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Front News -> Armut, so weit das Auge schaut

 

Sperrmüll für die Armen

Hartz-IV-Bezieher dürfen ihre Wohnung nur mit minderwertiger Einrichtung ausstatten. Sozialkaufhäuser profitieren

Von Susan Bonath

Von 409 Euro muss ein alleinstehender Hartz-IV-Bezieher jeden Monat alles außer der Miete zahlen: Essen, Strom, Fahrkosten, Telefon, Kleidung, Reparaturen im Haushalt und vieles mehr. Das Sparen fängt bereits beim Gründen eines eigenen Haushalts an. Zwar müssen Jobcenter ihren Klienten zusätzliche Mittel für die Ersteinrichtung der Wohnung gewähren. Doch ein Fall aus dem bayrischen Schwabach zeigt nicht nur, dass von diesen Minisummen mehr als Sperrmüll praktisch nicht zu bekommen ist. Auch die Geschäfte der Sozialkaufhäuser blühen im Zuge der staatlichen Armutsverwaltung.

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https://www.jungewelt.de/artikel/321990.sperrm%C3%BCll-f%C3%BCr-die-armen.html

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aktuell  zum Thema

cartoon -> klaus stuttmann

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Front News: Jobcenter brutal -> Bettler alias „Selbstständiger“ sanktioniert?

aufgelesen -> In Steuerparadiesen verschwinden Milliarden an Schwarzgeldern, und die Vermögenden zahlen dafür keine Steuern und Sozialabgaben, denn da wird ja nichts kontrolliert!

Aber von einem Bettler mit Hartz IV-Bezug erwartet man die komplette Buchführung aus „selbständiger Arbeit“, da betteln als Beruf gelten soll???

ARMES DEUTSCHLAND!

 

links zum Thema

Dortmunder Bettler wurde Hartz IV gekürzt – Ruhr Nachrichten

Fotomontage -> Politik und Zeitgeschehen

 

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Neoliberalismus -> FRISS oder STERBE!

Hartz IV – Sollen sie doch verrecken! – YouTube

vorweg – neoliberalismus  -> ideologie der eliten, um sich auf kosten der allgemeinheit zu bereichern..
für die betroffenen heißt das -> friss oder sterbe!

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dialog -> Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!
(Franz Müntefering, $PD)

Besser kann man die menschenverachtende Gesinnung des international operierenden Christsozialdemokratismus nicht auf den Punkt bringen, die den Wert eines Menschen auf dessen ökonomischen Erwerbs- und Ausbeutungswert im Sinne ihrer Komplizen der Bankster-/Bonzenmafia reduziert.

Perfide daran ist ja nicht wirklich dieses verfälschte Bibelzitat, das in Wirklichkeit lautet: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Diese Einstellung liegt ja dem Kapitalismus und allen Vorformen zugrunde: Wenn du dich wirtschaftlich nicht ausbeuten lässt, ob nun absichtlich, weil du dich querstellst, oder unabsichtlich, weil du krank bist oder weil es nicht genügend Arbeitsplätze gibt, dann sollst du kläglich zugrunde gehen, verhungern, erfrieren oder als Volksfeind totgeschlagen werden wie ein stinkender Hund. Denn dann bist du nicht lebensfähig und daher auch nicht lebenswert, von liebenswert mal ganz zu schweigen. Das ist doch die eigentliche Mechanik des Kapitalismus und all seiner Vorläufer, wie man sie z.B. im Römischen Imperium oder auch schon bei den Griechen vorfindet. Letztere waren natürlich keine Demokraten in dem Sinne, dass das Volk regierte, wie man uns das in den Schulen irrigerweise lehrte, sondern Sklavenhalter und Kriegsherren, deren Wohlstand hauptsächlich aus Raub und Ausbeutung hervorging.

Müntefering rief damit unbestreitbar zum Mord durch Verhungern an Millionen Deutschen auf! Wurde er dafür belangt? Nicht mal im Ansatz, der darf solche Hetze ungestraft verbreiten, genau wie alle anderen, die sich in irgend einer Weise mit dem Imperator identifizieren, das dürfen. Unabhängige Gerichte? Wo denn, in aller Götter Namen?

Würde ich nun meinerseits dazu aufrufen: Wer solche Hassreden verbreitet, hat sein Lebensrecht verwirkt. … ja, dann würde man mich wegen Volksverhetzung anklagen und einsperren, womöglich auch beim Widersetzen gegen die Staatsgewalt erschießen oder beim Fluchtversuch, oder ich würde in der Zelle verbrennen. Kein Hahn würde nach mir krähen.

„Arbeit macht frei“, wo stand das noch mal? In der deutschen Verfassung??

aufgelesen unterm beitrag
https://www.heise.de/tp/features/Arbeitslosengeld-II-Vom-Sparen-und-dem-Trinkgeld-3876371.html

dialog-quelle https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeitslosengeld-II-Vom-Sparen-und-dem-Trinkgeld/Wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen/thread-5422427/

mehr https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeitslosengeld-II-Vom-Sparen-und-dem-Trinkgeld/Re-Wer-ist-denn-auch-so-dumm-und-erzaehlt-dem-Amt-davon/posting-31300849/show/

blogbeiträge https://mantovan9.wordpress.com/?s=wer+nicht+arbeitet%2C+soll+auch+nicht+essen

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nachgeschoben -> Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen…

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Agenda 2010 ohne Gnade – Manfred Meier ist tot

R I P – am ende des regenbogens – sehen wir uns alle wieder!

Bild zur Petition mit dem Thema: Gerechtigkeit für Manni Leid

Mannis Leid hat ein Ende

Agenda 2010/Nachruf Manfred Meier kämpfte gegen das, was er als Unrecht empfand. Der Staat sah ihn wohl nur als Querulanten. Nun endete Mannis Kampf auf dem Totenbett

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied asansörpress35

Die Mauertoten an der DDR-Staatsgrenze zur BRD zählte man. Keine Frage: Jede/r Tote ist eines/r zu viel.

Manfred Meier ist tot. Heute erst zu lesen auf Facebook. „Manni“ ist bereits am 12. Mai im Marienhospital zu Herne seinem Leid erlegen. Das Leben hatte ihm übel mitgespielt. Das Leben? Kaltland! Ein Schock für mich. Ich lernte den kämpferischen Zeitgenossen vor Jahren am Rande einer Veranstaltung mit Inge Hannemann in Wanne-Eickel kennen.

Die Agenda 2010 hat den Mann auf dem Gewissen. Könnte man sagen. Freilich juristisch fest wäre das nicht zu beweisen. Weshalb ich schreibe: die Umstände haben ihn auf den Gewissen. Gewissen? Jedoch könnte gesagt werden: Das einst von Rot-Grün installierte Agenda-System – in vorderster Linie Hartz IV – machte Manfred Meier krank. Und letztlich erschlug es ihn im übertragenen Sinne. Kalte Bürokraten wollten nicht hinnehmen, dass Meier sich gegen das System wehrte. Aber das tat er. Sicher nicht immer mit legalen Mitteln. Etwa dokumentierte Meier in Wort und Bild auf Video wie man mit ihn amtlicherseits umsprang. Das brachte ihm die Kriminalpolizei ins Haus. Später musste er sogar ins Gefängnis. Den Ämtern bis hin zum sozialdemokratischen Bürgermeister mochte er als Querulant gelten. Dabei wollte Manni nur das, was in seinen Augen Unrecht war, nicht wehrlos hinnehmen. Nun hat er seinen Kampf verloren. Er ruhe sanft.

Ach ja: Zählt eigentlich jemand die Agenda 2010-Opfer? Jede/r ist eines zu viel.

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https://www.freitag.de/autoren/asansoerpress35/mannis-leid-hat-ein-ende

Facebook –> Manfred Meier

https://www.facebook.com/profile.php?id=100004763505164&pnref=story

Foto aufgelesen – Gerechtigkeit für Manni Leid – Online-Petition

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epilog – abschied!

Gefangenen Chor von Nabucco – Verdi 

YouTube schneewittchen33rosi@gmail.com

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Hartz IV – Sollen sie doch verrecken!

vorspann – „Ein provokanter Titel? Ja – aber nicht ohne Grund gewählt! – Dresdner Sozialwacht

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Agenda 2010 und Hartz IV –

Das war doch von Anfang an der Plan.
Arbeitnehmer sollten erpressbar gemacht werden, indem die Alternative „Langzeitarbeitslosigkeit“ wie die Hölle aussieht. „Alles, bloß kein Hartz-IV“ zwingt selbst hochqualifizierte Menschen ab einem gewissen Alter (ab 50) in Niedriglohnbeschäftigungen, weil sie anderweitig gemäß ihrer Qualifikation nichts mehr bekommen werden. Und wer nicht in dem Alter ist, kann aufgrund der Lücken im Lebenslauf irgendwann auf keine Besserung mehr hoffen: „wer einmal aus dem Blechnapf frisst …“
Dank Hartz-IV ist der zweite Arbeitsmarkt (Zeitarbeit) regelrecht explodiert in seinen Dimensionen. Bevor man Hartz-IV mit allen Nachteilen bekommt, geht man lieber als Lohnsklave für den Ausbeuter schaffen, erhält bis zu 1/3 weniger Gehalt unter gleichzeitiger Aufgabe seiner Rechte als Arbeitnehmer am Einsatzort. Noch gibt’s keine 0-Stunden-Verträge wie in GB, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit: bevor man Hartz-IV beantragt und vom Amt gefickt wird – und das muss man so nennen – bleibt man lieber bei unterirdischer Bezahlung und Behandlung beim Sklaventreiber.

Denn was ist die Alternative? Hartz IV vernichtet den Erfolg eines kompletten Arbeitnehmerlebens. Wer bis mitte 50 stets gut gearbeitet hat, verliert innerhalb weniger Jahre praktisch alles, seine Altersvorsorge (Vermögen), seine Rente (Rentenansprüche). Wer auf der Ziellinie scheitert – und das tun die meisten – steht am Ende als Armutsrentner da. Wer noch jung genug ist, muss die Lücken erklären können – und wer das nicht will, schlägt den praktisch unwiderruflichen Weg eines Zeitarbeiters ein. Da gibt’s Leute, die seit 10, 15 Jahren als Zeitarbeiter im selben Unternehmen und selben Einsatzort schaffen – und die sich nicht wehren können, wollen sie ihren Job nicht verlieren. Andere gehen lieber 60+x Stunden schaffen, weil sie nicht aufstocken möchten – indem sie neben dem Hauptlohnberuf auch noch zwei weitere Nebenjobs haben.

Hartz IV soll die Leute erpressbar und gefügig machen. Mit der Agenda 2010 hat sich Deutschland vom Sozialstaat verabschieden, mit dem Ende der Arbeitslosen- und Sozialhilfe die Leute komplett entwürdigt.

Das soll so sein. Das war von Anfang an beabsichtigt. Und folgt man dem ganzen Thema richtig, dann ist Agenda 2010 nichts anderes als „Arbeit macht frei“ – nur ohne KZ.

quelle https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeitslosengeld-II-Schleichendes-Gift-fuer-die-Psyche/Das-war-doch-von-Anfang-an-der-Plan/posting-30189590/show/?nid=CWC6QiyY

 

aufgelesen unterm beitrag

Arbeitslosengeld II: Schleichendes Gift für die Psyche | Telepolis – Heise

 

beiträge zum Thema – aktuell

Hartz-IV: Verstoß gegen Menschenrechte?

Arbeitslosengeld gestrichen – Wohnungslos geworden

news: Hartz IV: Exzessive Verfolgungsbetreuung geplant

Bei Fliesen bitte Hausschuhe tragen

Wahlprogramm der Linkspartei: Absage an NATO und Hartz IV

 

Das sagen und denken „eure Volksvertreter“ über euch „Hartzer“

Harz IV – Genozid Hartz IV: Volksverhetzung durch Politiker — der …

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HARTZ-IV HUNGERTOD

„Ein politisches System, das dem Untergang geweiht ist, tut instinktiv vieles, was diesen Untergang beschleunigt.“
Jean Paul Sartre

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Bundessozialgericht: kein Hund bei Hartz IV

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Das Bundessozialgericht spricht: kein Hund bei Hartz IV

Das Urteil des Bundessozialgerichtes vom 08.02.2017, Az. 14 AS 10/16 R, lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: ALG II Bezieher haben kein Recht auf einen Hund als Haustier. Geklagt hatte eine Erwerbstätige, deren geringes Einkommen mit ALG II aufgestockt werden muss und welche die Beiträge zur landesgesetzlich vorgeschriebenen Hundehaftpflichtversicherung gemäß § 11b Abs. 1 Nr. 3 SGB II von ihrem Einkommen absetzen wollte.

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http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/bundessozialgericht-kein-hund-bei-hartz-iv.php

empfehle Hartz IV – ALG II » Hartz IV News

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Oh du Fröhliche: Prominente, Politiker, Konzernchefs und Kirchenmänner verteilen Almosen an Arme

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Neues aus den Unterklassen: Weihnachtlicher Ablasshandel

Oh du Fröhliche: Prominente, Politiker, Konzernchefs und Kirchenmänner verteilen Almosen an Arme. Tafeln wollen zukunftsfähig werden – und Veganer sind erregt über fleischessende Obdachlose.

von Susan Bonath

The same procedure as every year: Um die Weihnachtszeit widmen sich christlich-abendländische Privatiers wieder jenen, die Politiker im restlichen Jahr gerne als Leistungsversager titulieren. Öffentlichkeitswirksam üben sich Prominente, Politiker, Konzernchefs, Kirchenmänner und Tafeln an karitativer Wohltätigkeit. Die Zahl der ganz unten Angekommenen wächst und wächst in Deutschland. Der moderne Ablasshandel blüht im Hort der westlichen Grundwerte.

Papst Franziskus hatte es an seinem 80. Geburtstag am 17. Dezember vorgemacht. Acht Obdachlose aus Italien, Rumänien, Moldau und Peru ließ er an diesem Tage in den prunkvollen Vatikan einfliegen, wie die Webseite katholisch.de berichtete. Er speiste sie mit einem Frühstück, Süßigkeiten und Torte. Fotos des römisch-katholischen Kirchenoberhauptes mit dankbar dreinblickenden Bettlern gingen durch die Medien. Wie das Leben der Eingeladenen an den restlichen 364 Tagen des Jahres aussieht, gab die Meldung nicht her.

„Das schaffen wir nicht (mehr)“

Der Sänger und Entertainer Frank Zander und dessen Sohn Marcus lächeln am Montag ein eher gequältes Lächeln in die Kameras. Prunk und überbordendes Elend prallen auf den Fotos aus dem Neuköllner Hotel Estrel vom Montagabend aufeinander. Zum 21. Mal bewirteten die Zanders Obdachlose. Aus anfangs 250 sind inzwischen 3.000 geworden. Das ist nur ein geschätztes Sechstel der Berliner Betroffenen. Man trifft sie zu jeder Jahreszeit – unter Brücken, in Parks, in Ruinen.

„Theoretisch könnten wir doppelt so viele einladen, aber das schaffen wir nicht“, sagt der Sohn gegenüber dem Tagesspiegel. Zander kompensiere das „emotional“, zum Beispiel mit Geschenktütchen für jene, die im Verteilungskampf in Suppenküchen und Notunterkünften – zwischen deutschen und osteuropäischen, alten und jungen Obdachlosen – um die Einlassbändchen zurückstecken mussten. Sein Statement wirkt so glaubhaft wie hilflos. Denn die Zahl der Menschen auf der Straße wächst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rechnet bundesweit mit mehr als einer halben Million Betroffenen bis 2018. Bereits im Jahr 2014 zählte sie so viele Menschen auf der Straße, wie insgesamt in Wuppertal leben: Knapp 350.000.

Veganer fordern fleischlose Armenspeisung

Man könnte die Menschen unterbringen. Leerstand gibt es in Berlin genug. Enteignungen von Immobilienspekulanten, die Häuser verfallen lassen, um irgendwann Luxusbauten für Reiche hinzustellen, erlaubt das Grundgesetz. Offiziell starben seit 1991 bundesweit knapp 300 Obdachlose den Kältetod. Erst vor wenigen Tagen fand man im thüringischen Suhl einen Erfrorenen.

Doch das war im Vorfeld von Zanders diesjähriger Mildtätigkeit nicht das Problem des Musikmanagers Andreas „Bär“ Läsker. Der so radikale wie reiche Vorbeter der Veganer-Szene stieß sich an den von Zander servierten 3.000 Gänsekeulen. Der Musiker hätte den Wohnungslosen, die an 364 Tagen im Jahr vermutlich häufig nicht wissen, wie sie satt werden, auch Gemüsebuletten servieren können, so Läsker letzte Woche auf Facebook. Die Empörung der Veganer-Szene über Zanders „Gänseleichenfledderei“, aus beheizten Wohnzimmern ins World Wide Web getippt, ließ nicht lange auf sich warten. Derart heftig fiel sie aus, dass Läsker den Beitrag inzwischen entfernt und sich eine Entschuldigung abgerungen hat.

Container wegen unbezahlbarer Mieten

Drohender Wohnungsverlust ist längst nicht mehr das Problem kleiner Randgruppen. Die Ursachen sind nicht zuletzt steigende Mieten bei wachsender Erwerbsarmut. Über zwei Millionen deutsche Haushalte – und doppelt so viele Menschen – waren 2015 verschuldet. Zu sechs Millionen Hartz-IV-Beziehern kommen eine Million Rentner und Behinderte in der Grundsicherung sowie sieben Millionen Menschen mit einem Niedriglohn von unter zehn Euro. Das geht aus jüngsten Berichten der in diesem Punkt nicht zur Übertreibung neigenden Bundesregierung hervor. Wer Mietschulden anhäuft, sei es durch geringes Einkommen oder Hartz IV-Sanktionen, dem droht schnell die Zwangsräumung. Deren Zahl hat sich alleine in Berlin seit 2009 auf rund 10.000 im Jahr 2015 verdoppelt.

In Stockach, einer 16.000-Einwohnerstadt in Baden-Württemberg, stehen noch im Dezember zwei Zwangsräumungen an, wie der Südkurier am vierten Advent berichtete. Freie günstige Wohnungen gibt es dort nicht. Von 34 Zimmern, die die Stadt für Obdachlose bereithält, seien 31 belegt – der Bedarf wachse. Zehn Container will Bürgermeister Rainer Stolz deshalb zusätzlich aufstellen lassen. Seine Stadt könne keine festen Unterkünfte zu „sozial verträglichen Preisen aus dem Hut zaubern“, erklärte er der Zeitung.

Neue „soziale Architektur“: Schlafboxen

In Köln lebt die Armut, wie in vielen Großstädten, noch sichtbarer auf den Straßen. Der Hobbyschreiner Sven Lüdecke baut dort in seiner Freizeit transportable Mini-Wohnboxen aus Sperrmüll: Zweieinhalb Meter lang, halb so breit und mit 1,60 Meter zu niedrig, um aufrecht darin zu stehen. Die Boxen, bestückt mit gesponserten Matratzen, verschenkt er an Bedürftige. Er trifft sie im Park oder am Bahnhof. Inspiriert hat ihn der New Yorker Innenarchitekt Gregory Kloehn, wie der Deutschlandfunk Ende November berichtete. Seit Jahren baut Kloehn ähnliche Miniatur-Häuschen für die Armen jenseits des Atlantiks.

Die Auflagen vom Kölner Bauamt dafür sind hoch. Der Brandschutz muss eingehalten werden und bei längerem Gebrauch eine Baugenehmigung her. Es gibt Befürchtungen, dass die Hütten „nicht ins Stadtbild passen“, so Lüdecke. Das Drama: Der Bedarf an solchen Boxen ohne Strom, Wasser und Klo ist riesig. Der Sender nennt sie „Architektur mit sozialem Anspruch“. Diese sei „auf dem Vormarsch“, betont er.

Tafeln wollen weiter expandieren

Eine blühende Form der Armenspeisung sind die Tafeln. Über 900 sind im Bundesverband organisiert. Weitere solche Einrichtungen hängen an Caritas, Diakonie oder den Kommunen. Sie holen aussortierte Lebensmittel aus Supermärkten ab. Bedürftige bekommen sie zu geringen Preisen. Zunehmend beklagen die Tafeln zwischen Nordseeküste und Oberbayern wachsende Überlastung. Die von Handelsketten derart billig entsorgten Waren decken längst nicht mehr den steigenden Bedarf. Der Streit darum, wer tafelpassberechtigt ist und wer nicht, tobt im Armenhaus des christlichen Abendlandes.

Das „Fest der Nächstenliebe“ hat auch in diesem Jahr nicht Halt gemacht vor den Essenausgabestellen. Spendenaufrufe geisterten in der Vorweihnachtszeit durch die Medien. Tütchen und Päckchen werden gepackt: Süßigkeiten und Spielzeug für arme Kinder, Schlafsäcke und warme Socken für Obdachlose. Karitatives Engagement für die dritte Welt war früher. Heute dient sie der eigenen Armutsverwaltung.

Und Letztere ist zukunftsfähig. Das betont der Bundesverband der Tafeln in Deutschland auf seiner Webseite. Er hat ein neues Projekt namens „Junge Tafel“ ins Leben gerufen, um Helfernachwuchs zwischen 16 und 29 Jahren zu schulen und das Konzept der Armenspeisung „mit innovativen Ideen weiterzuentwickeln“. Diese Aussicht gibt zu denken.

Fordern und Fördern mit Grube, Gauck und Steinmeier

Wo es um karitative Selbstdarstellung geht, lassen sich auch Bahnchef Rüdiger Grube und seine Freunde aus der Politik nicht lumpen. Gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck und dessen avisiertem Nachfolger und jetzigen SPD-Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, ließ sich Grube pünktlich zum vierten Advent als Hauptsponsor für den Ausbau der Bahnhofsmission am Berliner Zoo feiern. Letztere soll auf 500 Quadratmetern in bahneigener Immobilie zusätzliche Beratungsräume erhalten, ließ der Bahnchef am Wochenende gegenüber der Presse verlauten. Auch Steinmeier habe dafür 50.000 Euro aus seiner Portokasse gezogen. Der SPD-Politiker sei schließlich Fachmann, so der Tagesspiegel. Grund: Steinmeier promovierte einst zum Thema Obdachlosigkeit.

Wer die Politik von SPD und Union verfolgt, ahnt, worum es beim Grube-Steinmeier-Projekt geht: „Fördern und Fordern“ alias „Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche“. Die 14,5 Millionen Hartz IV-Bezieher der vergangenen zwölf Jahre – von der CSU in einem am 14. November veröffentlichten Wahlwerbevideo wenig freundlich als Schmarotzer tituliert – dürfte diese Parole zusammenzucken lassen. Seit zwölf Jahren rechtfertigt die Politik harte Hartz IV-Sanktionen mit „Fördern und Fordern“.

Doch immerhin: Da Kürzungen und Streichungen des Existenzminimums nicht selten Obdachlosigkeit bescheren, droht dem medialen Ablasshandel der Wirtschafts- und Politprominenz noch lange nicht das Aus. Verteidiger der westlichen Werte können endlich ihr christlich-abendländisches „Herz für Arme“ vor Ort ausleben. Frohe Weihnachten!


https://deutsch.rt.com/inland/44499-neues-aus-unterklassen-weihnachtlicher-ablasshandel-armut-obdachlose/

 

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