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Der Blockwart lebt!

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“.

Altglas ist kein Diebesgut

Am 16. Oktober 2016 angelte ein Ehepaar in München aus einem Altglascontainer mit Hilfe eines Greifarms 18 Glasflaschen. Das Paar, ein Rentner und seine Frau, die als Reinigungskraft arbeitet, wollte danach das Pfand für die Flaschen einlösen. Sie wurden jedoch von Anwohnern beobachtet, die sogleich die Polizei verständigten. Die Staatsanwaltschaft beantragte für das Paar Strafbefehle wegen Diebstahls beim Amtsgericht München.

ganzen beitrag lesen

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/strafbefehle-wegen-diebstahl-von-altglas-abgelehnt-15037947.html#GEPC;s2

 

kommentiert unterm beitrag

der Blockwart lebt – was für ein widerliches Gesindel, als wäre es nicht schlimm genug das sich ein Rentner und seine berufstätige Frau zum Flaschensammeln durchringen müssen, was muss in den Köpfen dieses Denunzianten-packs vor sich gehen? Angefangen vom Blockwart, der am Fenster sitzend, geifernd den Telefonhörer in die Hand nimmt um auch endlich mal was zu tun. Weiter mit den Polizisten, die den Anrufer nicht gleich am Telefon verbal zusammenfalten, er möge sich um seinen eigenen Kram kümmern. Bis hin zum Staatsanwalt, der, selbst wenn der komplette Pfandwert von 1,44€ zugrunde gelegt würde, sich in Grund und Boden schämen müsste.

ganz meine Meinung!

 

Kunst http://herr-zander.blogspot.de/2010/12/flaschensammler-in-berlin.html

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Update – die Flaschensammler kommen

folgenden beitrag möchte ich dem geneigten Leser empfehlen

Reich durch Dosen (???)
Mit Pfandsammeln lässt sich viel Geld verdienen – aber ist das überhaupt legal?

und hier gehts zum Pamphlet http://www.focus.de/finanzen/steuern/reich-durch-dosen-tausende-euro-in-saecken-das-geld-liegt-auf-der-wiese-muessen-pfandsammler-steuern-zahlen_id_4844892.html

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und weil mensch beizeiten die worte fehlen, wird erich kästner passend zitiert!

Erich Kästner – Ansprache an Millionäre

von Ellen Vaudlet

Vor über 80 Jahren erschien von Kästner „Ein Mann gibt Auskunft“. Darin findet sich die „Ansprache an Millionäre“. Diese flammende Rede in Versform hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, wenngleich man heute titeln müsste:
Ansprache an Milliardäre.

Der sozialkritische Lyriker Kästner hat, wie weise, damals bereits nicht an das Mitgefühl der Reichen appelliert. Er wies brilliant darauf hin, dass eine zunehmend in arm und reich gespaltene Gesellschaft auch für die Habenden gefährlich werden wird.
Er appelliert damit nicht an “das Gute” im reichen Menschen, vielmehr an deren Geschäftssinn. Ich kommentierte hier unlängst noch im ganz ähnlichen Tenor, denn auch mir erscheint eine Aufrechterhaltung dieses turbokapitalistischen und menschenverachtenden Systems nicht nur für unfassbar ungeheuerlich, vielmehr ist es auch im Höchstmaß töricht.
Kästners Appell hatte ich dabei gar nicht auf dem Schirm…

 

und jetzt vorhang auf

Ansprache an Millionäre von Erich Kästner

 Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.

Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.

Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.

Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.

Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!

Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.

Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…

Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. ihr werdet’s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.

aufgelesen und mit besonderen dank an die Bloggerin gewürdigt…

https://erbendertara.wordpress.com/2013/07/17/erich-kastner-ansprache-an-millionare/

Kunst http://herr-zander.blogspot.de/2010/12/flaschensammler-in-berlin.html

blogbeiträge zum Thema

https://mantovan9.wordpress.com/?s=flaschensammler+

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Ziehen Sie die Anzeigen gegen Flaschensammler zurück !

und erlauben Sie das Pfandsammeln!

von Stephan Karrenbauer

Hamburg, Deutschland

Der Flughafen Hamburg hat im vergangenen Jahr 97 Strafanzeigen gegen Flaschensammler gestellt, die gegen das dort geltende Sammelverbot verstoßen haben. Das haben wir beim Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt im Januar herausgefunden, nachdem einer unserer Verkäufer mit so einer Anzeige zu mir kam. Ich bin Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt und war schockiert, dass nun auch mit Strafanzeigen gegen Arme vorgegangen wird.

Die meisten der Flaschensammler, die zu mir kommen, sind ehrliche und fleißige Menschen. Sie versuchen, sich legal über Wasser zu halten. Wenn sie dafür dann auch noch Anzeigen bekommen, ist das Gift für ihr Selbstwertgefühl.

Ich fordere den Flughafen auf, alle Strafanzeigen gegen Flaschensammler zurückzunehmen! Außerdem muss Pfandsammeln auch am Flughafen erlaubt werden. Für viele ist das neben Betteln die einzige Möglichkeit, sich über Wasser zu halten. Diese Möglichkeit dürfen wir Ihnen nicht nehmen!

Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel der Flughafen Bremen. Dort ist Flaschensammeln erlaubt. Und dass wir Flaschensammler erfolgreich unterstützen können, haben wir schon 2013 gezeigt. Hinz&Kunzt hatte darüber berichtet, dass die neuen Mülleimer in der Hamburger Innenstadt Flaschensammlern das Hineingreifen unmöglich machen. Nach empörter Kritik von unseren Lesern gibt es an einigen inzwischen Pfandregale. Mit eurer Unterstützung können wir auch den Flaschensammlern vom Flughafen helfen!bitte mitzeichnen und teilen Petition · Strafanzeigen gegen Pfandsammler zurückziehen

 

Wertvoller Abfall – Pfandsammeln in Hamburg  

Arme stören »Ästhetik« https://www.jungewelt.de/2015/02-02/028.php?sstr=flaschensammler

YouTube Vola Volontino

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Armut in Deutschland – die Flaschensammler

flaschensammler-in-berlin

Die Jagd nach der Flasche

Die Tätigkeit ist anstrengend, die Konkurrenz groß. Immer mehr Menschen versuchen, ihr ­geringes Einkommen mit Pfandgut aufzubessern, das andere liegenlassen

Von Simon Loidl

Nennen wir ihn Ioan. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Jeden Tag geht der untersetzte, knapp 50 Jahre alte Mann seine Strecke am Ufer des Landwehrkanals in Berlin mehrere Male ab. Er ist auf der Suche nach leeren Pfandflaschen. Die schönen Frühlingstage sorgen dafür, daß der Einkaufstrolley und die extragroße Einkaufstüte, die Ioan dabei hat, sich rasch füllen. Wenn die Sonne scheint, zieht es Hunderte, Tausende auf die Grünflächen und in die Parks der Hauptstadt.
Ioan hat keine Zeit, sich an den wärmenden Strahlen zu erfreuen. Je schöner das Wetter, desto mehr hat er zu tun. Bereits am Nachmittag türmt sich der Abfall neben den Mülleimern, dazwischen immer wieder kostbare Pfandflaschen. Viele werfen die Flaschen nicht ein, sondern stellen sie neben oder auf die Abfallbehälter. Ioan kennt diese alle, klappert sie ab. Dutzende. Immer wieder. Die Arbeit entlang des eingezäunten Ufers zwischen Prinzenstraße und Admiralsbrücke im Stadtteil Kreuzberg ist beschwerlich. Hin und wieder muß Ioan den schwerbeladenen Trolley über die Absperrung hieven, um zu den Flaschen zu gelangen, welche die Leute achtlos neben sich in die Wiese legen. Auch leere Flaschen können schwer sein, außerdem sind die Räder des Trolleys viel zu klein für einen Transport auf nicht-asphaltiertem Untergrund. Jedes Mal, wenn er sein Wägelchen über eine kleine Unebenheit zieht, kippt dieses beinahe um.
Eine Gruppe junger Leute sitzt am Ufer des Kanals am Boden, neben ihnen zahlreiche Flaschen. Ein kurzer Blick ­Ioans genügt, höchstens muß er fragend auf die Flaschen deuten. In der Regel gestattet ihm jeder, das Leergut einzusammeln, denn auch wenn manche Flaschen ganze 25 Cent wert sind, ist es den meisten doch zu mühsam, diese wieder mitzunehmen. Wer teure Drinks in der Kneipe gespart hat, kann schon mal auf ein paar Euro verzichten. Und irgendwie fühlt man sich auch noch gut dabei, jemandem seine Pfandflaschen zu überlassen. Beim Saufen anderen helfen und sich dabei auch noch die Schlepperei ersparen.
Der Einkaufstrolley ist überfüllt, der Plastiksack platzt schon fast, aber die paar Flaschen muß Ioan noch mitnehmen. Er bugsiert den klirrenden Wagen rund um die Feiernden, ein kleiner Erdhügel erschwert das Manöver. Der Trolley kippt um, es klirrt. Ioan wirft einen Blick in den Wagen, eine der Flaschen hat den Unfall nicht überstanden. Er richtet den Trolley wieder auf und geht weiter. Kurz vor der Admiralsbrücke hebt er seine Last über den Zaun. Dann stellt er Trolley und Sack neben einem Verkehrsschild ab und dreht eine Runde auf der Brücke. Die Ausbeute ist jedoch gering. Vor zehn Minuten war Konkurrenz da, ­Ioan findet nur zwei leere Flaschen. Zurück bei seinem Trolley, begutachtet er erst mal den Schaden. Vorsichtig zieht er die zerborstene Flasche zwischen den anderen hervor und trägt sie zu der Altglastonne, die von der Stadtreinigung eigens für die zahlreichen Freilufttrinker aufgestellt wurde, die sich hier bis zum nächsten Herbst täglich einfinden werden. Ioan hebt den Deckel der Tonne und blickt kurz hinein. Nichts zu holen. Er wirft die Scherben seiner Bierflasche hinein und kehrt zu seinem Wagen zurück.

»Keine Arbeit«, erklärt er fast entschuldigend den Grund für seine Tätigkeit. Er spricht nur gebrochen Deutsch. Aus Bulgarien sei er, schon seit einigen Jahren in Berlin, aber es ist schwierig. Stundenlang sammelt er jeden Tag, es schaut nur wenig dabei raus. Er deutet auf den prall gefüllten Trolley: »Zwei oder drei Euro, nicht viel.« Aber irgendwie muß er Essen, Trinken, Zigaretten ja bezahlen. »Was soll ich sonst machen?« Er scheint sich zu freuen, daß ihn jemand anspricht. Ein paar freundliche Worte, ein bißchen Plaudern erleichtern die anstrengendste Tätigkeit. Aber Ioan wirkt auch unruhig, er will offensichtlich nicht zu lange aufgehalten werden. Beim Flaschensammeln muß man flink sein, die Konkurrenz ist groß.

weiterlesen http://www.jungewelt.de/2012/05-26/004.php

bild http://herr-zander.blogspot.de/2010/12/flaschensammler-in-berlin.html

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mehr zum thema

Die Flaschensammler – ohne Pfandgeld geht’s nicht mehr

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Flaschen sammeln um zu überleben

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BLOGBEITRAG: Flaschen sammeln um zu überleben

https://mantovan9.wordpress.com/2011/10/12/flaschen-sammeln-um-zu-uberleben/

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LOBBY-MEDIEN

Menschen am Flughafen : Die heimliche Gesellschaft der Flaschensammler am TXL

http://www.tagesspiegel.de/berlin/menschen-am-flughafen-die-heimliche-gesellschaft-der-flaschensammler-am-txl/6636964.html

Die Bahn als Obdach    Der Zugnomade 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/2.1781/die-bahn-als-obdach-der-zugnomade-1580277.html

Service für Flaschensammler – Kisten, die an Masten hängen

http://www.taz.de/!92034/

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Deutschland hat die Krise wie kaum ein anderes Land gemeistert.

Flaschensammler arbeiten bis spät in die Nacht. Man sieht sie nicht

Flaschensammler arbeiten bis spät in die Nacht. Man sieht sie nicht

Cartoon: Ursula Behr

MEHR http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16032

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Altersarmut

Zum Leben zu wenig

Immer mehr Menschen wissen nicht mehr, wie sie Überleben können während andere das System auf Kosten der Armen missbrauchen. Das Wort » Verantwortung « wurde scheinbar aus dem Wörterbuch herausgenommen. von QuoShop

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Altersarmut

von Heidelinde Penndorf

Senioren gelten heute oft als eine privilegierte Gruppe. Früher verrentet, länger lebend, profitieren sie vom medizinischen Fortschritt und sind mit erarbeiteten Ersparnissen und privaten Rentenanwartschaften gut ausgestattet. Man sagt, es geht ihnen im Schnitt zur Zeit besser als früheren Generationen. Ostdeutsche Rentnerinnen, die in den ersten Jahren nach der Wende in den Ruhestand eingetreten sind, haben zwar selten große erarbeitete Ersparnisse und kaum private Rentenanwartschaften. Doch sie konnten sich meistens auf ungeschmälerte Beitragszeiten von ca. 45 Jahren stützen (Frauen: rd. 37 Jahre) und wurden deshalb oftmals als die wahren Gewinner der Einheit bezeichnet.

Fast unbemerkt und ohne große Schlagzeilen sind wir aber an einem Scheitelpunkt angelangt. Millionen Menschen werden in den kommenden Jahren von ihrer Rente nicht mehr Leben können. Vor allem in Ostdeutschland werden die Renten in die Nähe der Grundsicherung von 600 Euro oder sogar darunter absinken, bei Frauen gar unter 500 Euro. Das Statistischem Bundesamt hat zum Jahresende 2008 veröffentlicht, dass es 2008 insgesamt 768.000 Empfänger von Grundsicherung zur Rente gab – ein Anstieg um 4,8 Prozent gegenüber 2007.

Waren in den vergangenen Jahren meist überwiegend Frauen von Altersarmut betroffen, so sind es jetzt auch immer mehr Männer, die im Alter nicht genug Geld zum Leben haben. Ihre Zahl stieg im Vergleich zu 2007 um 6,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Zahl armer Rentnerinnen stieg “nur” um 3,8 Prozent. Schlimm wird es für die Jahrgänge 1942 bis 1961, die in den nächsten 20 Jahren in Rente gehen, denn 30 Prozent in Ostdeutschland werden davon ausschließlich nur die gesetzliche Rente erhalten, ohne Zusatzversorgungen und private Vorsorge. Von den heute 45- bis 65-jährigen Arbeitern und Angestellten in den neuen Bundesländern verfügen etwa 67 Prozent über eigene Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit. Sie waren im Durchschnitt mehr als acht Jahre arbeitslos, mit entsprechenden Wirkungen auf ihre gesetzliche Rente. Auch geringverdienende Selbständige sind von Altersarmut bedroht. Denn meist beziehen sie noch ergänzendes Hartz-IV und müssen außerdem meist privat Altersvorsorge betreiben. Da etwa ein Drittel aller Selbständigen im Jahr 2005 lediglich über ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.100 Euro verfügte, ist davon auszugehen, dass keine ausreichende Vorsorge getroffen werden kann.

Besonders armutsgefährdet im Alter sind Leistungsbezieher des SGB II, also Hartz-IV-Betroffene. Die für Arbeitslosengeld II-Beziehende zu entrichtenden Rentenversicherungsbeiträge betragen seit dem 1. Januar 2007 nur noch rund 40 Euro pro Monat. Ein Jahr Arbeitslosengeld II-Bezug führt damit zu einer Rentenanwartschaft von etwa 2,19 Euro im Monat. Die Beiträge seitens der Bundesagentur für Arbeit werden ab 2011 für einen Bezieher von Arbeitslosengeld II nicht mehr entrichtet. Neben noch geringerer Altersrente bedeutet dies für die Betroffenen, dass Lücken im Rentenversicherungsverlauf entstehen und gegebenenfalls eventuell notwendige Vorversicherungszeiten, die für den Bezug einer Altersrente erforderlich sind, nicht erreicht werden. Unter Umständen kann auch ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente durch den Wegfall der Beitragszahlungen vernichtet werden. Auch die anderen Ursachen, die zu Altersarmut führen, kennen wir alle :

– die Nullrunden bei den Rentenzahlungen 2004, 2005 und 2006

– die Dämpfungsfaktoren – Riester-Faktor mit dem Altersvermögensergänzungsgesetz,

– der Nachhaltigkeitsfaktor

– die Rente mit 67 (indirekte Rentenkürzung)

– Leiharbeit,

– Minijobs

– Arbeit im Bereich des Niedriglohnsektors

– Die Kürzung des Leistungskatalogs im Gesundheitsbereich

– Die Zuzahlungen bei den Medikamenten u. für bestimmte medizinische Leistungen

– Die Praxisgebühr

Wenn wir uns unter diesen Gesichtspunkten explizit Situation in Sachsen Anhalt ansehen, dann ist Fakt dass in Sachsen-Anhalt die niedrigsten Löhne gezahlt werden und ca.60 Prozent der Alleinerziehenden auf Hartz IV angewiesen sind (im Bundesdurchschnitt sind es 42%) und Sachsen –Anhalt hat außerdem die dritthöchste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Nun noch ein paar Fakten zum Arbeitsmarkt:

Immer weniger Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen schaffen die Rente mit 65, von der Rente mit 67 gar nicht zu reden Und diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen vorher ausscheiden, werden mit Erwerbsminderungsrenten von ca. 640 Euro pro Monat abgespeist. Rente mit 67, das wissen die Menschen, bedeutet für sie Rentenkürzung. Bei der Arbeitslosigkeit unter den Älteren hat es absolut keine Verbesserung gegeben. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der über 60-Jährigen, deren Arbeitslosigkeit ist in den letzten zwölf Monaten um 50% angestiegen. Und nur jeder vierte ältere Arbeitslose über 55 Jahren findet überhaupt noch einmal Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die von mir geschilderte Situation ist politikgemacht – es sind Auswirkungen einer falschen und verfehlten Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik über mindestens 10 Jahre. Daran wird auch die ab 2011 eingesetzte Regierungskommission gegen Altersarmut nichts ändern. Sie soll Vorschläge machen, wie jemand, der sein Leben lang Vollzeit gearbeitet hat, auch ein Alterseinkommen hat, das ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Diese Schritte greifen zu kurz, fassen nur einen Teil der Probleme an. Im Arbeitsmarktbereich brauchen wir dringend ausreichend versicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeitsplätze, z.B. im öffentlichen Beschäftigungssektor und die Einführung eines gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohnes. Und Ob die Rente auch bei steigender Lebenserwartung finanzierbar bleibt und das Rentenalter von 65 Jahren beibehalten werden kann, ist keineswegs allein eine Frage des demografischen Verhältnisses von Alt zu Jung. Viel wichtiger ist das Verhältnis von Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern zu Rentenbezieherinnen und Rentenbeziehern, die Entwicklung der Produktivität sowie der Löhne und nicht zuletzt der sofortige Stopp der staatlichen Subventionierung der privaten Altersvorsorge.

Der Ausbau der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung wäre ein wesentlicher Schritt in Richtung einer soliden und solidarischen Finanzierung der Alterssicherung. Ob nun bereits heute Versicherungspflichtige, Selbständige, Beamtinnen und Beamte, Ministerinnen und Minister und Abgeordnete – alle Erwerbstätigen sollen unter Wahrung des Bestandsschutzes zukünftig in die solidarische Erwerbstätigenversicherung einbezogen werden.

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Zum Schluss möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch auf einen ganz wichtigen Aspekt hinweisen, der mich persönlich sehr betroffen macht:

Altersarmut ist für uns kaum sichtbar und spürbar im täglichem Leben. Denn Altersarmut ist fast immer Versteckte Armut. Damit wird ausgedrückt , dass sich alte Menschen so sehr schämen, in Armut geraten zu sein, dass ihre Wertvorstellung es nicht zulässt, dies der Umgebung zu zeigen. Die eigene Wertvorstellung verhindert auch, dass ein Anspruch an die Gemeinschaft gerichtet wird. Sozialhilfe wird nicht beantragt, weil befürchtet wird, dass dann die Finanzverhältnisse der ganzen Familie offen gelegt werden müssen und evtl. erwachsene Kinder zum Unterhalt verpflichtet werden.

Betroffene sparen :

– An Lebensmitteln

– Es wird nur noch das Lebensnotwendigste gekauft

– Reparaturen in der Wohnung werden verzögert (z. B. Tapeten);

– Rezepte werden nicht eingelöst, medizinische Leistungen nicht in Anspruch genommen

– Besuche werden nicht eingeladen; bzw. nicht reingelassen

– Beim Gang auf die Straße oder zum Einkaufen werden noch vorhandene “Sonntagskleider” angezogen, die in der eigenen Wohnung sofort wieder abgelegt werden, um sie zu schonen. Die Kleidung außerhalb der Wohnung erhält so die Fassade eines “normalen” Lebens

Ich habe den Artikel geschrieben, um aufzuzeigen, dass wir dieses Problem ziemlich schnell regeln müssen. Ich sehe da zwei Möglichkeiten. Entweder sollte das Rentensystem umgestellt werden und Maßstäbe für eine Sockelrente festgelegt werden die finanziell so beschaffen sein sollte, dass Rentnerinnen und Rentner auskömmlich davon leben können oder man beschreitet den revolutionären Weg eines BGE. Ich weiß, das dieser Weg völlig umstritten ist, doch finanziell machbar und eben eine Lösung der Umverteilung des Bruttosozialproduktes einschließlich Steuern.

Heidelinde Penndorf

quelle http://ndsdresden.wordpress.com/2012/04/16/altersarmut/

bild http://herr-zander.blogspot.de/2010/12/flaschensammler-in-berlin.html

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