eigentlich muendigen, aber derzeit arbeitslosen Buerger zu schikanieren und zu maltraetieren. Der Hartz-IV-Empfaenger ist von vornherein verdaechtig und hat, ohne Chance auf eine faire Diskussion auf Augenhoehe, von allem Anfang an eine zweifelhafte Bringschuld. Eines der ersten Essentials, welches ihm der sogenannte Arbeitsvermittler beim Erst-Antrag beibringen wird, ist die Pflicht nach Sozialversicherungsgesetzbuch, dass er im Grunde unrechtmaeßige Leistungen bezieht, fuer deren Bezug er im Gegenzug unbedingt, schnellstmoeglich und unter maximaler Zumutung eine neue Arbeit zu finden hat. Unterschwellig wird dem Sozialgeldempfaenger suggeriert, dass er vom gesunden Volkskoerper zehrt und somit (und das Wort ist ”dank” BILD und anderen Hetz-Blaettern wieder erstaunlich salonfaehig geworden): ein ”Sozialschmarotzer”. Auch wenn kein Mitarbeiter der Agentur fuer Arbeit das derart explizit ausdruecken wuerde.

1938 hatte der ”Reichsfuehrer-SS” Heinrich Himmler eine famose Idee: zur Totalisierung der kurz vor dem Eintritt in den Krieg stehenden deutschen Wirtschaft gaelte es ALLE verfuegbaren Arbeitskraefte zu maximalisieren und auszuschoepfen. Ein Ansatz war auch, das Freisein von Arbeit zu einem Verbrechen qua definitionem auszuküren: wer also nicht arbeitete oder frei umherzog, wurde gebrandmarkt als ”Asozialer”, als und dies durchaus woertlich: ”Sozialschmarotzer”, ein gefaehrlicher Parasit am eigentlich gesunden ”Volkskoerper”. Im Zuge dieser Bemuehungen schuf Himmler ein Projekt, dem er sich nun mit Feuereifer zu wandte: das sogenannte ”Projekt” mit der etwas krumm klingenden Bezeichnung: ”Arbeitsscheu Reich”.

Menschen, die als ”Asoziale” stigmatisiert wurden, die nach heutigen Begriffen psychisch krank waren, wurden demgemaeß in KZ’s zur Zwangsarbeit eingezogen (eben den sogenannten ”Maßnahmen” und man beachte uebrigens wie inflationaer die Agentur fuer Arbeit diesen Begriff in ihren Info-Broschueren benutzt), sie waren vogelfrei und konnten jederzeit nach einem ”Sondererlass” (oftmals sogar ohne einen solchen aus reiner Willkuer) wegen Faulheit (!) erschossen werden.

WEITERLESEN http://www.freitag.de/autoren/paul-duroy/arbeitsscheu-agentur

MEHR http://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2007013116965/3/AktionArbeitsscheuReich.pdf

Homepage von Paul Duroy http://www.raumgewinner.blog.de

blogbeiträge zum thema

https://mantovan9.wordpress.com/2011/04/17/aktion-arbeitsscheu-reich-wehret-den-anfangen/

http://www.dailymotion.com/video/xkhozm_aktion-arbeitsscheu-reich-wehret-den-anfangen_news

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